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Bluray „Cloud Atlas“: Opulente Weltgeschichte über den Wolf im Menschen

Somni 451 und ihr "Retter" balancieren in der Zukunftsebene über das abgesoffene Seoul. Abb.: Warner

Somni 451 und ihr „Retter“ balancieren in der Zukunftsebene über das abgesoffene Seoul. Abb.: Warner

Ein prächtiges Segelschiff verlässt 1849 durch eine strahlendblaue Bucht eine Sklaveninsel. Eine Enthüllungsjournalistin stürzt 1973 mit ihrem VW Käfer ins Meer. Eine geklonte Sklavin schaut 2144 versonnen auf der überflutete Seoul. Ein prächtiges Fusionsschiff schwebt in der fernen Zukunft durch eine strahlendblaue wieder der Sklaveninsel entgegen. Und irgendwie – so scheint es – hat sich gar nichts geändert: Immer noch und wieder versklaven sich Menschen, etablieren brutale Hackordnungen, töten sich, fressen sich. Und doch gab und gibt es in jeder Epoche der monumentalen Romanverfilmung „Cloud Atlas“ auf den ersten Blick unscheinbare Helden des Alltags, die der Menschheitsgeschichte immer wieder einen mutigen Schubs in die „richtige“ Richtung geben…

Schon die Romanvorlage war ambitioniert

Um David Mitchells ambitioniert verschränkten Wolkenatlas vom Papier für die Leinwand zu adaptieren, taten sich 2012 Trendsetter des deutschen und des amerikanischen Films zusammen: Einen Teil der über 400 Jahre umspannenden Erzählebenen um den Anwalt Ewing, den jungen Komponisten Frobisher, die Journalistin Rey, den Verleger Cavendish, die Klon-Bedienerin Somni 451 und den Hirten Zachary hat Tom Tykwer („Lola rennt“), einen anderen Teil die Wachowski-Geschwister („Matrix“) gedreht – und zu einem wuchtig-epischen Dreistünder rasant zusammengeschnitten. Das Ergebnis nur einem Genre zuzuordnen, ist unmöglich: Das Reisetagebuch geht in einen Künstlerfilm über, der in einen 70er-Jahre-Krimi, in eine Komödie, Sci-Fi…

Trailer (X-Verleih):

Auf jeden Fall kann sich das Resultat sehen lassen, stellt allerdings hohe Anforderungen an die Konzentration des Zuschauers, soweit dieser die Romanvorlage nicht kennt – was sicher dazu beitrug, dass das 100 Millionen Dollar teure Epos an den Kinokassen nicht ganz so erfolgreich war wie vielleicht erwartet.

Star-Ensemble zusammengetrommelt

Hirte Zach (Tom Hanks) rettet Meronym (Halle Berry) vom Technovolk. Abb.: Warner

Hirte Zach (Tom Hanks) rettet Meronym (Halle Berry) vom Technovolk. Abb.: Warner

An der optischen Opulenz ist nicht zu zweifeln, ebenso wenig wie an der literarischen Güte der Vorlage. Auch haben Tykwer und die Wachowski mit Tom Hanks, Halle Berry, Hugh Grant, Hugo Weaving und vielen anderen ein Ensemble an Stars zusammengetrommelt, von denen jeder jeweils mehrere Rollen in den verschiedenen Zeitebenen übernahm.

Allerdings haben sich die Regisseure vom ruhigeren Zeitkonzept des Mitchell-Romans, der sich erst der Zukunft nähert, um dann langsam wieder in die Vergangenheit zu gleiten, zu Gunsten verschränkter Parallelerzählungen verabschiedet. Dadurch wurden optische Anker möglich, die die Stories miteinander verbinden – aber durch die schnelle Schnittfolge muss man eben sehr aufpassen, um die Parallelen aller Ebenen zu erkennen.

Wer da im Kino etwas verpasst hat, kann sich den „Cloud Atlas“, den „Wolkenatlas“ nun daheim noch mal auf Video in Ruhe reinziehen – und wird dabei vielleicht manches neue Detail und Muster entdecken. Mich würde es jedenfalls nicht wundern, wenn dieser bemerkenswerte Film im Heimkino langfristige zum Kultstreifen avancieren würde… Neben dem Film selbst enthält die nun erschienene Bluray auch ein paar Kurzdokus über die Schauspieler, die Prothesentechnik und die Action im Film, außerdem einen Ladeschlüssel für eine digitale Kopie.

Abb.: Warner

Abb.: Warner

Fazit:

Absolut sehenswert, auch wenn die Regisseure manches aus der desillusionierenden. noch komplexeren und bissigeren Romanvorlage begradigt haben. Sollte man sich allerdings in einem Stück und konzentriert anschauen, sonst verliert man den Faden. Heiko Weckbrodt

„Cloud Atlas“ (X-Verleih/Warner), Episodenfilm, USA 2012, Regie: Lana und Andy Wachowski/Tom Tykwer; mit Tom Hanks, Halle Berry u. v. a.; 172 Minuten, FSK 12, DVD neun Euro, Bluray 13 Euro

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