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EU erlaubt Subventionen für neue Infineon-Chipfabrik in Dresden

Blick auf die Infineon-Baustelle für die Fab 4 in Dresden Ende Mai 2024. Foto: Heiko Weckbrodt
Blick auf die Infineon-Baustelle für die Fab 4 in Dresden Ende Mai 2024. Foto: Heiko Weckbrodt

Konzern baut Standort für fünf Milliarden Euro aus – ein Fünftel davon sind Beihilfen

Brüssel/Dresden, 20. Februar 2025. Die EU-Kommission hat heute eine knappe Milliarde deutsche Subventionen für die neue Chipfabrik von Infineon genehmigt. Das geht aus Mitteilungen der Kommission und des Halbleiterkonzerns hervor.

Auch die drei Bestandswerke bekommen eine Aufrüstung

Demnach fließen derzeit peu à peu rund fünf Milliarden Euro in den Standortausbau in der sächsischen Landeshauptstadt. Davon steckt Infineon selbst rund 3,5 Milliarden Euro in den Bau einer vierten Chipfabrik in Dresden. Weitere 920 Millionen Euro schießen Bund und Freistaat Sachsen für die Fab 4 zu. Außerdem rüstet das Unternehmen für rund 300 Millionen Euro seine beiden 200-Millimeter-Wafer-Fabriken und seine bereits bestehende 300-mm-Fab auf. Der größere Teil der Zuschüsse fließt im Zuge des EU-Chipgesetzes, ein kleinerer Teil über die Sonderprogramme für „Wichtige Projekte von gemeinsamem europäischen Interesse“ (Ipcei).

Beihilfen teils aus Chipgesetz, teils aus Ipcei-Programm

Die Differenz zwischen den EU-Angaben (insgesamt 4,4 Milliarden Euro von Konzern und Staat) und Infineons eigenen Investitionszusagen (5 Milliarden) erklärt das Unternehmen mit eben diesen Ipcei-Zuschüssen, außerdem seien „auch andere Komponenten enthalten, die nicht förderfähig sind“, erklärt Infineon-Sprecher Michael Burner auf Oiger-Anfrage. Von den 5 Milliarden Investitionen habe die EU 3,5 Milliarden als „förderfähig“ nach dem Chipgesetz anerkannt, dafür gibt es die 920 Millionen Euro Zuschuss, ergänzt die Dresdner Standortsprecherin Nora Pluntke. Für die restlichen Ausgaben bekommt das Unternehmen noch mal 80 Millionen Euro Ipecei-Zuschuss. Daraus ergibt sich eine Gesamt-Subvention von einer Milliarde Euro.

Fab soll schnell zwischen Produktlinien hin- und herschalten

Der Konzern will seine neue „Smart Power Fab“ in Dresden besonders umweltfreundlich bauen und betreiben, zum Beispiel auf Erdgas für die Resteverbrennung ganz verzichten. Eine weitere Besonderheit, die die Kommission heraushebt: Die Fab kann schnell zwischen der Produktion von Leistungselektronik und hybriden analog-digitalen Signalverarbeitungs-Chips hin- und herschalten. „Die neue Anlage wird die erste in Europa sein, die in der Lage sein wird, ihre Produktion zwischen den beiden Technologiefamilien schnell zu wechseln und gleichzeitig ihre hohe Produktionskapazität aufrechtzuerhalten“, heißt es von der Kommission. „Es wird eine Front-End-Einrichtung sein, die Waferverarbeitung, Test und Trennung abdeckt.“

Habeck: Projekt „reduziert kritische Abhängigkeiten in einem Hochtechnologiebereich“

„Das Infineon-Projekt am Standort Dresden stärkt die Chipversorgung in Deutschland und Europa und reduziert kritische Abhängigkeiten in einem Hochtechnologiebereich“, begrüßte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) die Zusage aus Brüssel. „Daher freue ich mich, dass die Europäische Kommission eine Förderung genehmigt hat. Zugleich zeigt das Infineon-Projekt, dass Deutschland ein attraktiver und wettbewerbsfähiger Standort für Investitionen in hochinnovative Technologien wie die Mikroelektronik ist.“

Konzernchef: Investitionen stärken Halbleiter-Ökoystem in Dresden

„Infineon stärkt mit der staatlichen Förderung die Stellung von Dresden, Deutschland und Europa als Halbleiter-Hub und befördert ein hochmodernes Innovations – und Produktionsökosystem für die Mikroelektronik“, betont Infineon-Konzernchef Jochen Hanebeck. „Wir steigern die Kapazitäten für Halbleiter in Europa und sichern damit stabile Lieferketten im Automobil-, Sicherheits- und Industriebereich.“

„Das erste deutsche Vorhaben, das vom European Chips Act profitiert“

„Das ist eine gute Nachricht für ganz Sachsen“, freut sich der sächsische Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD). „Damit erhält Infineon beihilferechtliche Sicherheit für die aktuelle Großinvestition in Dresden. Diese Investition ist zugleich das erste deutsche Vorhaben, das vom European Chips Act profitiert. Wir festigen damit den deutschen und europäischen Teil der Halbleiter-Wertschöpfungskette. Und wir stärken das Mikroelektronik-Ökosystem Silicon Saxony.“

„Mit der heute genehmigten deutschen Maßnahme im Umfang von 920 Millionen Euro wird eine hochmoderne Megafabrik in Dresden unterstützt“, erklärt EU-Wettbewerbs-Kommissarin Teresa Ribera. „Mit dem Vorhaben werden die Entwicklung einer starken und widerstandsfähigen digitalen Wirtschaft in Europa gefördert und die Versorgung der Industrie mit Halbleitern gesichert. Dabei werden mögliche Wettbewerbsverzerrungen auf ein Minimum begrenzt.“

Bis zu 6000 neue Jobs im Umfeld erwartet

Für die neue Fabrik 4 möchte Infineon rund 1000 neue Beschäftige anheuern. Außerdem geht das Unternehmen davon aus, dass dadurch im Umfeld weitere 6000 Jobs bei Zulieferern, Abnehmern und anderen Umfeldbetrieben – bis hin zum Bäcker oder Fleischer für die Essensversorgung der Chipwerker – entstehen. Die Bauarbeiten hatten im März 2024 begonnen. Der Produktionsstart ist für 2026 geplant. Seine volle Fertigungskapazität soll das Werk im Jahr 2031 erreichen.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quelle: Infineon, EU-Kommission, BMWK, SMWA, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger