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Pegida-Agenda trifft Westdeutsche ins Mark ihrer Tabuzone

Wutbürger gegen Wutbürger? Pegida-Demonstration gegen Einwanderung am 1. Dezember 2014 - und links daneben die Gegendemo der "Antifa" Foto: Heiko Weckbrodt
Pegida-Demonstration im Dezember 2014 – und links daneben die Gegendemo der „Antifa“ Foto: Heiko Weckbrodt

FDP-Politiker Biesok: Unterschiedliche Sozialisierung in Ost und West ist mitverantwortlich für Konflikt-Eskalation

Dresden, 8. Februar 2016. Der oft scharf geführte Disput in Sachsen um den Umgang mit Flüchtlingen auf der einen und mit der rechtspopulistischen Pegida-Bewegung auf der anderen Seite ist auch ein Konflikt zwischen ostdeutscher und westdeutscher Erziehung. Diese Ansicht vertritt der FDP-Politiker Carsten Biesok, der selbst in Niedersachsen aufgewachsen ist und seit 1999 in Dresden lebt. „Die Forderungen und Ansichten von Pegida und Pegida-Anhängern treffen die im Westen Sozialisierten in die Mitte ihrer Tabuzone“, sagt der frühere Landtagsabgeordnete.

 

Carsten Biesok. Foto: FDP
Carsten Biesok. Foto: FDP Sachsen

Mit Tabu-Zone meint der Jurist das, was er und seine Altersgenossen in der Bundesrepublik (alt) mit der Muttermilch aufgesogen haben. Tenor: Etwas gegen Ausländer oder gegen andere Religionen zu sagen, geht gar nicht, ist indiskutabel. Viele Ostdeutsche würden diesen Ansatz überhaupt nicht verstehen, „sie wollen darüber diskutieren, ob es wirklich okay ist, wenn jemand in der Burka herumläuft“, sagt Carsten Biesok. Und diese Einstellung wiederum sei für jene, die aus dem Westen nach Dresden gezogen sei, unfassbar. „Ich glaube, dass sich auch deshalb der Konflikt um Pegida so hochgeschraubt hat.“

Richter: Ostdeutsche wissen nicht, was sie den Westdeutschen antun

Diese Interpretation hält auch der Direktor der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, Frank Richter, für gar nicht so abwegig. „Hier begegnen sich auf der Straße zwei Kulturen, sie einander gar nicht verstehen“, sagt er über den unterschwelligen Ost-West-Konflikt, wie er sich in Dresden ganz besonders manifestiert. „Da wissen die einen gar nicht richtig, was sie den anderen da antun.“

Autor: Heiko Weckbrodt

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Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger

Ein Gedanke zu „Pegida-Agenda trifft Westdeutsche ins Mark ihrer Tabuzone

  • „Das ist halt ein Ossi-Problem“ ist immer eine gern‘ verwendete Ausrede um sich nicht damit beschäftigen zu müssen dass es in ganz Europa überall rechte Spinner gibt.

    Dass es im Osten nochmal stärker hoch kocht ist eigentlich auch nicht sonderlich verwunderlich, immerhin ist hier der Ausländeranteil besonders niedrig und was man nicht kennt, das hasst man leichter.

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