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Stichwort „Maya-Kalender“: Warum die Apokalyptiker irren

Auch der mexikanische Feuer- und Kriegsgott Chak Xivit hat Gastauftritte im Maya-Kodex. Plichtgemäß bringt er sieben Monate Unheil. Abb.: SLUB

Unheil kommt mit Chak Xivit Auszug aus dem Maya-Kodex. Abb.: SLUB

Neben der Flutszene von Seite 74 stützen sich die Apokalyptik-Fans im Internet vor allem auf die Systematik des komplizierten Maya-Kalenders. Da die Maya nicht das Dezimalsystem wie wir, sondern – mit Ausnahmen – ein auf 20 basierendes Zahlensystem verwendeten, hatten sie zwei Kalender mit 260 und 365 Tagen, die wiederum in 20-Tages-Monate eingeteilt waren. Um richtig lange Zeiträume benennen zu können, führten die Priester zudem Einheiten wie „Bak‘tun“ (400 Jahre), „piktun“ (8000 Jahre) und „kalab‘tun“ (160 000 Jahre) ein.

Beispiel für die Maya-Zahlenarstellung: Die Zahl "6", gebildet aus einem Punkt für "1" und einem Balken für "5". Abb.: SLUB

Beispiel für die Maya-Zahlenarstellung: Die Zahl „6“, gebildet aus einem Punkt für „1“ und einem Balken für „5“. Abb.: SLUB

Rechnet man diesen Kalender weiter, endet am 21. Dezember 2012 unserer Zeitrechnung der letzte, der 13. Bak‘tun – was die Apokalyptiker als Hinweis auf das Ende aller Zeiten werten.

Unabhängig davon, ob man an priesterliche Weltuntergangs-Visionen glaubt: Laut Prof. Nikolai Grube von der Uni Bonn endet der Maya-Kalender keineswegs mit dem 13. „Bak‘tun“. Denn als Schöpfungstag der Welt benennen die Priester umgerechnet den 8. September 3113 vor Beginn unserer Zeitrechnung. Teilweise verwenden die Schreiber im Kodex aber auch Zeitdistanzen in die Vergangenheit, die über 30 000 Jahre vor diese Genesis reichen. Daraus folge zwingend, so Grube, dass die „Bakt‘un“ nicht die höchste Einheit im Maya-Kalender waren, sondern nach dem 13. Bak‘tun einfach ein neuer „piktun“-Zyklus beginnt. hw

Zum Weiterlesen:

Apokalypsen im 5-Jahrestakt: Maya-Kodex übersetzt

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