Ifo Dresden: Süddeutsche Auto- und Maschinenbauer verlieren besonders durch Trump-Zölle

Wirtschaftspolitik des US-Präsidenten dürfte De-Industriealisierung in Deutschland verstärken
Dresden, 8. Dezember 2025. Die Trumpschen Abwehrzölle gegen Europa werden die deutsche Deindustrialisierung wahrscheinlich beschleunigen und dazu beitragen, dass sich die Wirtschaftsstruktur in der Bundesrepublik von der Industrie hin zu Dienstleistungen verschieben. Grund: Die Importzölle des US-Präsidenten treffen Regionen mit hohem Industrieanteil besonders stark. Das geht aus einer Analyse des Wirtschaftsforschungs-Institutes „Ifo“ in Dresden hervor.
Dienstleister profitieren vielerorts sogar
„Während Dienstleister vielerorts tendenziell profitieren und Marktanteile gewinnen können, sind die Verluste im Verarbeitenden Gewerbe in einzelnen Kreisen gravierend“, meint Robert Lehmann von Ifo Dresden. „Insgesamt könnten die Zölle mittelfristig zu einer Verschiebung der Wirtschaftsaktivität von Industrie zu Dienstleistungen führen.“
Von der Leyen hat 15 % Abwehrzoll akzeptiert
Hintergrund: Um exportstarke Länder zu schwächen, das Handelsbilanz-Defizit der USA zu senken, untergegangene Industrien in den Vereinigten Staaten wiederzubeleben und seine eigenen Fiskalpläne zu stützen, hat US-Präsident Donald Trump gegen fast alle exportierenden Länder weltweit Abwehrzölle verhängt und damit den Welthandel in eine Krise gestürzt. Obwohl Branchenkenner und Ökonomen dazu geraten hatten, eine Spirale immer höherer „Strafen“ in Gang zu setzen und sich lieber mit anderen betroffenen Ländern und Regionen zusammen zu tun, hat sich EU-Präsidentin Ursula von der Leyen von Trump überzeugen lassen,15-Prozent-Zölle gegen Europa zu akzeptieren. Gleich nach der Zoll-Annahme durch von der Leyen hat die US-Regierung zudem nachgeschoben und weitere 50 Prozent Zoll gegen Metall- und metallverarbeitende Unternehmen verhängt, zu denen sie auch Maschinenbauer rechnen – was wiederum Deutschland besonders stark trifft.
Ausgeprägtes Nord-Süd-Gefälle
Robert Lehmann, Maximilian Rose und Marcel Thum von Ifo Dresden haben nun durchgerechnet, zu welchen Schäden allein der 15-Prozent-Basiszoll in der verschiedenen Regionen Deutschlands führt. Ihr Fazit: Besonders stark betroffen sind Regionen mit hohem Industrieanteil, etwa in der Automobil- und Metallerzeugung. Auffällig sei das „ausgeprägte Nord(ost)-Süd(west)-Gefälle bei den gesamtwirtschaftlichen Effekten“.
Am höchsten sind demnach die Wertschöpfungsverluste für Salzgitter (minus 1,16 Prozent), Dingolfing-Landau (minus 1,08 Prozent), Wolfsburg (minus 1,06 Prozent), Böblingen (minus 1,05 Prozent) und Ingolstadt (minus 0,98 Prozent). Auch große Teile Sachsens – das im Vergleich zu anderen ostdeutschen Ländern eine recht starke Industrie hat – werden um die 0,4 Prozent Bruttowertschöpfung verlieren. Leichte positive Wertschöpfungseffekte sehen die Ökonomen dagegen zum Beispiel für Potsdam (plus 0,23 Prozent), den Main-Taunus-Kreis (plus 0,22 Prozent), Cottbus (plus 0,18 Prozent) und Bonn (plus 0,17 Prozent). Diese regionalen Unterschiede seien vor allem auf die Wirtschaftsstruktur vor Ort zurückzuführen.
Autor: hw
Quellen: Ifo DD, Oiger-Archiv
Wissenschaftliche Publikation:
„Räumliche Auswirkungen der US-Zollpolitik in Deutschland“ von Robert Lehmann, Maximilian Rose und Marcel Thum, in: „ifo Dresden berichtet“ 06/2025, Fundstelle im Netz hier

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