Kommentar: US-Israelischer Angriff auf Iran kann Wirtschaft in Deutschland und Sachsen weiter destabilisieren
Tel Aviv/Washington/Teheran/Dresden, 28. Februar 2026. Der heutige Angriff Israels und der USA auf den Iran könnte neben den unmittelbaren Folgen – dem Leid für die Menschen und die Zerstörungen an Häusern und Infrastrukturen – die ohnehin fragile Wirtschaftslage weiter destabilisieren: weltweit, in Deutschland wie auch konkret in Sachsen. Dies wird nicht zuletzt davon abhängen, ob und wie schnell Israels Premier Benjamin Netanjahu und US-Präsident Donald Trump ihre Kriegsziele realisieren können und wie stark die Solidaritätseffekte im Nahen Osten und in anderen Regionen ausfallen.
Boykott-Aufrufe von Sympathisanten, Soli-Terror und sogar ein Flächenbrand im Nahen Osten möglich
Denn in der Vergangenheit hatten die Huthi-Milizen am Roten Meer, die Hisbollah im Libanon sowie andere schiitische Terrorgruppen im Nahen Osten auf Angriffe auf den Iran mehrfach mit Attacken auf westliche Ziele reagiert. Insbesondere die Huthi können mit ihrer Nadelstich-Taktik durchaus eine wichtige Welthandelsroute lahmlegen. Zudem ist mit weiteren Boykottaufrufen pro-palästinensischer Sympathisanten gegen Waren und Künstler aus Israel und den USA zu rechnen. Nicht zuletzt gilt der Nahe Osten vor allem seit den Terrorangriffen der Hamas gegen Israel und dem folgenden Krieg der Israeli im Gazastreifen ohnehin als Pulverfass. Ein Krieg wie der aktuelle Angriff der Israelis und USA kann daher immer der Funke sein, der einen Flächenbrand im Nahen Osten und in der arabischen Welt auslöst – mit empfindlichen Folgen für Handel, Ölpreise, kulturelle, wissenschaftliche und andere globale Kooperationsbeziehungen. Diese Effekte wiederum können auf eine Weltwirtschaft treffen, die durch Multikrisen, die Wirtschaftskriege von Donald Trump, wachsenden Transformationsdruck, den Aufstieg Chinas und andere Auslöser ohnehin derzeit recht fragil und fragmentiert ist.
Neue Nahost-Krise würde auf eine derzeit besonders fragile deutsche Wirtschaft treffen
Dies gilt umso mehr für Deutschland, dessen Wirtschaft ohnehin schon seit einigen Jahren wegen herausgeschobener Reformen, sinkender weltweiter Nachfrage für deutsche Produkte, hohen Kosten und zuviel Bürokratie unter Druck steht und inzwischen – vor allem seit Corona – gar nicht mehr aus dem Krisental herauskommt. Zuletzt waren zwar Indizien für einen kleinen Aufschwung sichtbar. Ein Flächenbrand in Nahost mit all seinen Folgen für Rohstoffkosten, Investitionsgüternachfrage und Handel könnte für eine exportorientierte Wirtschaft wie die deutsche da besonders bremsend wirken.
Sachsen wollte nach Atomabkommen Handel mit Iran ausbauen – das fiel nach Trump-Aktionen flach
Dies könnte sich auch auf Ostdeutschland und Sachsen auswirken: Als Handelspartner spielt der Iran zwar für Sachsen wegen der internationalen Sanktionen gegen das Mullah-Regime keine nennenswerte Rolle mehr: Nach dem Atomabkommen von 2015 hatten sich Wirtschaftsförderer auch in Sachsen noch große Hoffnungen auf neue Aufträge von den Persern gemacht, doch die zerschlugen sich, als Trump in seiner ersten Amtszeit dieses vor allem von den Europäern mühsam ausgehandelte Abkommen 2018 aufkündigte. Insofern wäre dies nicht das erste Mal, dass erratische Entscheidungen aus dem Weißen Haus bis nach Sachsen gewirkt hätten. Das Ende des Tauwetters mit dem Iran traf den Freistaat besonders bitter, fast schon wie ein Déjà-Vu-Effekt: Mehrere Unternehmen hatten gerade erst erst ihre einst so starken Wirtschaftsbeziehungen gen Russland reaktiviert – und mussten diese dann ebenfalls wegen internationaler Sanktionen nach der russischen Invasion der Krim wieder abwickeln. Inzwischen exportiert der Freistaat nur noch Waren und Dienstleistungen im Wert von rund 28 Millionen Euro pro Jahr in den Iran.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: WFS, Handelsblatt, Oiger-Archiv, Stat. Landesamt Sachsen

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