Kommentar & Glosse
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Kommentar: Filmindustrie sollte sich eine digitale Scheibe abschneiden

Dresden, 17.1.2012: Na also, es geht doch: Statt sich gegen die Zeichen der Zeit zu stemmen und Musik-Downloadern mit der staatsanwaltlichen Keule zu drohen wie vor ein paar Jahren noch, hat die Musikindustrie die Peitsche weitgehend beiseite gelegt und sich auf’s Zuckerbrot verlegt. Ganz ohne halbseidene Netzsperren oder geschmacklose Droh-Werbespots, wie sie die Filmindustrie bis heute so liebt, haben ein paar kluge Unternehmen eigene Bezahlangebote im Internet aufgebaut und illegale Tauschbörsen teils per Aufkauf trockengelegt. Heute wird die Musikindustrie dafür mit neuem Wachstum belohnt.

Impulse für Umdenken kamen von außerhalb der Musikindustrie

Allerdings sollte man auch nicht vergessen: Ein wesentlicher Impuls für dieses Umdenken kam von außerhalb der eigentlichen Musikindustrie. Von „digitalen Eingeborenen“ wie Apple und Amazon, die klugerweise auf eine Niedrigpreispolitik in ihren Download-Diensten gesetzt haben.

Derweil ist jedoch die Filmindustrie noch weitgehend im Jammer- und Keulen-Stadium steckengeblieben. Der jüngste Trend, den teureren Bluray-Filmen auch Codes für digitale Download-Kopien beizulegen, ist allenfalls ein zaghafter Schritt in die richtige Richtung. Denn kaufen muss man sich dafür eben noch einen physischen Datenträger und das für ordentlich Geld.

Wer von seiner Kunst lebt, verdient faires Entgelt

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Als Journalist bin ich der erste, der sich über die Kostenlos-Mentalität ärgert, die Produkten geistigen Schaffens von Vielen entgegen gebracht wird. Wer davon lebt, zu singen, zu schreiben oder zu schauspielern, sollte dafür auch fair entlohnt werden, ebenso wie die Unternehmen, die für die Infrastruktur dieser Kultur sorgen.

Allerdings habe ich auch Verständnis für all jene, die nicht Jahre warten wollen, bis ihre Lieblings-TV-Serie aus den USA irgendwann synchronisiert ist und auf den deutschen Bildschirmen landet, oder für jene, die den schnellen und bequemen MP3-Download dem Gang in den CD-Laden vorziehen.

In den Vereinigten Staaten ist man da in puncto legale Video-Downloads (beziehungsweise Streaming) schon ein Stückchen weiter. Man denke nur an iTunes (sorry: wieder Apple) oder die Internet-Portale vieler US-Kanäle, die ihre Sendungen als Bezahl-Strom anbieten – letzteres ist allerdings für deutsche Nutzer oft gesperrt und auch die Apple-Offerten sind alles andere als billig.

Entscheidung für legale Angebote leichter machen

Kurz gesagt: Die Filmindustrie sollte ruhig einmal ein wenig bei der Musikbranche kupfern und mehr legale und praktische Video-Internetdienste aufbauen, die aber zu einem Preis kommen sollten, der die Entscheidung zwischen illegal-kostenlos und legal-preiswert leichter macht. Dann muss sie auch nicht mehr einem „kino.to“ nach dem anderen hinterher jagen. Heiko Weckbrodt

Siehe auch: „Trendwende in der Musikindustrie“

1 Kommentare

  1. Naja, so wirklich weit ist die Musikindustrie eindeutig noch nicht. Downloads (=Eigentum) sind immer noch viel zu teuer (und das sage ich als Musikverleger und Musiker) und immer noch gibt es jede Menge ungelöste Probleme im Bereich Streaming. Auf Dauer wird der Normalnutzer für Streamingangebote viel mehr bezahlen als für physische Produkte (auf 50 Jahre Nutzung gerechnet), aber bei den Künstlern viel weniger ankommen. Aber für Filme würde eine Streaming.Flat viel mehr Sinn machen, denn im Gegensatz zur Musik, wo man Titel wieder und wieder und wieder hört, guckt man Filme doch sehr selten mehr als zwei Mal.

    Was in meinen Augen noch viel zu selten diskutiert wird sind Koop-Abos. So könnte ich mir gut vorstellen, für redaktionelle Inhalte (ob Musikmagazin oder Lokalzeitung) dann eine Gebühr zu bezahlen (App+Web), wenn sie mir gleichzeitig einen Premiumzugang von Streaming-Diensten ermöglichen…

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