Bassgitarre aus Roteiche statt Palisander

TU Dresden entwickelt Technologien für edelholz-freie Instrumente
Dresden, 28. Januar 2025. Damit weniger Edelholz-Bäume weltweit gerodet und rund um den Erdball verschifft werden müssen, entwickeln Holztechniker der TU Dresden ökologisch ganz besondere Instrumente: Was auf den ersten Blick aussieht wie eine ganz gewöhnliche Bassgitarre, ist innerlich ganz auf regionale Wirtschaft getrimmt. „Zu uns kommen oft Hersteller, die Edelhölzer in ihren Instrumenten durch einheimische Hölzer ersetzen wollen“, berichtet Dr. Harwig Hackenberg von der Professur für Holztechnik und Faserwerkstofftechnik an der TU Dresden. „Statt ostindischem Palisander soll dann beispielsweise Rotbuche, Elsbeere oder Pflaumenbaum verbaut werden.“
Ingenieure verdichten und veredeln Rotbuche, Elsbeere und Pflaumenbaum
Das soll die Umwelt schonen, weil viele Rodungen und Ferntransporte wegfallen, zudem auch die regionale Wirtschaft krisenfester machen. Weil aber indische und deutsche Hölzer sehr unterschiedlich klingen und aussehen, steckt viel technologische Expertise in den Substituten: Die Experten mussten die einheimischen Hölzer teils verdichten und ihnen oft auch andere Farbtöne geben, damit sie so hart und hübsch wie eben Palisander & Co. werden – und genauso gut klingen. Dabei verändern die Forscher die einheimischen Hölzer unter anderem durch thermische, chemische und physikalische Verfahren und lassen sie künstlich altern.
Mit einheimischen Hölzern haben Instrumentenbauer mehr Spielraum
Durch den Ersatz von tropischen durch einheimische Holzarten könne sich der regionale Instrumentenbau unabhängig von weit entfernten Zulieferern machen, gleichbleibende Qualitäten sichern und „die eigene Innovationsfähigkeit stärken, da veränderte gewünschte Eigenschaften durch Veränderungen der Verfahrensparameter selber durchgeführt werden können“, argumentieren die Dresdner Forscher. Inzwischen gebe es bereits einige Hersteller, die tropenholz-freie Gitarren und andere Instrumente bauen und dabei Technologien aus Sachsen einsetzen, sagt Hackenberg.
Hintergrund: Bisher werden laut TU-Angaben Konzertgitarren aus einer Kombination lang gelagerter tropischer Holzarten, wie westindische Zedrele für den Hals, ostindischer Palisander für Zarge und Boden sowie Ebenholz für das Griffbrett, hergestellt. „Ab 2017 wurden für den Handel mit bedrohten Hölzern aus den Tropen strengere Bestimmungen eingeführt, sodass Musikinstrumentenbauer auf Alternativen angewiesen waren.“ Inzwischen wurden diese Verbote zwar wieder gelockert – die Instrumentenbauer blieben aber auf dem einmal eingeschlagenen Substitutions-Pfad.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quelle: TUD

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