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Hanseaten bauen ersten „kleinen“ Röntgenlaser

Das Team vor dem neuen XFELO im Tunnel zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein. Foto: European XFEL
Das Team vor dem neuen XFELO im Tunnel zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein. Foto: European XFEL

XFELO misst nur 65 Meter statt mehrere Kilometer

Hamburg, 28. Januar 2026. Weil sie genau sehen wollen, wie sich Atome in Sekundenbruchteilen zu Molekülen verbinden, wie sich Erbgut strukturiert oder Nanostrukturen in der Natur wachsen, haben Hamburger Forscher einen neuartigen, besonders kompakten und brillanten Röntgenlaser gebaut. Das hat ein Wissenschaftler-Team vom norddeutschen Großforschungszentrum „Desy“, vom Beschleuniger „European XFEL“ und der Uni Hamburg mitgeteilt.

„Können damit Prozesse untersuchen, die zuvor kaum messbar waren“
Thomas Feurer, Vorsitzender der Geschäftsführung am European XFEL

„Forschende können damit künftig Strukturen und Prozesse untersuchen, die zuvor kaum messbar waren,“ erklärt XFEL-Chef Thomas Feurer. Der neue Präzisions-Röntgenlaser eröffne „völlig neue Möglichkeiten für präzise Experimente in Physik, Materialwissenschaften, Chemie oder Biologie“.

So funktioniert der XFELO-Röntgenlaser: Illustration des XFELO-Systems: Ein harter Röntgenpuls (rot) wird von einem Set von Diamantspiegeln reflektiert und oszilliert durch Anordnungen von Magneten, sogenannte Undulatoren. Bei jeder Umrundung trifft der Puls auf ein neues Elektronenbündel (blau), das die Undulatoren auf einem Slalomkurs durchläuft und dabei Röntgenlicht aussendet. Illustration: European XFEL
So funktioniert der XFELO-Röntgenlaser: Illustration des XFELO-Systems: Ein harter Röntgenpuls (rot) wird von einem Set von Diamantspiegeln reflektiert und oszilliert durch Anordnungen von Magneten, sogenannte Undulatoren. Bei jeder Umrundung trifft der Puls auf ein neues Elektronenbündel (blau), das die Undulatoren auf einem Slalomkurs durchläuft und dabei Röntgenlicht aussendet. Illustration: European XFEL

Diamant-Katzenaugen schaukeln Röntgen-Impulse auf

Der „X-Ray Free Electron Laser Oscillator“ (XFELO) der Wissenschaftler ist 65 Meter lang und speist sich aus schnellen Elektronen. Gegenläufig gepolte Magnete zwingen diese geladenen Teilchen in sogenannten „Undulatoren“ in eine Schlangenbahn. Auf diesem Schlängelkurs senden die Elektronen harte Strahlung aus. Das dabei entstehende Röntgenlicht eilt dann zwischen Diamant-Katzenaugen und Siliziumspiegeln so lange hin und her und wird durch immer neue, synchron eintreffende Elektronenpakete verstärkt, bis es sich zum gewünschten Strahlenpuls hochgeschaukelt hat. Das Prinzip dahinter ist dem klassischen Lichtverstärker, dem Laser abgeguckt, ist aber mit Röntgenwellen viel schwieriger zu realisieren, weil sich diese harten Strahlen nicht mit normalen Linsen oder Spiegeln lenken lassen.

XFEL-Erklärvideo:

Forscher ernten mit neuer Anlage besonders brillante Röntgenpulse

Bisher war es deshalb üblich, besonders energiereiche und brillante Röntgenimpulse für Forschungszwecke mit riesigen Elektronen-Beschleunigern zu erzeugen. Eine solche Großanlage ist der erwähnte „XFEL“, sich kilometerweit unterirdisch zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein erstreckt. Mit dem XFELO haben die Hanseaten die gesamte Anordnung auf wenige Dutzend Meter geschrumpft – und ernten zudem noch Röntgenpulse, die brillanter sind als die aus dem großen Bruder XFEL.

Jahrelange Tüfteleien

Das Konzept für diesen kompakten Röntgenlaser hatte Physikprofessor Jörg Rossbach von der Uni Hamburg erdacht. Aber es dauerte viele Jahre, bis Desy-Wissenschaftler Patrick Rauer, XFEL-Röntgenoptikexperte Harald Sinn und ihre Kollegen den „Dreh heraus hatten“, wie sie die Röntgenstrahlen richtig spiegeln und mit den eintreffenden Elektronenpulsen synchronisieren konnten.

Bisher weltweit einmalig – doch die Chinesen sind den Hanseaten auf den Fersen

Der XFELO ist laut Einschätzung der beteiligten Forscher bisher weltweit einmalig. „Soviel wir wissen, arbeiten die Chinesen aber auch an solch einem System“, weiß Sinn. 2027 wollen die Hanseaten ihren neuen Kompakt-Röntgenlaser in die unterirdischen Versuchsanlagen von XFEL und Desy einbauen und in den Praxisbetrieb überführen. Helfen soll das System dann beispielsweise bei physikalischen, chemischen, biologischen und materialwissenschaftlichen Analysen. Ob sich darüber hinaus auch Anwendungsmöglichkeiten in der Industrie – etwa für die Produktion besonders feiner Chipstrukturen in Chipfabriken – eröffnen, ist derzeit noch nicht gesichert.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Vor-Ort-Besuch, Auskünfte Harald Sinn, XFEL, Desy

Wissenschaftliche Publikation:

„Lasing of a Cavity Based X-ray Source“ von Patrick Rauer, Immo Bahns, Bertram Friedrich u.a., in: „Nature“, Januar 2026, Fundstelle im Netz hier

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger