Überflüssige Implantate lösen sich von selbst auf

Fraunhofer-Materialforscher erproben mit Uniklinik Dresden neue Körper-„Ersatzteile“ aus Molybdän
Dresden, 30. Oktober 2024. Ein künstliches Hüftgelenk soll möglichst ewig halten – doch bei manchen Implantaten wünschen sich die Mediziner lieber, dass sie am besten nach wenigen Monaten von selbst auflösen: Knochenersatz für Kinder beispielsweise, der eben nicht mit den kleinen Patienten mitwachsen kann, auch vorübergehende „Ersatzteile“ nach Kiefern-OPs sind so ein Fall oder beispielsweise Stützkonstruktionen („Stents“), die eigentlich nur so lange gebraucht werden, bis der Körper die Fehlstellen wieder hat zuwachsen lassen.
Dafür hat die Dresdner Außenstelle des „Fraunhofer-Instituts für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung“ (Ifam) nun Metall-Implantate aus dem Metall Molybdän entwickelt, die sich nach vorgegebener Zeit im Körper von selbst auflösen. „Die Reste werden vom Körper über die Nieren und letztlich den Urin ausgeschieden“, betont Ifam-Forscher Dr. Georg Pöhle.
Ähnlich stabil und verträglich wie Kobaltchrom
Heutige Implantate bestehen meist aus Titan, Kobaltchrom oder ähnlichen Materialien, die gleichermaßen fest, bioverträglich und lange haltbar sind. Auch gibt es schon einzelne auflösbare, also „resorbierbare“ Implantate aus Magnesium-Legierungen oder Polymeren. In puncto Festigkeit können die aber mit Titan & Co. nicht mithalten. Daher forschen Institute und Unternehmen weltweit auch an auflösbaren „Körper-Ersatzteilen“ aus Zink- oder Eisenlegierungen. Und die sächsischen Fraunhofer-Forscher haben sich auf Molybdän eingeschossen: ein stabiles, festes Metall, das auch auf Röntgenbildern sichtbar ist, sich nach einigen Monaten im Körper auflöst und ausgeschieden wird. In Versuchen im Labor und in Ratten habe sich das Molybdän-Testimplantat als ähnlich fest und verträglich erwiesen wie Kobaltchrom, berichtet Pöhle.
„Maximo“ als Testlauf in der Gesichts-Chirurgie
Gemeinsam mit der TU und dem Uniklinium Dresden gehen die Fraunhofer-Ingenieure nun mit „Maximo“ ein Praxisprojekt an: Dabei wollen sie Molybdän-Implantate in der Gesichtschirurgie erproben, zum Beispiel nach Kieferbrüchen. „Ab etwa 2030 könnten die ersten Implantate solcher Art auf dem Markt verfügbar sein“, prognostiziert Pöhle.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: Fraunhofer-Ifam Dresden, Wikipedia, Xometry Europe

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