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Schatz aus der Bronzezeit: Sondengänger findet über 3000 Jahre alte Schmuckringe nahe Dresden

Zum Bronzezeit-Depot gehören zwei Armringe (Vordergrund) und vier Beinringe. Foto: Landesamt für Archäologie Sachsen
Zum Bronzezeit-Depot gehören zwei Armringe (Vordergrund) und vier Beinringe. Foto: Landesamt für Archäologie Sachsen

Schmuck sollte womöglich uralte Gottheit besänftigen

Dresden, 20.04.26. Der Sondengänger Ronald Meißner hat bei Wilschdorf an der Stadtgrenze von Dresden einen bronzezeitlichen Schatz gefunden: Zwei gerippte Armringe, vier Beinringe und ein Ringfragment. Das hat das Landesamt für Archäologie Sachsen (LfA) mitgeteilt, bei dem Meißner zertifiziert ist.

Der 837,2 Gramm schwere Ringschatz ist etwa 3100 bis 3300 Jahre alt. Wer ihn vergraben hat und weshalb, wollen die sächsischen Archäologen und Kunsthistoriker nun herausfinden. Das Landesamt werde sich „intensiv mit diesem Fund beschäftigen und ihn in Zusammenhang mit anderen Funden dieser interessanten Zeitepoche stellen, um das Bild einer der wichtigsten Blütezeiten Sachsens weiter zu vervollständigen“, kündigte Landesarchäologin Dr. Regina Smolnik an.

Kein Notschatz – wohl eher eine rituelle Opfergabe

Ein paar Vermutungen haben die Forscher aber schon: Die ursprünglichen Ringträger wollten mit den Schmuckstücken Wohlstand zur Schau stellen. Auch gilt es als unwahrscheinlich, dass die Bronzezeitmenschen am Rande des Elbtales diesen Schatz in Notzeiten vergraben haben, ihn aber nicht mehr bergen könnten. Die Wissenschaftler tippen vielmehr darauf, dass es sich hier „um ganz bewusste, rituell definierte Opfergaben – möglicherweise an uns heute unbekannte Gottheiten – handelt“.

Das freigelegte Ringdepot bei Dresden. Foto: Landesamt für Archäologie Sachsen
Das freigelegte Ringdepot bei Dresden. Foto: Landesamt für Archäologie Sachsen

Zertifizierte Sondengänger versus Schatzräuber

Der Finder selbst habe sich vorbildlich verhalten, loben die Landesarchäologen. Denn anders als gemeine Schatzräuber ist ein zertifizierter Sondengänger wie Meißner beim Landesamt registriert und hat sich auch schulen lassen. Und auch in diesem Punkt unterscheidet er sich von illegalen Schatzsuchern: Als Meißner die Artefakte im Boden entdeckte, ließ er die Ringe im Erdreich und verständigte das LfA, damit die Forscher die ursprüngliche Anordnung und Vergrabesituation rekonstruieren können. Unmittelbar danach rückten Wissenschaftler und Grabungstechniker aus, um die Fundstücke fachgerecht zu bergen. Sie wollen die Ringe nun reinigen und restaurieren.

Illegale Schatzsucher haben schon viel Schaden angerichtet

Mancher wird sich womöglich noch an private Schatzsucher erinnern wie jene, die in den 1990ern in Sachsen nach vergrabenen Wettinerschätzen gruben. Oder an die Finder der Himmelscheibe von Nebra, die dieses einzigartige Artefakt beschädigten und zunächst für sich einkassierten. Hehler machten hinterher alles noch schlimmer, weil sie laienhafte Restaurationsversuche unternahmen.

Mittlerweile gilt auch deshalb in allen Bundesländern das „Schatzregal“, was bedeutet: Herrenlose Schätze im Boden gehören automatisch dem Staat. Zudem sind in den meisten Ländern Schatzsuchen nur nach Grabungsgenehmigungen beziehungsweise durch zertifizierte Sondengeräte-Nutzer erlaubt. Ein Grund: Ganz abgesehen von der Eigentumsfrage gelingen Schatzräubern zwar manchmal ganz erstaunliche Entdeckungen – sie machen noch öfter aber den professionellen Archäologen und Historikern das Leben schwer, weil sie Fundstücke beschädigen und die ursprüngliche Depot-Situation zerstören.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: LfA Sachsen, Wikipedia, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger