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Chinesen verlangen bei Kreditvergabe hohe Sicherheiten

Die futuristische Silhouette von Chinas Boom-Metropole Shanghai in einer KI-Visualisierung. Bild: Gemini, Prompt und Nachbearbeitung: Heiko Weckbrodt
Die futuristische Silhouette von Chinas Boom-Metropole Shanghai in einer KI-Visualisierung. Bild: Gemini, Prompt und Nachbearbeitung: Heiko Weckbrodt

Staatsbanken sichern sich mit Rohstoff-Einnahmen bei Entwicklungsländern ab

Kiel, 18. Juli 2025. Wenn chinesische Staatsbanken Darlehen an Schwellen- und Entwicklungsländer vergeben, dann sichern sie sich gerne doppelt und dreifach ab – und verlangen ähnliche Sicherheiten wie sonst nur Privatbanken. Darauf weißt das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW Kiel) hin.

Forscher: Gefährliches Wettrüsten um Sicherheiten droht, das Entwicklungsländer weiter schwächt.“

„Wir waren überrascht, wie weitreichend und systematisch sich chinesische Gläubiger über liquide Sicherheiten absichern“, erklärt IfW-Forschungsdirektor Christoph Trebesch. „Damit untergräbt China die Gleichbehandlung von Gläubigern und schwächt die Schuldenregeln, auf die sich die internationale Gemeinschaft verständigt hat.“ Es drohe „ein gefährliches Wettrüsten um Sicherheiten, das Entwicklungsländer weiter schwächt“.

Demnach erhalten chinesische Banken „Zugriff auf liquide und gut kontrollierbare Sicherheiten, wie insbesondere Bargeld auf Sperrkonten in China, die meist aus Rohstofferlösen des Schuldnerlands gespeist werden“, fassen die IfW-Ökonomen eine gemeinsame Forschungsarbeit mit internationalen Kollegen zusammen. „Die Geldsicherheiten sind überraschend hoch und entziehen sich weitgehend der öffentlichen Kontrolle der Schuldnerländer oder internationaler Institutionen. Die mit den Krediten finanzierte Infrastruktur wie etwa Flughäfen oder Eisenbahnen wird dagegen nur selten als Sicherheit genutzt.“

IfW: Peking bekommt direkten Zugriff auf liquide Mittel

Laut der Studie ist fast die Hälfte von Chinas Kreditportfolio mit konkreten Sicherheiten hinterlegt, die über staatliche Garantien hinausgehen. In 84 Prozent der Fälle geschehe dies durch ein Sperrkonto in China, in 83 Prozent der Fälle fließen die Erlöse der wichtigsten Exportgüter auf ein solches Konto. „Dadurch erhält Peking direkten Zugriff auf liquide Mittel, ohne juristische Verfahren anstoßen zu müssen“, warnt das IfW Kiel. „Besonders häufig handelt es sich um Einnahmen aus dem Ölgeschäft, etwa im Falle Russlands, Brasiliens oder Venezuelas, aber auch aus dem Kakaoexport Ghanas oder Getreideverkäufen Äthiopiens.“ Und: „In vielen Fällen verpflichten sich Kreditnehmer, ihre Exporteinnahmen so lange über Konten in China zu leiten, bis die Schulden beglichen sind. Über die Zeit können sich sehr hohe Summen von Milliarden US-Dollar auf den Offshore-Konten ansammeln.“

Intransparenz-Probleme bei Schuldenkrisen denkbar

Dieses Vorgehen der Chinesen ist zweifellos einem hohen Sicherheits- und Kontrollbedürfnis der chinesischen Staatsbanken geschuldet. Weil viele dieser Vertragswerke und Sicherheiten aber in internationalen Registern gar nicht auftauchen, trägt diese Methodik zu undurchsichtigen globalen Kreditabhängigkeiten bei. Das kann im Falle von Schuldenkrisen Lösungsversuche und Umschuldungen erschweren.

Autor: hw

Quelle: IfW Kiel

Wissenschaftliche Originalpublikation:

„How China Collateralizes“ von Anna Gelpern, Omar Haddad, Sebastian Horn, Paulina Kintzinger, Bradley C. Parks und Christoph Trebesch, in: „Kiel Working Paper“ Nr. 2293, Juni 2025, Fundstelle im Netz hier

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger