„Paradigmenwechsel in der Chip-Architektur“

Sächsische Techifab will mit Neuro-Elektronik KIs beschleunigen
Radeberg/Dresden, 8. April 2025. Innovative Neuro-Chips aus Sachsen sollen Künstliche Intelligenzen (KI) helfen, schneller und mit weniger Energieaufwand zu Lösungen kommen. Anders als heutige Computer orientieren sie sich stärker am Vorbild der Natur: Ihre Zellen sind gleichermaßen Rechenwerke wie auch Speicher sind – ähnlich wie die Neuronen im menschlichen Gehirn. Das in Radeberg bei Dresden angesiedelte Mikroelektronik-Unternehmen „Techifab“ hat nun laut Angaben ihrer Vermarktungsagentur „Frische Fische“ dafür geeignete Materialien und Fertigungsschritte patentrechtlich geschützt.
Neurromorphe Chips sollen sich für immer neue Spezialaufgaben umformen lassen
„Wir sprechen hier von einem vollständigen Paradigmenwechsel in der Chip-Architektur“, betont Techifab-Mitgründerin Prof. Heidemarie Krüger. „Die rekonfigurierbaren Memristoren und Transistoren unserer TiF-Plattformtechnologie ermöglichen es, Hardware aufgaben- und domänenspezifisch zu gestalten – sei es für neuronale Netzwerke, quantensichere Verschlüsselung oder industrielle Sensorik.“

400-faches Tempo und 90 % weniger Stromverbrauch versprochen
„Einsatzgebiete sind KI-Systeme, autonomes Fahren, Robotik und generell neuromorphe Computer“, betonen die Techifab-Entwickler. Denn ihre sogenannten Tif-Memristoren vereinen Speicher- und Rechenfunktionen, wenden sich damit von der „Von-Neumann“-Architektur heutiger Computer größtenteils ab. Darauf fußende Chips und Computer sollen beispielsweise imstande sein, Matrizen viel schneller und effizienter als Digitalrechner multiplizieren – ein Rechenschritt, der für KIs besonders wichtig ist. Die Forscher gehen davon aus, dass sie damit pro Matrizen-Multiplikation bis zu 90 Prozent des sonst üblichen Stromverbrauchs einsparen und auf „eine 400-fach höhere Verarbeitungsgeschwindigkeit im Vergleich zur klassischen von-Neumann-Architektur“ erreichen können.
Techifab: Produktion ist in klassischen Chipfabriken möglich
Dafür haben Techifab-Mitgründerin Prof. Heidemarie Krüger und ihr Team lernfähige Speicherzellen (Memristoren) und Minischalter (Transistoren) in einem Bauelement aus Wismut-Eisenoxid verschmolzen. Sie sollen sich immer wieder neu für verschiedene Spezialaufgaben umprogrammieren lassen. Und: Diese Zellen sollen sich vergleichsweise preiswert mit den gleichen Anlagen herstellen lassen, wie sie in heutigen Chipfabriken üblich sind, versichern die Techifab-Gründer.
Heidemarie Krüger und Stephan Krüger hatten Techifab im Jahr 2021 gegründet. Derzeit beschäftigt das Unternehmen 50 Menschen in der Nähe des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf. Zuschüsse bekommen die Neurochip-Entwickler unter anderem von der Bundes-Sprungagentur „Sprind“ aus Leipzig.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: Techifab, Oiger-Archiv, Wikipedia

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