Wirtschaft

B.Braun baut in Sachsen modernste Dialysatoren-Fabrik Europas

Laborantin Helene Fiedler prüft in der Radeberger Fabrik von B.Braun einen Dialysator (Blutfilter). Mit einem Neubau in Wilsdruff bei Dresden will das Unternehmen nun die Dialysator-Produktion erweitern. Foto: B.Braun

Laborantin Helene Fiedler prüft in der Radeberger Fabrik von B.Braun einen Dialysator (Blutfilter). Mit einem Neubau in Wilsdruff bei Dresden will das Unternehmen nun die Dialysator-Produktion erweitern. Foto: B.Braun

Medizintech-Firma soll ab 2018 die Blutfilter-Produktion in Sachsen mehr als verdoppeln

Wilsdruff /Dresden, 4. August 2015. Das Medizintechnik-Unternehmen „B.Braun“ baut für über 70 Millionen Euro in Wilsdruff bei Dresden die laut eigenen Angaben modernste Dialysatoren-Fabrik Europas. Das hat heute Bertram König, der Geschäftsführer der „B. Braun Avitum Saxonia GmbH“ in Radeberg angekündigt. Das Unternehmen reagiere damit auf die weltweit steigende Nachfrage für solche Dialyse-Filter, die bei der Blutwäsche von Patienten mit Nierenschädigungen benötigt werden.

Leute naschen mehr – Diabetes-Risiko steigt

Bertram König. Foto: B.Braun/ Mutschke

Bertram König. Foto: B.Braun/ Mutschke

Pro Jahr steige die Patientenzahl weltweit um 5 bis 7 Prozent, sagte König. Damit wachse auch der Bedarf an künstlichen Nieren und Dialyse-Filtern, die das Blut dieser Menschen auf technischem Wege von Giftstoffen reinigen. Verantwortlich für den steigenden Bedarf seien unter anderem der Vormarsch von Volkskrankheiten und der steigende Lebensstandard in den Industrieländern. „Dadurch werden zum Beispiel mehr Süßigkeiten verzehrt und dies erhöht das Risiko, an Diabetes erkranken. Und auch chronischer Bluthochdruck kann zum Nierenversagen führen.“

Zunächst 140 neue Jobs geplant

Angesichts dieser Entwicklungen wolle das Unternehmen seien Dialysatoren-Produktion in Sachsen ausbauen. B.Braun werde in den Neubau in Wilsdruff einen „hohen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag“ investieren und zunächst 140 neue Arbeitsplätze schaffen, kündigte König an. Schätzungen zufolge könnte es sich um eine Ausgabe zwischen 70 und 90 Millionen Euro handeln. Die genaue Summe wollte der Geschäftsführer noch nicht nennen. Sie hänge unter anderem davon ab, welche staatlichen Fördermittel bewilligt werden.

Berggießhübel spinnt die Fasern, Radeberg macht daraus Filter

„B.Braun“ betreibt bereits zwei Fabriken in Sachsen: Eine Polymer-Spinnerei in Berggießhübel südöstlich von Dresden stellt pro Tag rund 100.000 Kilometer Hohlfasern her. Das Werk in Radeberg montiert daraus die Blutfilter (Dialysatoren). Im vergangenen Jahr verließen 13 Millionen Dialysatoren diese Fabrik.

Tino Hoffmann und Dirk Willkommen bei einer Sichtkontrolle von Dialysatoren bei B.Braun in Radeberg. Foto: B.BraunTino Hoffmann und Dirk Willkommen bei einer Sichtkontrolle von Dialysatoren bei B.Braun in Radeberg. Foto: B.Braun

Tino Hoffmann und Dirk Willkommen bei einer Sichtkontrolle von Dialysatoren bei B.Braun in Radeberg. Foto: B.Braun

Millioneninvestitionen auch in Radeberg und Berggießhübel

Durch den Fabrikneubau in Wilsdruff sowie Nachinvestitionen in Radeberg und Berggießhübel soll sich die Produktionskapazität in Sachsen auf rund 30 Millionen Filter pro Jahr erhöhen. Auch in den bisherigen Werken werde man in den nächsten Jahren weitere Millionen-Investitionen tätigen und keineswegs Personal abbauen, unterstrich König. Vielmehr soll die geplante neue Automatisierungstechnik im Radeberger Werk für eine Kapazitäts-Erweiterung genutzt werden. Außerdem baue man dort derzeit eine eigene Forschungsabteilung für die Weiterentwicklung der Produkte und der Fertigungstechnik auf. Rund 15 Ingenieure seien dafür bereits angeheuert, weitere sollen folgen.

Weitere Personalaufbau auf über 500 Leute möglich

Ein weiterer Ausbau in Wilsdruff auf die vierfache Kapazität sei denkbar, sagte König. Dann könne dort die Belegschaft auf 400 bis 560 Mitarbeiter wachsen . Die dafür benötigten Erweiterungsflächen habe man sich gesichert.

Dresden hatte nicht genug Gewerbefläche zu bieten

Das Unternehmen hatte zeitweilig auch mit Dresden als Standort für die neue Fabrik geliebäugelt, diesen Plan dann aber zu Gunsten von Wilsdruff verworfen. „Dresden hat keine einzige Industriefläche in dieser Größe verfügbar und daran wird sich, soweit ich weiß, vor dem Jahr 2018 auch nichts ändern“, sagte König. Für Wilsdruff habe hingegen die direkte Anbindung an die Autobahn A 4 gesprochen, die Nähe zu den eigenen Zulieferern und Partnern und ein ausreichendes Angebot an Erweiterungsflächen.

Wilsdruffs Bürgermeister setzt sich gegen Dresden durch

Für den ersten Bauabschnitt hat B.Braun an der Kreisstraße 9034 – nahe dem Automobilzulieferer „Eberspächer Exhaust Technology“ – zunächst 10,7 Hektar gekauft. Weitere Areale gen Autobahn für künftige Fabrik-Erweiterungen hat sich das Unternehmen bei der Stadtverwaltung gesichert. Wilsdruffs Bürgermeister Ralf Rother (CDU) freut sich jetzt, dass sich seine Kleinstadt gegen die Landeshauptstadt durchsetzen konnte. „Wir sind eben keine Schlafstadt am Rand von Dresden“, betonte er. „Und B.Braun wird die Attraktivität von Wilsdruff weiter steigern.“

Milliarden-Unternehmen startete als Apotheke

„B.Braun“ wurde 1839 im hessischen Melsungen als Apotheke gegründet. Inzwischen ist das Unternehmen eines der weltweit führenden Medizintechnik-Unternehmen und stellt neben Dialysatoren beispielsweise chirurgische Instrumente, Katheter, Insulinspritzen und Implantate her. Im Jahr 2014 realisierte die Firma einen Umsatz von 5,4 Milliarden Euro. Weltweit beschäftigt B.Braun über 54.000 Mitarbeiter, darunter 702 Mitarbeiter in Sachsen. Im Jahr 2004 hatte das Unternehmen die sächsischen Fabriken übernommen, die wiederum aus früheren DDR-Betrieben hervorgegangen waren. Autor: Heiko Weckbrodt

Zum Weiterlesen:

So funktioniert ein Dialysator