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Episches Intrigenspiel: „Das Lied von Feuer und Eis“

Ziemlich unbequem: Der Lord von Winterfell auf dem Eisenthron. Abb.: Warner

Ziemlich unbequem: Der Lord von Winterfell auf dem Eisenthron. Abb.: Warner

 Das passt Lord Eddard Stark von Winterfell nun ganz und gar nicht: Vor der riesigen Reichs-Eismauer im Norden rotten sich die Schnee-Zombies zusammen und gerade da kommt sein alter Kumpel König Robert und will ihn als Reichsprotektor in seine sauheiße Hauptstadt in den Süden locken. Dort schmiedet die blonde Hochadelsbrut der Lennisters fleißig Intrigen, während im Osten Daenaris Sturmtochter einen Reiter-Khan heiratet, um die westlichen Lande zu erobern…

Eindrucksvolle HBO-Verfilmung „Game of Thrones“ ab heute im Fernsehen

Mit seiner epischen Fantasy-Romanreihe „Das Lied von Eis und Feuer“ (alias „Game of Thrones“) traf US-Autor George R. R. Martin ab 1996 den Nerv des Publikums: Irgendwo zwischen „Herr der Ringe“ und Mittelalter-Schinken wie „Die Säulen der Erde“ angesiedelt, unterhaltsam und deutlich niveauvoller als viele andere Fantasy-Bestseller geschrieben, hat die epische Fantasiewelt von Westeros ein Millionen-Publikum gefunden. Inzwischen hat die Mechandising-Maschine längst zu rotieren begonnen: Neben einer (eher mäßigen) Computerspiel-Umsetzung ist da vor allem die eindrucksvolle HBO-Serie „Games of Throne“ zu nennen, deren erste Staffel ab heute im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wird.

Erdig-blutige Fantasiewelt mit Parallelen zur englischen Geschichte

Es ist neben der epischen Vernetzung wohl vor allem die gekonnte Balance zwischen realistischen und fantastischen Elementen, die den Reiz der Westeros-Romane ausmacht: Der Grundton ist erdig, oft auch dreckig und blutig; Drachen, Untote und Magie werden in dieser Welt zunächst nur als Legenden verlacht und dies macht sie auch für Leser ohne Hokuspokus-Affinitäten akzeptabel. Ein hübsches Nebenamüsement ist es auch, die historischeeee Parallelen zu entdecken: zwischen Winterfell und Schottland, zwischen Eismauer und Hadrianswall – der gegen die Römer in Britannien gegen die Barbaren im Norden schützte, zwischen Dothraki und Mongolen, zwischen der Geschichte von Westeros und den Invasionen der Angelsachsen und Normannen in England zum Beispiel.

 

 

Etwas holzschnittartig im Gut-Böse-Muster verfangen wirken dagegen die Protagonisten der Romane, wenngleich das breit angelegte Ensemble mit seinen Kabalen und Intrigen doch seinen Reiz hat. Gerade da hat die TV-Verfilmung durch HBO – angesehen von ihrer optischen Wucht – durch die recht starke Besetzung – unter anderem Sean Bean („Herr der Ringe“) als Lord Stark und Lena Headey („Terminator SCC“, „300“) als Cersei – den Akteuren mehr Ambivalenz und Qualität verliehen, was bei „Filmen zum Buch“ sonst eher selten ist.

Doch auch die Romane selbst haben zweifelsohne Suchtpotenzial: Wer einmal Eis geleckt und Feuer gefangen hat, will sich gar nicht mehr verabschieden aus dieser verrohten, edlen, exotisch-irdischen Welt. Heiko Weckbrodt

Abb.: Blanvalet
 „Das Lied von Eis und Feuer – Teil 1: Die Herren von Winterfell“, Blanvalet München 1997 (Original NY 1996), ISBN 978-3-442-26774-3, 15 Euro (eBook: 12 Euro), Leseprobe hier

Verfilmung: „Game of Thrones“, Teile 1-3, heute, 20.15 Uhr, RTL 2

 

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