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Humanoide Roboter: Vom Sci-Fi-Prototyp zum Fabrikarbeiter

Ist auch zu Besuch auf der ManufacturingX-Tagung in Dresden: Dieser humanoide Roboter will sich demnächst als Filmschauspieler verdingen. Foto: Heiko Weckbrodt
Zu Besuch bei einer ManufacturingX-Tagung in Dresden: Dieser humanoide Roboter will sich demnächst als Filmschauspieler verdingen. Foto: Heiko Weckbrodt

IDTechEx-Analyse: Markt wächst binnen 10 Jahren auf knapp 30 Milliarden Dollar

Cambridge, 5. März 2026. Lange galten menschenähnlich geformte Roboter als Science Fiction oder bestenfalls als Spielerei – nun kommt der Markt dafür aber doch ins Rollen: Binnen zehn Jahren werden die Umsätze mit humanoiden Robotern auf 29,5 Milliarden US-Dollar (25,5 Milliarden Euro) wachsen, prognostiziert das englische Marktforschungsunternehmen „IDTechEx“ aus Cambridge.

Erste Kommerzialisierungswelle in Autoindustrie und Logistik

„Automobilindustrie und Lagerhaltung treiben die erste Kommerzialisierungswelle voran“, schätzt IDTechEx-Analyst Shihao Fu in der Studie „Humanoide Roboter 2026-2036: Technologien, Märkte und Chancen“ ein. Möglich werde dies, weil die Schreitroboter heute deutlich zuverlässiger und robuster funktionieren als noch vor ein paar Jahren, zudem große technologische Fortschritte gelungen sind. Dazu gehören bessere Akkus und Akku-Wechselsysteme, leistungsstärkere Elektromotoren, aber auch Fortschritte der dezentralen „Künstlichen Intelligenzen“ (KI), die die Roboter steuern.

„Humanoide Roboter werden zunehmend weniger als futuristische Prototypen gesehen“
IDTechEx-Technologieanalyst Shihao Fu

Zwar ist immer noch umstritten, ob jene humanoiden Roboter, die bereits in Fabriken und Lagern im Einsatz sind, wirklich einen großen Mehrwert gegenüber dem menschlichen Arbeiter darstellen. Aber das Portefeuille US-amerikanischer und chinesischer Anbieter wächst – und immer mehr Unternehmen testen die Humanoiden. Die Folge: „Humanoide Roboter werden zunehmend weniger als futuristische Prototypen, sondern vielmehr als praktischer Weg gesehen, künstliche Intelligenz in von Menschen gestaltete Umgebungen zu integrieren“, betont Shihao Fu. „In den letzten zwölf Monaten hat sich die Marktentwicklung von Messevorführungen hin zu strukturierten Pilotprojekten in Produktionsstätten verlagert.“

Angetrieben von Lösungen in China sind "Dark Factories" gerade wieder in aller Munde: Fabriken, die kein Licht mehr brauchen, weil sie menschenleer sind. Humanoide Roboter sollen hier die Lücken zur Vollautomatisierung schließen. Visualisierung: KI ChatGPT, Prompt: Heiko Weckbrodt
Humanoide Roboter sollen hier die Lücken zur Vollautomatisierung schließen. Visualisierung: KI ChatGPT, Prompt: Heiko Weckbrodt

Autofabriken mit ihren kontrollierten Umgebungen bieten sich für Pioniereinsatz an

Was sich bereits abzeichnet, ist eben der Pioniereinsatz vor allem in der Autoindustrie und Logistik. Gründe: Im Vergleich zu offenen Arbeitsumgebungen bieten Automobilwerke kontrollierte Betriebsbedingungen und strukturierte Arbeitsabläufe“ argumentiert der Analyst. Zudem spielen Arbeitskosten und Wettbewerbsdruck in dieser Branche eine besonders große Rolle – der Wunsch, sich der Vollautomatisierung anzunähern ist hier groß. Zudem verfügen die großen Automobilkonzerne auch über das nötige Kapital, um die nach wie vor nicht ganz billigen humanoiden Roboter in größeren Stückzahlen überhaupt anschaffen zu können.

Analysten rechnen mit breitem Heimeinsatz erst ab 2030/35

Wenn sich die Humanoiden in Autofabriken und Logistik bewähren und die Anschaffungskosten durch steigende Stückzahlen sinken, dürfte auch ihr Einsatz in Wohnungen und Heimen zunehmen. Zwar verwenden zum Beispiel japanische Hotels und Pflegeheime bereits jetzt humanoide Roboter – doch der Einsatz bleibt bisher eher punktuell. Mit einer Massenproduktion von humanoiden Robotern für den Heimgebrauch rechnet IDTechEx erst nach 2035, „sobald die Zuverlässigkeit der Plattformen, die Sicherheitsvalidierung und die Autonomie im Alltag ein Niveau erreicht haben, das für unstrukturierte häusliche Umgebungen geeignet ist“.

Denn in Wohnungen müssen Roboter mit ganz verschiedenen Umgebungen und immer neuen Sonderfällen im Einsatz zurecht kommen. Zudem müssen sie auch mit unerwarteten Reaktionen von Kindern oder Haustieren rechnen – und dürfen dabei weder Mensch noch Tier verletzen – mit einer Erwartungshaltung, die in Richtung einer 100-prozentigen Sicherheit geht. Von daher müssen die Konstrukteure der Humanoiden noch große Fortschritte beim Entwurf geschickter Hände und bei der taktilen Wahrnehmung der Robots erzielen.

Noch keine optimierten Lieferketten für Massenproduktion

Dafür wiederum müssen Lieferketten auf humanoide Roboter optimiert und die Massenproduktion besonders zuverlässiger und dennoch nicht zu teurer Schlüsselkomponenten hochgefahren werden. Dazu gehören beispielsweise Aktuatoren, Motoren, Getriebe, Schrauben, Lager, Kameras, Lasersensoren (Lidar), Radar, Ultraschallsensoren, taktile Sensoren, Batterien, Wärmemanagementlösungen, Hochleistungsmaterialien und Endeffektoren.

In dieser Hinsicht sehen wiederum die Analysten von „Trendforce“ aus Taiwan bereits signifikante Fortschritte erreicht: Sie rechnen bereits in diesem Jahr mit wesentlichen Durchbrüchen für die humanoide Robotik und mit rund 50.000 verkauften Exemplaren im Jahr 2026.

Mit humanoiden Robotern wie dem Optimus will Tesla auch die Autoproduktion umkrempeln. Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Tesla, Inc.
Mit humanoiden Robotern wie dem Optimus will Tesla auch die Autoproduktion umkrempeln. Foto: Tesla, Inc.

Humanoide ab etwa 10.000 Euro zu haben

Als globale Marktführer für humanoide Roboter gelten derzeit vor allem Unternehmen aus China und den USA. Dazu gehören Unitree Robotics und Agibot aus dem Reich der Mitte sowie Tesla, Agility und Boston Dynamics aus den Vereinigten Staaten. Früher galten vor allem die Japaner als Vorreiter humanoider Robotik, haben diese Position aber ein Stück weit verloren. Die derzeit verfügbaren Humanoiden kosten meist zwischen 10.000 und 30.000 Euro pro Roboter. Damit sind sie teils deutlich teurer als ein einfacher Roboterarm (ab ein paar Hundert Euro) oder Industrieroboter (ab 2500 Euro).

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: IDTechEx, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger