Liegt Sachsens Ausweg aus Trumps Wirtschaftskriegen in Asien?

Freistaat will Handel mit Taiwan, Japan und Singapur ausbauen, um weniger abhängig von den USA zu sein
Dresden/Taipeh/Tokyo/Singapur, 23. September 2025. Die milliardenschwere Ansiedlung des weltweit größten Halbleiterherstellers aus Taiwan verleiht nicht nur dem Mikroelektronik-Standort Dresden einen kräftigen Schub: Die TSMC-Fabrik birgt auch die Chance, den sächsischen Außenhandel umzustrukturieren – weg von zu dominanten Handelspartnern wie China und den USA, hin zu einer engeren Verflechtung mit Ost- und Südostasien. Das hat die Industrie- und Handelskammer (IHK) Dresden im Vorfeld einer Wirtschaftsdelegations-Reise sächsischer Politiker und Unternehmer nach Taiwan, Japan und Singapur eingeschätzt.
TSMC-Zuschlag hat Dresden in Asiens Halbleiterszene ins Rampenlicht gerückt
Die Entscheidung von TSMC, ihr erstes europäisches Halbleiterwerk in Dresden zu bauen, sorge in Asien für viel Aufsehen. „Dieses Momentum müssen wir nutzen“, betont IHK-Hauptgeschäftsführer Lukas Rohleder. Und IHK-Präsident Andreas Sperl sieht auch gute Chancen dafür: „Der asiatisch-pazifische Raum kann in nächster Zeit an Bedeutung gewinnen“, prognostiziert Sperl. „Dies könnte die Diversifizierung unseres Außenhandels vorantreiben und unsere Abhängigkeit von einzelnen Märkten reduzieren.“

Trumps Zoll-Sprünge treffen Sachsens Maschinenbauer
Gemeint sind damit vor allem die beiden bisher wichtigsten ausländischen Absatzmärkte für Autos, Maschinen und Elektronik „Made in Saxony“: China gilt vielen Politikern als zu dominant, zudem schwächeln die deutschen Autoumsätze im Reich der Mitte. Die USA wiederum werden derzeit von einem Präsidenten beherrscht, der Wirtschaftskriege gegen den Rest der Welt führt und dabei auch nicht vor eskalierenden Erpressungen zurückschreckt. Die Effekte sind auch in Sachsen spürbar: „Unsere Maschinenbauer leiden unter den Zollrestriktionen“, berichtet der Kammerpräsident. Ähnliches gilt umgekehrt auch für die Japaner, Chinesen, Taiwanesen, Südkoreaner und andere Staaten. „Auch deshalb dürfte Ostasien in nächster Zeit für uns als Handelspartner an Bedeutung gewinnen“, meint Sperl. „Wenn wir dort einen Fuß in die Tür bekommen, könnte dies unsere Probleme mit dem US-Markt zumindest teilweise kompensieren.“ Ähnliches – inklusive einer Abwehrphalanx der EU mit anderen von Trump erpressten Verbünden und Staaten in Asien und Amerika – hatten übrigens auch mehrere deutsche Ökonomen vorgeschlagen, bevor die umstrittene EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in der Zollpolitik vor Donald Trump eingeknickt war.
IHK Dresden: Taiwan passt gut zu uns
Bisher allerdings sind gerade die drei Länder, in die der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) mit einem Tross aus Wirtschaftsförderern und Unternehmern Ende September aufbricht, in Sachsens Außenhandel noch unterrepräsentiert: Nach Singapur exportierte der Freistaat im Jahr 2024 nur Waren und Dienstleistungen im Wert von 324 Millionen Euro, nach Japan machten die sächsischen Ausfuhren rund eine Milliarde Euro aus, nach Taiwan immerhin 1,6 Milliarden Euro. „Vor allem Taiwan passt gut zu uns“, ist IHK-Hauptgeschäftsführer Rohleder überzeugt: Mit rund 23 Millionen Einwohnern ist Taiwan nicht solch ein Riesenreich wie Festlands-China, ist seit geraumer Zeit eine Demokratie. Forschung, Innovation und speziell auch die Mikroelektronik spielen eine dominante Rolle. Zudem sind viele Taiwanesen einkommensstark genug, um sich auch Reisen nach Europa leisten zu können. Erst kürzlich hatten der sächsische Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) und sein Wirtschaftsförderungs-Chef Thomas Horn die Parole ausgegeben, der Freistaat wolle der wichtigste Partner für Taiwan in Deutschland werden.
„Unser langfristiges Ziel ist es, dass sich Sachsen in Deutschland als ‚Taiwan Hub‘ etabliert und das nicht nur für die Mikroelektronik, sondern auch für andere Branchen.“
Thomas Horn, Chef der Wirtschaftsförderung Sachsen
Daher wollen die Sachsen auf ihrer Osasien-Tournee einerseits für weitere Hightech-Ansiedlungen und um weitere Forschungs-Kooperationen werben. Vorgesehen ist unter anderem ein Besuch im legendären Institut ITRI (Industrial Technology Research Institute), das als Geburtsort von TSMC gilt. Anderseits wollen Rohleder und andere Delegierte Sachsen auch als Reiseland anpreisen und nicht zuletzt taiwanesische Restaurant-Ketten für ein Engagement in Dresden begeistern – damit sich die TSMC-Werker in der Stadt auch wohl fühlen.
Japan: Einstiger Halbleiter-Primus strebt zurück an die Spitze
Auch Japan gilt als vielversprechender Handelspartner für Sachsen: Nippon bastelt gerade an einem großen Comeback als führender Chip-Hersteller, beherbergt zudem viele Anlagenhersteller, deren Maschinen für moderne Halbleiterfabriken unabdingbar sind. Auch versucht Trump den Japanern ähnlich wie den Deutschen den ehemals freien Handel mit den USA zu verteuern oder gar zu verbarrikadieren.
Singapur: Finanzmetropole und Chip-Standort
Mit der Handels-, Finanz- und Dienstleistungsmetropole Singapur wiederum gibt es für den Freistaat nicht ganz so viele Anknüpfungspunkte. Aber auch hier gibt es Mikroelektronik-Unternehmen – vor allem im Endmontage-Sektor – sowie andere Technologieunternehmen und leistungsstarke Institute. So hat beispielsweise das Fraunhofer-Nanoelektronikinstitut Enas bereits Forschungsverbindungen nach Singapur geknüpft. Auch gibt es enge Beziehungen der Elbe-Flugzeugwerke Dresden mit Partnern aus Singapur, Globalfoundries betreibt dort Fabriken, die „Singapore Semiconductor Industry Association“ (SSIA) ist gar Mitglied im sächsischen Branchenverband „Silicon Saxony“ – die Reihe ließe sich fortsetzen.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: IHK DD, Statistisches Landesamt Kamenz, Oiger-Archiv, Flugrevue, FHG, Silicon Saxony, Globalfoundries

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