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QCoat aus Leipzig verspricht weniger Schmutz im Wasserfilter

Testanlage für die Rolle-zu-Rolle-Produktion von Polymer-Filtermembranen. Foto: Leibniz-IOM

Testanlage für die Rolle-zu-Rolle-Produktion von Polymer-Filtermembranen. Foto: Leibniz-IOM

Frisches Kapital für sächsische Leibniz-Ausgründung

Leipzig, 3. Mai 2021. Die Leipziger Forscherin Dr. Agnes Schulze vom „Leibniz-Instituts für Oberflächenmodifizierung“ (IOM) hat einen schmutzabweisende Polymermembranen entwickelt, die schmutziges Wasser effizienter säubern sollen. Das Konzept hat auch zwei halbstaatliche Risikokapitalisten aus Sachsen überzeugt: Der „Technologiegründerfonds Sachsen“ (TGFS) und die „Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Sachsen“ (MBG) investieren gemeinsam in das junge Unternehmen „qCoat GmbH“. Mit dem Geld will die IOM-Ausgründung nun die Serienproduktion der neuen Polymermembranen ankurbeln. Das geht aus einer gemeinsamen Mitteilung des TGFS, der qCoat und des IOM hervor. Die Investitionssumme nannten die Partner allerdings nicht.

Dr. Agnes Schulze. Foto: Leibniz-IOM

Dr. Agnes Schulze. Foto: Leibniz-IOM

Filter weisen Schmutz ab

Die promovierte Chemikerin Agnes Schulze hatte gemeinsam mit ihrem Team in den vergangenen Jahren selbstreinigende Wasserfilter entwickelt. Dafür bestückten sie Membranfilter aus Polymeren mit Verdauungsenzymen und fixierten sie mit Elektronenstrahlen. Außerdem modifizierten sie die Oberflächen so, dass sie Fette und Eiweiße leicht abweisen. Dadurch konnten sie den „Fouling“ genannten Verstopfungsprozess von Abwasserfiltern um bis zu 90 Prozent senken. Zudem bauen die aktiven Verdauungsenzyme beispielsweise Hormone und andere organische Ablagerungen im Abwasser auf natürliche und ressourcenschonende Weise selbstständig ab. Solche Filter müssen seltener gesäubert oder ausgewechselt werden, halten laut qCoat doppelt so lange wie herkömmliche Filter, steigern den Wasserdurchsatz, verbrauchen weniger Energie und sind zudem einfach im Rolle-zu-Rolle-Verfahren herstellbar. 2018 bekam Dr. Schulze für ihre Membranfilter den Kurt-Schwabe-Preis der Sächsischen Akademie der Wissenschaften. Im Mai 2019 gründete die Wissenschaftlerin dann gemeinsam mit Dr. Alexander Braun und Dr. Karsten Otte die qCoat GmbH, die eine Variante dieser Filtermodifikationen in den industriellen Maßstab bringen will. Inzwischen gehört auch Christian Wunderlich zur Geschäftsführung.

Männer-Trio kennt sich von Solarion-Desaster

Die Männer im Führungsteam kennen sich von der glücklosen Dünnschicht-Solarfirma „Solarion AG“, die Ende 2014 pleite ging und deren Reste dann von der türkischen OC3-NUH übernommen wurden. Diesmal wollen sie aber alles besser machen. „Die anhaltend hohe Nachfrage von Membran- und Filtermodulproduzenten ermutigt uns, die qCoat-Technologie nunmehr als globalen Standard zu etablieren“, beteuern Braun und Wunderlich. Anbieten wollen die Gründer ihre selbstreinigenden Filter beispielsweise Getränke-, Lebensmittel- und Chemiefabriken, Abwasserwerken sowie Pharma- und Biotech-Firmen.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: QCoat, TGFS, IOM