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DVD „Django Unchained“: Warum schlagen die uns nicht die Köpfe ein?

Ex-Sklave Django entpuppt sich als geborener Revolverheld. Foto: Sony

Ex-Sklave Django entpuppt sich als geborener Revolverheld. Foto: Sony

Tarantino-Western mit einem Schuss Siegfried-Sage

Tarantino hat seinem Affen wieder mal Zucker gegeben. In „Django Unchained“ wildert der Meister des Genre-Potpourris diesmal Italo-Western und nordische Sagen. Mit dem ursprünglichen „Django“ hat seiner außer einem kurzen Gastauftritt von Original-Django Franco Nero sowie einem guten Schuss Zynismus und gepflegter Bösartigkeit nur noch wenig zu tun, ist eher eine leicht schräge Neuinterpretation des Genres.

Werbevideo (Englisch, Sony):

 

Tarantinos Django (Jamie Foxx) ist schwarz: Ein ehemaliger Sklave, der unerwartete Hilfe vom deutschstämmigen Kopfgeldjäger Dr. Schultz (Christoph Waltz) erhält, der den Neger braucht, um gesuchte Plantagen-Kriminelle zu identifizieren. Der Schwarze erweist sich als schnell lernender Pistolero und so schließen Schultz und Django einen Pakt, um Djangos versklavte Ische Brunhilda nach Siegfried-Art aus den Klauen des Plantagenbesitzers Calvin Candie (Leonardo DiCaprio) zu befreien…

Samual L. Jackson als ultraweißer Hausneger

Abgesehen von seiner üblichen Grotesken-Show, die Tarantino wieder mal abzieht, leuchtet der Regisseur die Südstaaten-Sklaverei des 19. Jahrhunderts unter einem immer wieder interessanten Blickwinkel aus: Wie dieses System so lange funktionieren konnte, da doch eine Handvoll Sklavenhalter Hunderttausenden Sklaven gegenüber standen. „Warum“, so lässt er seinen Bösewicht Candie rhetorisch fragen, „schlagen die uns nicht einfach alle die Köpfe ein?“. Und da kommt einer von Tarantinos Lieblings-Mimen ins Spiel: Samuel L. Jackson gibt hier den schwarzen Hausdiener, der noch rassistischer und weißer ist als die Weißen, der das vermeintlich gottgegebene System stützt, wo er nur kann – köstlich!

Galerie:

 

Erschienen ist „Django Unchained“ nun als Video. Als Bonusmaterial ist der DVD leider nur ein kleines Special über Tarantinos detailverliebten Szenenbildner J. Michael Riva, der während der Dreharbeiten starb.

Foto: Sony

Foto: Sony

Fazit:

Tarantino-Fans kommen voll auf ihre Kosten: Das Blut spritzt wieder mal in Fontänen, dazu gibt es routiniert überzogene Gewaltszenen und einen exaltiert palaverndem Christoph Waltz. Am faszinierendsten agieren diesmal aber Herr und Sklave: Leonardo DiCaprio und Samuel L. Jackson geben sich schön böse.

Heiko Weckbrodt

„Django Unchained“ (Sony Pictures), Italo-Western, USA 2012, Regie: Quentin Tarantino, mit Leonardo DiCaprio, Samuel L. Jackson, Christoph Waltz u. a., FSK 16, 159 Minuten, DVD 15 Euro, Bluray 17 Euro

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