Filmtipp: Away we go – Auf nach Nirgendwo – Auf der Suche nach einer Heimat

Mit traurigen Blicken sieht Verona ihren Freund Burt an und stellt ihm die lebenswichtige Frage „Sind wir Versager?“ Beide sind Mitte Dreißig und leben in einem Haus, dessen Fenster aus Pappe bestehen. Vor wenigen Stunden erfuhren sie, Burts Eltern, die in unmittelbarer Nähe leben, wollen für die nächsten zwei Jahre nach Amsterdam. Diese Nachricht kommt unerwartet, denn schließlich sollten sie sich zukünftig um ihr neues Enkelkind kümmern, welches in drei Monaten das Licht der Welt erblicken wird.
Für Burt und Verona, die beide keine feste Bindung durch einen Job besitzen, steht fest, es gibt keinen triftigen Grund mehr hier zu bleiben. Auf ihrer Suche nach einer neuen Heimat besuchen sie sämtliche Bekannten und Verwandten, um herauszufinden, wo sie eigentlich hingehören. Die Reise durch Nordamerika wird für Beide zu einem interessanten Erlebnis, über die Zustände in amerikanischen Familien.
Der Film „Away we go“ ist für sich eine kleine Besonderheit. Burt und Verona, ein Paar, welches immer fair miteinander umgehen, vermitteln dem Zuschauer eine andere Sichtweise vom Zusammenleben. Anstatt Streitereien, sinnlosen Diskussionen oder Extremvorstellungen über das Leben gehen beide zusammen ihren Weg. Auf diesem begegnen sie den anderen Formen von Beziehungen. Da wäre zum Einem eine gute alte Freundin von Verona, die ihre Kindern vor den eigenen Augen denunziert, während ihr Mann den Untergang der Welt prognostiziert. Oder die Cousine von Burt, die sich mit ihrem Freund in einer Hippiewelt versteckt und versucht, ihre Lehren an andere weiter zu geben, ohne Rücksicht auf Gefühle zu nehmen.

Auch der Schwester von Verona geht es nicht besser. Täglich hinterfragt sie immer wieder, ob ihr derzeitiger Freund der Richtige ist und listet auf, welche Dinge sie an ihm stören. Man hat fast den Eindruck, nur die beiden Freunde von Verona und Burt, die in Montreal leben, führen ein einigermaßen umgängliches Leben. Doch auch hier versteckt sich tiefste Traurigkeit hinter der schönen Fassade.

Zuschaustellung: In Amerika dürfen Schwangere ab dem achten Monat nur mit ärztlicher Erlaubnis fliegen. Verona ist erst im sechsten, doch dies will ihr keiner glauben.
Als Zuschauer sympathisiert man automatisch mit den beiden Hauptcharakteren Verona und Burt und befindet sich dadurch automatisch in deren Zuschauerposition. Die Probleme der anderen kann man aus diesem Grund objektiver betrachten, was dem Film entspannende Züge verleiht. Anstatt Adrenalinschübe vermittelt der Film Ruhe, wozu auch die schönen Breitbildlandschaftsaufnahmen beitragen.

Eine scheinbar glückliche Familie in Montreal.
Dem Regisseur Sam Mendes, der unter anderem auch die Familientragödie „American Beauty“ drehte, schuf mit „Away we go“ einen weiteren Film, der sich aktiv mit dem Leben der Amerikaner auseinandersetzt. Dass der Film aufgrund von Sexszenen und vulgären Ausdrücken in Amerika erst ab 17 eingestuft wurde, ist dagegen unverständlich. Autor: Ronny Siegel

Könnte dieses Haus in Alabama die neue Heimat für Verona und Burt werden?

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