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Bluray „Zorn der Titanen“: Antike als Seifenoper

Halbgott Perseus (Sam Worthington) rauft sich mit einem Zyklopen. Abb.: Warner

Halbgott Perseus (Sam Worthington) rauft sich mit einem Zyklopen. Abb.: Warner

Hades (Ralph Fiennes) ist angepisst: Sein Bruder Zeus (Liam Neeson) hat den Himmel bekommen, nachdem der böse Papi Kronus am Anfang der Zeiten besiegt war, darf Blitze schleudern und die halbe Frauenschaft Griechenlands schwängern. Bruder Poseidon hat sich das Meer unterworfen und versenkt lustig Schiffe. Nur er, Hades, muss die Unterwelt bewachen und eine Etage tiefer, im Tataros, auch noch den Herrn Papa Kronos. Nach ein paar Äonen fällt dem Unterweltgott auf: Die beiden haben ihn beschissen. Hades läuft Amok, verbündet sich mit Kriegsgott Ares, nimmt Zeus in Geiselhaft und befreit den Titanen Kronos. Keine Frage: Jetzt kann nur noch Held Perseus (Sam Worthington) helfen, der sich gerade von früheren Titanenbezwingereien erholt und zusammen mit seinem Sohn einen auf Fischer macht…

Koperspezialist Liebesman hat Sequel zusammen geklaubt

„Zorn der Titanen“ ist ein klassisches für die Repro-Maschine Hollywood: Weil die Neuverfilmung von „Kampf der Titanen“ – über die man schon streiten konnte – ordentlich Gewinne einfuhr, hat Kopierspezialist und Regisseur Jonathan Liebesman (u. a. Neuverfilmungen des japanischen „Ring“ und des Texas-Kettensägenmassakers) einen Nachfolger zusammen geklaubt.

Nettes Effekte, aber kaum epische Anmutung

Und damit sind wir beim Problem von „Zorn der Titanen“: Die Spezialeffekte sind zwar sichtlich aufwendig und teils imposant, zum Beispiel haben schön gruslige Chimären und Zyklopen – von Perseus beherzt beendete – Gastauftritte. Auch haben die Warner-Studios ein Star-Ensemble zusammen getrommelt – bis hin zur goldenen Eule aus dem originalen „Kampf der Titanen“. Doch irgendwie will die Geschichte kein episches Ambiente und stimmiges Ganzes ergeben, da kann man noch so sehr bei „Herr der Ringe“ klauen.

Hades (Ralph Fiennes) ist sauer, weil er nur die Unterwelt abgekriegt hat. Abb.. Warner

Hades (Ralph Fiennes) ist sauer, weil er nur die Unterwelt abgekriegt hat. Abb.. Warner

Dazu fehlt es Regisseur und Drehbuchautoren offensichtlich an Originalität, an Einfühlungsvermögen für antike Geschichten. Zu sehr orientieren sie sich an den Seifenoper- und Comic-Gewohnheiten amerikanischer TV-Zuschauer, will mir scheinen. Ganz abgesehen davon ist den Machern bei der finalen Schlacht der Menschheit gegen die Titanen offensichtlich das Budget ausgegangen: Der sieht man an, dass da nur 50 Stuntmen zur Verfügung standen.

Fiennes: Ich liebe die Unterwelt

Manchmal indessen blitzt da auch ein wenig Selbstironie auf, wenn der eingerostete Perseus zum Beispiel halb von seinem Pegasus fällt, oder auch im Bonusmaterial der nun veröffentlichten Bluray, wo Ralph Fiennes seinem Hades Geschmacksverirrung nachsagt (Ich weiß gar nicht , was der hat: Ich liebe die Unterwelt). Auch an der Bildqualität der Bluray-Edition kann man nun wirklich nicht meckern.

Cover "Zorn der Titanen". Abb.: Warner

Abb.: Warner

Fazit:

Solides und teils spektakulär gemachtes Popcorn-Kino. Ein zündender Funke will aber einfach nicht überspringen. Heiko Weckbrodt

„Zorn der Titanen“ (Warner), USA 2012, Regie: Jonathan Liebesman, mit Ralph Fiennes, Liam Neeson, P 12, DVD 14 Euro, Bluray 15 Euro

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