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Liofit Kamenz startet 2022 Recylinganlage für Fahrradakkus

Kernkomponenten wie der elektromotor und die Langzeit-Speicherkraft des Akkus bestimmen wesentlich die Leistungskraft eines Elektrofahrrades. Foto: Heiko Weckbrodt

Zu schade für die Pyrolyse: Alte E-Fahrrad-Akkus können regeneriert oder stofflich wiederverwertet werden. Foto: Heiko Weckbrodt

Neues Netzwerk „Circular Saxony“ für Batterie-Wiederverwertung in Sachsen geplant

Kamenz, 19. Mai 2021. Liofit Kamenz will im Sommer 2022 eine erste Pilot-Schredderanlage für Fahrrad-Akkus in Betrieb nehmen. Das hat Liofit-Chef Ralf Günther angekündigt. Die dabei verwendeten mechanischen Verfahren sollen für höhere Recycling-Quoten von solchen Energiespeichern bei insgesamt günstigeren Preisen sorgen. Dabei handelt es sich um ein „Wichtiges Projekt von gemeinsamem europäischen Interesse“ im Akku-Sektor (“Batterie-Ipcei“), für das die Kamenzer Sondersubventionen von Bund und Land bekommen.

Bis jetzt heißt es meist: Ab in den Hochofen!

Hintergrund: Bisher landen die Akkus von Elektrofahrrädern, E-Rollern und ähnliche elektrischen Kleinfahrzeugen oft genug letztlich im Hochofen. Übrig bleiben Schlacke und Asche, aus der sich die Recycling-Unternehmen meist nur das wertvolle Kobalt und vielleicht noch Nickel und Kupfer herauspicken.

Mechanische Zerkleinerung soll Recycling-Quoten deutlich steigern

Dieser „heiße“ Weg ist nach Meinung von Ralf Günther jedoch eine Sackgasse: Die EU-Kommission bereite derzeit eine neuer Batteriedirektive vor, die zum Beispiel voraussichtlich vorschreiben wird, dass drei Viertel des Lithiums in solchen Akkus stofflich zurückgewonnen werden müssen. Solche Quoten seien mit dem Hochofen nicht erreichbar, schätzte der Liofit-Chef bei einem Online-Vortrag im Branchenverband „Energy Saxony“ ein. „Dafür ist ein mechanisches Recycling notwendig.“

Lithium, Kobalt & Co.: Pilotanlage soll bis zu 85 % der Stoffe zurückgewinnen

Daher will er mit seinem Team und in Kooperation mit der Bergakademie Freiberg eine mechanische Akku-Recycling-Anlage konstruieren. Die soll nahezu alle in Deutschland zirkulierenden Fahrrad-Akku-Typen kennen, sie vollständig entladen, aufsägen, halbieren und schließlich mechanisch in kleine Teile schreddern. Aus dieser „Schwarzmasse“ wollen er beziehungsweise seine Partner aus der Recycling-Industrie neben Kobalt, Nickel und Kupfer auch Mangan, Lithium, aufgebrauchte Elektrolyte und andere Stoffe gewinnen und profitabel verkaufen. Die Erlöse aus diesen Verkäufen sowie aus direkt wiederverwerteten Altakkus sollen den aufwendigen Recyclingprozess subventionieren. Bis zu 85 Prozent der in den erschöpften Energiespeichern enthaltenen Materialien könnten mit diesem mechanischen Verfahren stofflich zurückgewonnen werden, schätzt Ralf Günther.

Ein Liofit-Mitarbeiter bereitet einen Akku-Pack für die Regeneration vor. Foto: Liofit

Ein Liofit-Mitarbeiter bereitet einen Akku-Pack für die Regeneration vor. Foto: Liofit

Über Liofit

Liofit selbst wurde 2013 gegründet und beschäftigte sich zunächst nur damit, die Zellen von Elektrofahrrad-Akkus besser auszubalancieren. Später begann das Unternehmen damit, Akkus zu regenerieren, selbst eigene Zellpakete herzustellen und zu programmieren. Dann kam die Produktion eigener Schutzelektronik hinzu, auch entwickelte Liofit erst kürzlich einen eigenen Tiefen-Entlader für alte Stromspeicher. Inzwischen beschäftigt das Kamenzer Unternehmen 28 Mitarbeiter, hat eine eigene Entwicklungsabteilung für Batteriedesign und Elektronik. 2020 erzielte Liofit rund 1,5 Millionen Euro Jahresumsatz.

„Energy Saxony“-Chef knüpft neues Netzwerk

Mit ihren ambitionierten Entwicklungs-Projekten stehen die Kamenzer nicht allein da: „Energy Saxony“-Geschäftsführer Lukas Rohleder knüpft derzeit ein neues Netzwerk „Circular Saxony“. In diesem Verbund möchte er neben Liofit weitere sächsische Unternehmen und Forschungsinstitute zusammenführen, die sich mit Batterie-Recycling und verwandten Technologien im Freistaat beschäftigen. Auch Fordermittel will der Geschäftsführer des sächsischen Energietechnik-Netzwerks dafür akquirieren. „Mit diesem Cluster können wir neue Wertschöpfungs-Potenziale in Sachsen heben“, ist er überzeugt.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Liofit, Energy Saxony

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