ForschungNewszAufi

Ifo: Babyquote wäre auch ohne Pille gesunken

Forscherinnen und Forscher der Uniklinik Dresden suchen mit europäischen Kollegen nach Biomarkern, die bei Kindern auf Überreaktionen des Immunsystems - SIRIS genannt - hindeuten. Durch solche Ansätze der personalisierten Medizin sollen Ärzte künftig SIRS schneller diagnostizieren und die richtige Therapie dagegen herausfinden können. Foto: Hochschulmedizin Dresden
Foto: Hochschulmedizin Dresden

Geburtenquote in DDR und BRD untersucht

Dresden, 17. August 2025. Den Rückgang der Geburtenraten in Deutschland allein auf die Zulassung der Anti-Baby-Pille zurückzuführen, ist ein Irrtum. Darauf hat eine Dresdner Wissenschaftlerin hingewiesen: „Der demografische Wandel setzte bereits vor der Verbreitung des Zugangs zur Pille ein“, betont Forscherin Klara Lehmann von der Dresdner Niederlassung des Ifo-Instituts.

Demnach sank die Geburtenrate in der BRD von durchschnittlich 2,45 (1961) auf 1,92 Kinder pro Frau zehn Jahre später, in der DDR fiel sie im Zeitraum nach Einführung der Pille noch stärker – von 2,48 (1965) auf 1,54. „Der Geburtenrückgang setzte jedoch in der DDR bereits unmittelbar vor Einführung der Pille 1964 ein, in der BRD stieg die Geburtenrate zu Beginn der 1960er Jahre sogar noch einmal an, womit die Pille eher ein begleitender Faktor als ursächlich für den Rückgang der Geburtenrate war“, heißt es in einer Zusammenfassung ihrer Studie „Der Pillenknick, der keiner war? Zum 65. Geburtstag der Antibabypille“.

Hintergrund: Vor 65 Jahren kam die Antibabypille in den USA auf den Markt, ein Jahr später in Westdeutschland und fünf Jahre später erreichte sie auch die DDR. „Die Studienlage in Deutschland erlaubt bislang, im Gegensatz zu anderen Ländern, keine Aussagen über einen kausalen Zusammenhang von Antibabypille und Änderungen in der Geburtenrate“, heißt es von Ifo Dresden. „Studien aus den USA etwa deuten darauf hin, dass der Zugang zur Pille in erster Linie die Planbarkeit von Familie und Beruf für Frauen erleichterte und die Zahl an Geburten bei sehr jungen Frauen verringert hat“, sagt Lehmann.

Für die DDR gelten auch sozialpolitische Entscheidungen als Einflussfaktoren für die Geburtenraten – auch wenn sie langfristig den Abwärtstrend nicht aufhalten konnten. Dazu gehören das Wohnungsbauprogramm und die Billig-Kredite für junge Paare in der Honecker-Zeit. In Ost und West gab es bei den Geburtenraten zwar auf lange Sicht ähnliche demografische Entwicklungen, aber keineswegs identische, weil die politischen Rahmenbedingungen sehr unterschiedlich sind. Schon von daher sind auch heute oft kolportierte Mode-Zuweisungen wie „Babyboomer“-Generation in einem Atemzug für Ost- und Westdeutschland irreführend.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quelle: Ifo Dresden

Wissenschaftliche Publikation:

 „Der Pillenknick, der keiner war? Zum 65. Geburtstag der Antibabypille“ von Klara Lehmann, in: „Ifo Dresden berichtet“, 03-04/2025, Fundstelle im Netz hier 

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger