7,3 % der Betriebe in Existenzangst, Tendenz: steigend
München/Wiesbaden, 15. November 2024. Immer mehr Unternehmer in Deutschland fürchten das Aus für ihre Betriebe: Laut einer Umfrage des Ifo-Instituts sehen sich derzeit 7,3 Prozent der Unternehmen in ihrer Existenz bedroht. Im Oktober 2024 äußerten dies noch 6,8 Prozent der Befragten.
Ifo rechnet mit andauernder Pleitewelle
„Der kontinuierliche Anstieg bei den Unternehmensinsolvenzen dürfte sich fortsetzen“, warnt daher Ifo-Umfrageleiter Klaus Wohlrabe. „Neben fehlenden Aufträgen macht der steigende internationale Wettbewerbsdruck vielen Unternehmen derart zu schaffen, dass sie ihre Zukunft akut gefährdet sehen.“ Bereits jetzt liege die Zahl der Unternehmensinsolvenzen deutlich über dem Niveau der Vorjahre.
Ifo-Umfrage: Auftragsflaute, Wettbewerbsdruck, Energiekosten und Lohnsteigerungen kommen zusammen
Als Gründe für die Existenzängste gaben die Betrieb branchenübergreifend den Auftragsmangel an. Hinzu kommen gestiegene Betriebs- und Personalkosten sowie eine anhaltende Kaufzurückhaltung. „Wachsende bürokratische Anforderungen verschärfen den Kostendruck zusätzlich“, zitiert das Ifo München aus den Antworten. „Besonders belastend wirkt sich darüber hinaus die Kombination aus hohen Energiekosten und wachsender internationaler Konkurrenz aus.“
Destatis: Bei größeren Unternehmen weniger Schließungen
Allerdings gibt es auch gegenläufige Meldungen aus dem deutschen Bundesamt für Statistik (Destatis) aus Wiesbaden. Demnach gab es von Januar bis September 2024 etwa 1,8 % weniger Gewerbeaufgaben größerer Betriebe als im Vorjahreszeitraum. Andererseits gründeten sich im selben Zeitraum auch 0,8 % weniger neue größere Betriebe.
Dass die Einschätzungen von Ifo und Destatis hier auseinandergehen, könnte sich womöglich gerade aus der betrachteten Betriebsgröße zusammenhängen: Vielen Berichten aus der Wirtschaft zufolge trifft die anhaltende deutsche Misere die kleinen Firmen besonders stark. Großunternehmen dagegen haben meist finanzielle Polster, um auch längere Flauten durchzustehen, können zudem ihre Geschäftsaktivitäten und -schwerpunkte leichter ins Ausland verlagern.
Deutschland hat sich in Multikrise hineinmanövriert
Hintergrund: Seit der Corona-Krise kommt die deutsche Wirtschaft nicht mehr so recht in Fahrt. Eine Rolle spielten dabei unter anderem der Ukraine-Krieg, das Ende der russischen Gaslieferungen, stark steigende Energie-, Lohn- und Bürokratielasten, wirtschaftspolitische Fehlentscheidungen, Fachkräftemangel und die erstarkte Konkurrenz aus China. Unterm Strich hat sich in Deutschland in eine sich überschneidende Dauermultikrise hineinmanövriert, die durch externe Faktoren begünstigt wurde.
Autor: hw
Quellen: Ifo München, Destatis

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