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Handwerkskammer Dresden fordert in Sachsen stärkere Oberschulen

Längst lernen Kinder und jugendliche im Schülerrechenzentrum Dresden nicht mehr "nur" Programmierkünste, sondern fuchsen sich auch in elektronik und Roboter ein. Foto: SRZ

Auch das ist Berufsvorbereitung: Diese Jungs lernen die Robotik im Schülerrechenzentrum Dresden kennen. Foto: SRZ

Umfrage: Für eine Talentschmiede vermittelt die Oberschule zu wenig Allgemeinwissen

Dresden, 3. Mai 2018. Eine Stärkung der Oberschulen in Sachsen und eine bessere Berufsberatung an den Gymnasien hat der Dresdner Handwerkskammer-Präsident Jörg Dittrich angesichts des wachsenden Fachkräftemangels von der sächsischen Landesregierung gefordert. Andernfalls könnten die Oberschulen nicht die Rolle als Talentschmieden ausfüllen, als die sie Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) in seiner Regierungserklärung gezeichnet habe. „Da muss schnell was passieren“, sagte er.

Maues Zeugnis für Berufsvorbereitung an Gymnasien

Dabei berief er sich auf eine Umfrage, die kein gutes Bild davon zeichnet, wie die Sachsen die Oberschulen – aus denen das Handwerk immerhin 80 Prozent seiner Lehrlinge rekrutiert – wahrnehmen. Das Leipziger Institut „IM Field“ hatte dafür im Auftrag der Handwerkskammer (HWK) Dresden im April 2018 rund 500 Sachsen im Alter zwischen 30 und 50 Jahren telefonisch über ihre Sicht auf Oberschulen und Gymnasien befragt. Dabei bewerten nur 22 Prozent der befragten Sachsen „die Vermittlung von Allgemeinwissen an den sächsischen Oberschulen“ als sehr gut oder gut. Ähnlich mau schätzten die Befragten die Berufsvorbereitung an Oberschulen und Gymnasien ein.

Kammerpräsident: Sächsisches Schulsystem wird nicht als Talentschmiede für die Wirtschaft wahrgenommen

„Wir finden diese Ergebnisse vollkommen unbefriedigend. Deutlich zeigen sie, dass das sächsische Schulsystem nicht als Talentschmiede für die Wirtschaft wahrgenommen wird“, kritisierte Dittrich. „Das passiert nur, wenn die deutliche Mehrheit das Gefühl hat, dass hier sowohl Allgemeinbildung als auch die Vorbereitung aufs Berufsleben auf einem sehr guten bis guten Niveau liegen.“

Berufseinstieg nach der Penne

Problematisch sei auch, dass immer mehr Eltern ihre Kinder aufs Gymnasium schicken, diese Schulen aber nur als Sprungbrett für ein Studium sehen. „Auch an den Gymnasien sollten den Jugendlichen die möglichen Perspektiven einer beruflichen Ausbildung aufgezeigt werden“, forderte der Kammerpräsident.

Kammer fordert mehr Praktika in der Schulzeit

Dass dabei auch die Handwerker selbst in der Pflicht sind, berufsorientierende Stunden für Schüler zu organisieren, ist den Kammervertretern durchaus bewusst. Von flächendeckenden Angeboten wie vor der Wende ist die ostsächsische Wirtschaft allerdings noch ein ganzes Stück entfernt. Die Kammer könne da ihren Mitgliedsunternehmen keine Vorschriften machen, betonte HWK-Hauptgeschäftsführer Andreas Brzezinski. Allerdings würden mehr und mehr Betriebe auch auf die Schulen zugehen. „Was wir auf jeden Fall brauchen könnten, sind mehr Praktika“, betonte Dittrich. Allein ein 14-tägiges Betriebs-Praktikum in der neuen Klasse reiche nicht. Freilich seien dann auch die Unternehmen gefragt, genügend Schülerplätze anzubieten.

Außerdem forderte Dittrich von der Landesregierung, endlich den zentralen Berufsschulnetzplan und das lange avisierte Azubi-Ticket für Bus und Bahn zu starten.

Autor: Heiko Weckbrodt

1 Kommentare

  1. schappi sagt

    Eine polytechnische Oberschule im früheren Bezirk Dresden hat viele Schüler und Schülerinnen nach 10 Schuljahren in die Lehre entlassen. Daraus wiederrum haben nach dem erfolgreichen Lehrabschluss viele Studiert und wurden Ingenieure usw.
    Aber heute haben wir nur noch erschreckende Ergebnisse. Kinder gehen 10 Jahre in eine Schule und können danach nicht richtig schreiben, rechnen und lesen………….

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