Personalmangel bremst Aufschwung im ostsächsischen Handwerk

Viele Betriebe finden nicht mehr genug Meister und Gesellen, um weitere Aufträge anzunehmen
Dresden, 25. Oktober 2018. Der wachsende Fachkräftemangel bremst den Aufschwung im ostsächsischen Handwerk aus. Das geht aus der jüngsten Konjunkturumfrage der Handwerkskammer (HWK) Dresden hervor.
Vor allem Bau und Gesundheits-Handwerk stehen gut da
Darin schätzen etwa 71 Prozent der knapp befragten 500 Kammerbetriebe ihre wirtschaftliche Situation derzeit als gut ein. Besonders auf dem Bau und bei Gesundheitshandwerkern wie etwa Optikern und Hörakustikern sind die Auftragsbücher gut gefüllt – erstere durch Wohnungsbau und die Investitionen der Industrie, letztere vor allem durch den demografischen Wandel und den steigenden Seniorenanteil in der Gesellschaft. In den Kfz-Werkstätten (Dieselskandal), in Bäckereien und Fleischereien (heißer Sommer) fielen die Geschäfte zuletzt dagegen etwas schwächer aus.

Kapazitätsgrenze erreicht
Allerdings rechnen die meisten Handwerker auch mit keinen weiteren Steigerungen mehr. „Obwohl die Kapazitätsgrenzen bei vielen Betrieben erreicht sind, konnte sich die Beschäftigtenzahl in den Unternehmen im dritten Quartal nur leicht erhöhen“, erklärte HWK-Hauptgeschäftsführer Andreas Brzezinski. „Den Betrieben fehlen die Fachkräfte.“
Kammerpräsident: qualifizierte Einwanderung ist notwendig
Um dem Personalmangel zu begegnen, hofft Kammer-Präsident Jörg Dittrich auch auf einen Zustrom ausländischer Fachkräfte durch das neue Einwanderungs-Gesetz. „Eine qualifizierte Einwanderung ist notwendig“, betonte Dittrich. Das Handwerk habe sich zwar weit mehr als viele Konzerne darum bemüht, Flüchtlinge zu integrieren, sie in Ausbildungen und Jobs zu bringen. Dies sei aber keine Lösung für das Fachkräfteproblem. „Im Handwerk liegt der Bedarf an Ungelernten inzwischen bei unter zwei Prozent“, erklärte Brzezinski. Zwar gebe es einige unter den Flüchtlingen, die in ihrer Heimat zum Beispiel als Fahrradmechaniker oder als Heizungsbauer gearbeitet haben. Doch diese Qualifikationen seien in Deutschland kaum ausreichend: „Der Fahrradmechaniker arbeitet heute mit Hochspannung an E-Bikes und kaum noch mit der schmutzigen Fahrradkette“, sagte Dittrich. Und im Sanitär- und Heizungssegment sei es ganz ähnlich. Da installiert der Handwerker heute Software statt den Pümpel zu schwingen.
Kommunen sollten mehr in Verkehrsverbindungen investieren
Daneben sehen die Ober-Handwerker aber auch regionale Stellschrauben, um die Fachkräfte-Situation zu verbessern. So müsse die Dresdner Stadtspitze eben auch abwägen, wieviel sie zum Beispiel in den sozialen Wohnungsbau investiere und wieviel ihr bessere Bus- und Bahnverbindungen ins Umland wert seien, argumentiert Dittrich. Denn bessere Verkehrsverbindungen könnten Gesellen aus dem Umland anlocken – und ein stärkeres Pendlerplus könnte den Fachkräfte-Mangel in Dresden mindern.
Autor: Heiko Weckbrodt

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