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Sächsische Solar-Mini-Kühlhäuser retten Essen in Nigeria

Ihren Strombedarf decken die dezentralen Mini-Kühlhäuser durch einfach installierbare Solardächer. Foto: ILK Dresden

Ihren Strombedarf decken die dezentralen Mini-Kühlhäuser durch einfach installierbare Solardächer. Foto: ILK Dresden

ILK Dresden bekommt Roy-Familienpreis für „Coldhubs“

Dresden, 17. September 2022. In Nigeria gehen wegen Hitze und Kühlketten-Lücken oft 40 Prozent der geernteten Lebensmittel auf dem Weg zu den Hungrigen verloren. Deshalb haben das Dresdner „Institut für Luft- und Kältetechnik“ (ILK) und lokale Partner energieautarke Mini-Kühlhäuser für das Land gebaut. Dafür hat das Dresdner Zuse-Institut nun den „Roy Family Award for Environmental Partnership 2022“ vom „Belfer Center“ der „Harvard Kennedy School“ aus den USA bekommen.  Das geht aus einer ILK-Mitteilung und einer Information des Belfer-Centers hervor.

Das Konzept der Coldhubs: Die nigerianischen Landwirte zahlen eine tägliche Pauschalgebühr pro Kiste verderblicher Produkte, die in den Kühlräumen von Kühlhäusern gelagert werden. Dadurch soll sich die Frische von Obst und Gemüse von zwei auf 21 Tage verlängern. Dieses Geschäftsmodell wird innerhalb eines Jahres nach dem Betrieb selbsttragend, versichern die Projektpartner. Foto: ILK Dresden

Das Konzept der Coldhubs: Die nigerianischen Landwirte zahlen eine tägliche Pauschalgebühr pro Kiste verderblicher Produkte, die in den Kühlräumen von Kühlhäusern gelagert werden. Dadurch soll sich die
Frische von Obst und Gemüse von zwei auf 21 Tage verlängern. Dieses Geschäftsmodell trage sich innerhalb eines Jahres nach dem Betrieb selbst, versichern die Projektpartner. Foto: ILK Dresden

54 Coldhubs haben bereits fast 53.000 Tonnen Essen vor dem Verderben bewahrt

Gegen eine kleine Gebühr können die afrikanischen Bauern ihr Obst und Gemüse in diesen solarbetriebenen „Coldhubs“ einlagern, um ihre Ernte zu retten. Allein im Jahr 2021 haben die 54 dezentralen Mini-Kühlhäuser, die mittlerweile im Betrieb sind, laut ILK rund 52.700 Tonnen Lebensmittel vor dem Verderben gerettet.

Diese Frau freut sich über die neuen Kühlhäuser. Foto: ILK Dresden

Diese Frau freut sich über die neuen Kühlhäuser. Foto: ILK Dresden

Kleinbauern tagtäglich im Wettlauf gegen die verderbende Mittagshitze

„In Nigeria bedeuten Infrastrukturprobleme wie mangelnde Elektrifizierung und Kühllagerung entlang der Lebensmittelversorgungskette, kombiniert mit dem heißen Klima des Landes, dass alarmierende 40 Prozent der jährlich produzierten Lebensmittel verloren gehen, bevor sie jemals die Verbraucher erreichen“, hieß es vom ILK. Daher müssten „viele Kleinbauern in ländlichen Gebieten morgens um den Verkauf ihrer frischen Produkte wetteifern, bevor sie in der Mittagshitze verderben.“ Andere würden dafür teure und umweltschädliche dieselbetriebene Kühlungen einrichten. In beiden Fällen führe dies zu Gewinneinbußen.

Kühlhäuser ziehen Strom aus simpel gestrickten Solardach

Daher hatte das ILK Dresden Mini-Kühlhäuser entworfen, die per Lkw überall hingebracht und aufgebaut werden können, um so ein dezentrales Kühl-Netz zu knüpfen. Die „Coldhubs“ stehen unter einfachen Gerüsten mit Solardächern, aus denen sie ihren Strombedarf decken. Das Dresdner Institut übernahm die Forschung und designte die Prototypen. Die nigerianische „Smallholders Foundation“ kümmerte sich um den Bau und den regionalen Marktzugang. Die „Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) fördert das Projekt.

Weitere Solar-Kühlhausnetze in Ruanda, Kenia, Senegal und Benin geplant

Bisher sind 54 „Coldhubs“ im Betrieb, 50 weitere sollen bis Ende 2024 folgen. Außerdem wollen die Partner das dezentrale Kühlhaus-Konzept auch in Ruanda, Kenia, Senegal und Benin ausrollen. Dafür suchen sie allerdings noch nach regionalen Investoren. „Coldhubs bietet eine technische Lösung und ein sich selbst tragendes Geschäftsmodell, das in verschiedenen Ländern und Regionen repliziert werden könnte, um viele weitere Tausende von Landwirten zu fördern“, schätzte „Belfer Center“-Direktor Henry Lee ein. „Unser Komitee von Gutachtern war besonders beeindruckt davon, wie die Partnerschaft erfolgreich von einer gemeinnützigen Zusammenarbeit zu einem kommerziellen Unternehmen übergegangen ist, während ihre ursprüngliche Mission beibehalten wurde.“

Autor: hw

Quellen: ILK Dresden, Belfer Center