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Reuters: Glofo drängt EU zu Verfahren gegen Rivalen TSMC

Vor allem die modernen 300-mm-Fabriken von TSMC sind stark ausgelastet. Foto: TSMC
Vor allem die modernen 300-mm-Fabriken von TSMC sind stark ausgelastet. Foto: TSMC

Laut einer Industrie-Quelle wirft der ewige Zweite dem Primus in Taiwan unfaire Marktpraktiken vor

Taipeh/Dresden/Santa Clara, 21. September 2017. Der US-Chipauftragsfertiger Globalfoundries (Glofo) hat laut einem Bericht der Nachrichtenagentur „Reuters“ bei den EU-Wettbewerbswächtern auf eine Untersuchung seines größeren Rivalen TSMC aus Taiwan gedrängt. Reuters stützt sich dabei auf eine ungenannte Industrie-Quelle.

Demnach wirft GF dem Konkurrenten TSMC vor, Kunden durch eine Geschäftspolitik nach dem Muster „Zuckerbrot und Peitsche“ an sich zu binden: durch Treue-Rabatte, Exklusivklauseln und Vertragsstrafen. Der Branchenprimus hindere durch solche unfaire Marktpraktiken den freien Wettbewerb – und Konkurrenten wie Glofo daran, selbst mehr neue Kunden zu gewinnen.

Die Taiwanesen haben diese Vorwürfe laut Reuters zurückgewiesen. Die EU-Kommission habe sich dazu nicht äußern wollen.

Taiwan doiminiert internationales Foundry-Geschäft

TSMC ist der weltweit mit Abstand führende Auftragshersteller von Halbleitern. So lassen zum Beispiel Apple und Qualcomm viele Bauelemente bei den Taiwanesen produzieren. Globalfoundries, das Fabriken unter anderem bei New York, in Dresden und in Singapur betreibt, gilt als größter Herausforderer von TMSC im Foundry-Markt, gefolgt von UMC (Taiwan) und SMIC (China).

Glofo: Wir sind nicht überrascht

Globalfoundries hat den Bericht weder bestätigt noch dementiert. „Wir sind nicht überrascht, dass die Europäische Kommission sich wettbewerbswidrige Markt-Praktiken im halbleiter-Sektor anschaut“, teilte das Unternehmen allerdings gegenüber dem Oiger mit. Die Halbleiterindustrie werde seit jeher von wenigen großen Unternehmen dominiert. Glofo werde „natürlich die Regulierungsbehörden unterstützen, wenn sie diesen industriellen Schlüsselsektor für Europa und die Welt genauer untersuchen wollen“.

Der Vorwurf, wenn er denn wirklich erhoben wurde, mutet im Übrigen wie ein Deja-vu an: Als GF noch Teil von AMD war, warf das Unternehmen bereits dem Halbleiter-Marktführer Intel seinerzeit ähnlich unlautere Marktpraktiken vor.

Autor: Heiko Weckbrodt

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger

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