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Roboter-Offensive in Europa gefordert

Roboter spielen eine Schlüsselrolle im Industriellen Internet der Dinge - hier ist beispielhaft ein Stäubli-Roboter zu sehen. Foto: Heiko Weckbrodt
Stäubli-Roboter. Foto: Heiko Weckbrodt

VDMA-Fachverband: Chinesen überholen uns

Frankfurt am Main, 21. Februar 2025. Einen „Aktionsplan Robotik für Europa“ fordert der Branchenverband „VDMA Robotik +Automation“ aus Frankfurt am Main von den Politikern. „Europas Wirtschaft fällt in der internationalen Wettbewerbsfähigkeit zurück und muss dringend mit einer Aufholjagd starten“, meint der Verbands-Vorsitzende Dietmar Ley.

Dietmar Ley. Foto: Basler für den VDMA Robotik und Automation
Dietmar Ley. Foto: Basler für den VDMA Robotik und Automation

Robotik und Automatisierung sind Schlüssel für Wirtschaftswachstum

China beispielsweise habe seinen Fokus konsequent auf Spitzentechnologie und hochwertige Fertigung verlagert. „Das Land treibt die Automatisierung voran und verdoppelte seine Roboterdichte innerhalb von vier Jahren auf 470 Roboter pro 10.000 Arbeiter. Damit wird der EU-Durchschnitt von 219 Einheiten um mehr als das Doppelte übertroffen“, warnt Ley. Mittlerweile überholen die Chinesen selbst Deutschland – das bisher als Spitzenreiter in Europa und als internationaler Vorreiter galt – bei der Roboterdichte. Darauf hatte auch bereits die Internationale Förderation für Robotik hingewiesen. „Robotik und Automatisierung sind die Schlüsseltechnologien für das künftige Wachstum der Volkswirtschaften, da sie die Produktivität steigern, Innovationen vorantreiben und neue Chancen eröffnen.”

Roboter helfen gegen Personalkostenspirale, Fachkräftemangel und können für stabilere Qualität sorgen

Durch einen verstärkten Robotereinsatz hoffen die Wirtschaftsvertreter mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Die Kollegen aus Stahl und Kunststoff können einerseits manche Lücken schließen, die der Arbeits- und Fachkräftemangel reißt. Andererseits entgehen die Unternehmen damit auch dem Problem stetig wachsende Personalkosten. Und: Roboter können auch stupide, anstrengende und gesundheitsschädliche Arbeiten verrichten, für die sich kaum ein Mensch findet. Auch können sie – richtig eingesetzt und mit Künstlicher Intelligenz (KI) kombiniert, inzwischen auch komplexe Aufgaben in gleichbleibend hoher Qualität und nahezu ohne Pause verrichten.

Konkret sieht der „VDMA Robotik +Automation“ folgende Herausforderungen auf der Agenda in Deutschland und Europa:

  • Robotik-Offensive für EuropaEuropa wird zunehmend durch aggressive industriepolitische Strategien in anderen Ländern herausgefordert – wie die America-First-Agenda der Vereinigten Staaten und Chinas Fünfjahresplan für Robotik zeigen. Mit einer gezielten Robotik-Offensive gewinnt Europa seine Wettbewerbsfähigkeit zurück, sichert die Eigenständigkeit, bewältigt den demografischen Wandel und gestaltet den Übergang zur Klimaneutralität.
  • Mehr Risikokapital für Europas Start-upsDringend benötigtes zusätzliches Risikokapital muss durch eine Reform des regulatorischen Rahmens für institutionelle Anleger mobilisiert werden. Die französische Tibi-Initiative hat gezeigt, wie Kapital erfolgreich für Innovationen nutzbar gemacht werden kann – Europa sollte diesem Beispiel folgen.
  • Roadmap für Wettbewerbsfähigkeit aufstellenEuropas Fortschritte in den Bereichen Robotik und Künstliche Intelligenz müssen systematisch einer Benchmarking-Analyse mit den Entwicklungen in Asien und Nordamerika unterzogen werden. Es braucht konkrete nationale und europaweite Technologie-Fahrpläne.
  • Fokus auf SkalierbarkeitEuropa verfügt über eine hervorragende Forschungs- und Innovationslandschaft, die großartige Ideen hervorbringt. Doch am Ende zählt der Erfolg am Markt. China zeigt, wie Ideen konsequent in die industrielle Massenproduktion überführt werden. Politische Entscheidungsträger in Europa müssen ein Umfeld schaffen, das Innovationen nicht nur hervorbringt, sondern auch in die Serienfertigung und breite Anwendung transferiert.

Autor: hw

Quellen: VDMA Robotik +Automation, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger