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Riesenplaneten als kosmische Tankstelle für Wasser unter Strom?

In superionischem Wasser bilden die Sauerstoff-Atome ein festes Kristallgitter, in dem sich Wasserstoff-Ionen frei bewegen. Mit Hilfe starker Laser konnten Forscher diesen extremen Zustand, der sonst nur im Inneren von großen Planeten vorkommt, experimentell vermessen. Grafik: Greg Stewart / SLAC National Accelerator Laboratory
In superionischem Wasser bilden die Sauerstoff-Atome ein festes Kristallgitter, in dem sich Wasserstoff-Ionen frei bewegen. Mit Hilfe starker Laser konnten Forscher diesen extremen Zustand, der sonst nur im Inneren von großen Planeten vorkommt, experimentell vermessen. Grafik: Greg Stewart / SLAC National Accelerator Laboratory

Forscher aus Dresden analysieren bei extremer Hitze und Druck superionisches Wasser

Dresden/Hamburg/Menlo Park/Paris, 12. Januar 2026. Schaut man über den irdischen Tellerrand hinaus und setzt die interplanetare Brille auf, müssen wir viele unserer Vorstellungen von Wasser über Bord werfen: Das meiste Wasser in unserem Sonnensystem steckt nämlich im Innern von Riesenplaneten wie Uranus und Neptun, ist superionisch und kann Strom ohne Weiteres leiten. Davon gehen Forscher aus Sachsen, Hamburg und Kalifornien aus, nachdem sie diese für uns Erdlinge neuartige Form von Wasser im Labor künstlich erzeugt und erforscht haben. Das geht aus einer Mitteilung des Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) hervor.

Der Tunnel zwischen Desy in Hamburg und dem XFEL-Campus in Schenefeld ist 3,4 Kilometer lang. Das Beschleunigerrohr für die Elektronen ist rechts im Bild zu sehen. Nach der Wartungspause wird es nun wieder tiefgekühlt und luftleer gepumpt. Foto: Heiko Weckbrodt
Der Beschleuniger-Tunnel zwischen Desy in Hamburg und dem XFEL-Campus in Schenefeld. Foto: Heiko Weckbrodt

Bei mehreren 1000 Grad und Millionen Atmosphären wird Wasser superionisch

Dafür haben sie mit großen Teilchenbeschleunigern und Superlasern extreme Materiebedingungen hergestellt, wie sie eben beispielsweise in Riesenplaneten oder Sternen herrschen: Bei Temperaturen von mehreren tausend Grad Celsius und unter der Druck von 1,5 Millionen Atmosphären bildete sich am europäischen Röntgenlaser XFEL in Hamburg und am „Stanford Linear Accelerator Center“ (SLAC) im kalifornischen Menlo Park eben solches superionisches Wasser. Das analysierten die Forscher dann mit Röntgenblitzen innerhalb von Billionstel Sekunden. In diesem exotischen und elektrisch hoch leitfähigen Zustand können die Wasserstoff-Ionen des Wassers frei durch ein festes Gitter aus Sauerstoffatomen wandern. Dabei offenbarten sich den Wissenschaftlern komplexe Strukturen, zu denen sich die Sauerstoff-Teilchen mal kubisch im Raum, dann wieder als Sechseck-Schichten anordneten.

Womöglich häufigste Form von Wasser in unserem Sonnensystem

Das leitfähige superionische Wasser könnte auch der Grund dafür sein, dass manche Riesenplaneten ein ungewöhnliches Magnetfeld aufbauen. Und: Aufgrund der großen Wassermengen im Inneren von Uranus und Neptun könnte superionisches Wasser sogar die häufigste Form von Wasser in unserem Sonnensystem sein. „Zudem liefern die Befunde wertvolle Randbedingungen für verbesserte Modelle des Inneren und der Entwicklung von Eisriesen, die auch außerhalb unseres Sonnensystems sehr häufig sind“, heißt es aus dem HZDR.

An den Experimenten hatten sich 60 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Europa und den USA beteiligt. Neben den Dresdnern gehörten dazu Wissenschaftler der Uni Rostock und der französischen „École Polytechnique“ aus Palaiseau bei Paris. Die benötigten extremen Materiezustände erzeugten sich am „Matter in Extreme Conditions“-Instrument am LCLS in den USA und in der unterirdischen HED-HIBEF-Experimeniehütte am European XFEL.

Autor: hw

Quellen: HZDR

Wissenschaftliche Publikation:

„Observation of a mixed close-packed structure in superionic water“ von L. Andriambariarijaona u.a., in: „Nature Communications“, 2025, Fundstelle im Netz/DOI: 10.1038/s41467-025-67063-2

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger