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Museumsbesuch verbessert seelische Gesundheit von Dementen

Demente und ihre Angehörigen besuchen im Zuge einer Studie ein Museum in Dresden. Foto: Leo König via TU Dresden
Demente und ihre Angehörigen besuchen im Zuge einer Studie ein Museum in Dresden. Foto: Leo König via TU Dresden

Mediziner raten nach Studie in Dresden, das Konzept breiter einzusetzen

Dresden, 15. März 2025. Museen gemeinsam zu besuchen, kann dementen Menschen und ihren Angehörigen dabei helfen, das langsame Vergessen ein Stück weit auszubremsen und mit dem Alltag besser klar zu kommen. Darauf weist das gemeinsame Projekt „Erinnerungs_reich“ des Uniklinikums Dresden und der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden hin.

Kunstwerke bringen gemeinsame Erinnerung von Kranken und Angehörigen wieder zum Klingen

„Die Ziele, die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen zu erhöhen und die seelische Gesundheit zu verbessern, haben wir durch die Museumsbesuche erreicht“, resümieren die Gesundheitswissenschaftlerin Dr. Karen Voigt von der TU Dresden und der Arzt und Kunsthistoriker Dr. Michael Wächter, die das Projekt koordiniert hatten. „Die Kunstwerke ermöglichten es ihnen, an individuelle Erfahrungs- und Erinnerungswelten anknüpfen und so ins Gespräch kommen.“

Studienleiterin: Jahreskarte fürs Museum ist billiger als teure Medikamente

Die Studienleiter plädieren nun dafür, den Schritt vom Pilotprojekt zum breiten Einsatz zu gehen: „Diese Deutlichkeit der Ergebnisse haben wir so nicht erwartet“, erklärt Wächter. „Unsere Empfehlung ist daher ganz klar, Museumsbesuche in die Regelversorgung zu übernehmen.“ Das sei auch finanziell eine gute Lösung, ergänzt Voigt: „Eine Jahreskarte fürs Museum ist insbesondere mit Blick auf die Linderung depressiver Symptome bei Menschen mit Demenz offenbar jedoch deutlich wirksamer als Medikamente. Diese sind teuer, helfen aber laut aktuellen Studien Betroffenen nicht, ihre Lebensqualität zu verbessern.“

In Großbritannien gibt’s für Demente Museumsbesuche per Rezept

In anderen Ländern sei man da schon weiter: Das Museum of Modern Art in New York beispielsweise habe bereits Anfang des Jahrtausends die Wirkung von Museen auf Demenzkranke untersucht. In Großbritannien könnten sich chronisch kranke Menschen den Museumsbesuch vom Hausarzt verschreiben lassen. Als einzige deutsche Studie existiere bis jetzt „Artemis“ – ein Projekt mit dem Städel-Museum in Frankfurt/Main, das die Wirkung von Museumsbesuchen mit anschließenden Kunstworkshops untersuchte. Letzteres erscheine ihm mit Blick auf die knappen Ressourcen der Museen gerade im ländlichen Raum nicht zielführend“, betonte Wächter, der für Angebote plädiert, die sich einfach organisieren lassen.

Knapp 2 Millionen Demente weltweit

Insgesamt leben in Deutschland laut Deutscher Alzheimer-Gesellschaft derzeit fast zwei Millionen demente Menschen. Bei ihnen sind Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Sprache, Auffassungsgabe, Denkvermögen und Orientierungssinn und andere kognitive Leistungen eingeschänkt. Sie haben meist Probleme, sich neue Informationen einzuprägen, sich auf einen Gedanken oder Gegenstand zu konzentrieren, sich selbst klar zu äußern und andere Menschen zu verstehen. Demenz ist ein wachsendes Problem in den Industrieländern und anderswo: Die Lebenserwartung steigt und dadurch auch die statistische Wahrscheinlichkeit, dement zu werden. Und dadurch steigt die Zahl der Demenzkranken in Deutschland und in vielen anderen Staaten stetig an. Rund 60 Prozent aller Demenzen werden durch die Alzheimer-Krankheit hervorgerufen. Dabei verkümmern Nervenzellen und -verbindungen nach und nach.

Noch nicht heilbar

„Die Alzheimer-Krankheit ist heute noch nicht heilbar. Das Fortschreiten der Symptome lässt sich jedoch vorübergehend hinauszögern“, heißt es von der Alzheimer-Gesellschaft. „Medikamente wie Antidementiva stehen zur Verfügung, die über ungefähr ein Jahr die geistige Leistungsfähigkeit aufrechterhalten können und sich auch positiv auf die Alltagsbewältigung auswirken.“ Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit absehbar ist aber, dass Alzheimer durch Zell- beziehungsweise Gentherapien irgendwann heilbar sein wird.

Autor: Oiger

Quelle: TUD, Dr. Alzheimer-Gesellschaft, Wikipedia

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger