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DDR-Staatssekretär Karl Nendel sieht sich als "General der Mikroelektronik" - und hat damit seine Autobiografie übertitelt. Repro: hw

„Die Wirtschaft muss man militärisch führen“

Karl Nendel, der ehemalige „General“ der DDR-Mikroelektronik, packt in seiner Autobiografie aus Im eigenen Verständnis ihrer Lenker war die DDR-Ökonomie eine Planwirtschaft, im Verständnis vieler westdeutscher Kritiker war sie eine Kommandowirtschaft. Die neuere Forschung spricht eher von einer Zentralverwaltungswirtschaft. Die Wahrheit liegt sicher irgendwo in der Mitte. Dass das Wort von der „Kommandowirtschaft“ aber mehr als bloße Polemik ist, untermauert nun einer der damaligen Protagonisten und Strippenzieher: Der ehemalige DDR-Staatssekretär Karl Nendel hat unter dem bezeichnenden Titel „General der Mikroelektronik“ aufgeschrieben, wer er Betriebsdirektoren auf Plan-Linie brachte, hoch Aufgestiegene zu Fall brachte und die Entwicklung des Megabit-Chips, des 32-Bit-Prozessors und anderer SED-Prestigeprojekte vorwärtspeitschte.

Wo ist Kuh 174?

In den 1980ern entwickelte Bernd Junghans für die DDR den Megabit-Chip – heute bringt der 74-jährige dem Internet der Dinge die Peilung bei Dresden, 29. Oktober 2015. Einen Namen hat Kuh 174 nicht. Sie steht in einem Stall irgendwo in Südamerika. Hier gibt es keinen Bauern mehr, der sich die Zeit nehmen würde, sie „Rosi“ oder „Conchita“ zu nennen. Denn die Anlage ist riesig. Rund 300 Tiere stehen in Reih und Glied und warten auf den Melker. Doch schon seit über einer Woche hat sich hier keine Menschenseele hin verirrt: Wie ihre Artgenossen bekommt Kuh 174 ihr Essen von einem Roboter. Die Automaten füttern die Tiere, melken sie, reinigen die Ställe. Wie ihre Nachbarn trägt „174“ ein elektronisches Halsband. Die Sensoren darin werten ihre Kaugeräusche aus, messen die Temperatur und werten andere Lebenszeichen aus. Solange nichts schiefgeht, kommt kein Mensch in den Stall. Hochautomatisierte Landwirtschaft 2.0 eben – was immer man davon unter ethischen Gesichtspunkten halten mag.