Helmholtz Dresden: Paranüsse strahlen – aber zum Glück nur schwach

Nüsse wirken als Selenbomben, das Radium in ihnen wird kaum aufgenommen
Dresden, 25. Dezember 2025. Die gerade auch zu Weihnachten beliebten Paranüsse sind teilweise radioaktiv – aber so schwach, dass ihre gesunden Effekte überwiegen. Vor allem als „Selenbombe“ unterstützen sie das menschliche Immunsystem und schützen Zellen vor oxidativem Stress. Zu diesem Schluss sind Forscherinnen aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) und vom Verein „VKTA – Strahlenschutz, Analytik & Entsorgung Rossendorf“ nach einer Feinanalyse der Nüsse gekommen.
„Unsere Ergebnisse bestätigen, dass Paranüsse ein wertvolles Lebensmittel sind – insbesondere als natürliche Selenquelle. Gleichzeitig zeigen sie, dass die enthaltenen toxischen Elemente aufgrund ihrer geringen Löslichkeit beim Verzehr kaum eine Rolle spielen.“
Dr. Astrid Barkleit, HZDR
„Unsere Studie bestätigt den außergewöhnlich hohen Selengehalt in Paranüssen“, betont Dr. Astrid Barkleit vom HZDR-Institut für Ressourcenökologie. Allerdings nehme die Paranuss bei ihrem Wachstum in Südamerika neben den gesunden Inhaltsstoffen auch „unerwartete Begleiter“ auf: „Da die Böden im südamerikanischen Regenwald vergleichsweise arm an Kalzium sind, ersetzen chemisch ähnliche Elemente wie Barium und Radium teilweise das Kalzium“, heißt es vom HZDR. „Ähnlich wie Kalzium können diese Elemente in Knochen eingebaut werden, was potenziell gesundheitsschädlich sein kann. Radium etwa ist radioaktiv und steht im Verdacht, Knochenschäden oder Krebs zu verursachen.“
„Strahlenbelastung deutlich geringer als angenommen“
Allerdings habe die Untersuchung gezeigt, dass die praktischen Belastungen für den Körper sehr gering ist: „Selbst bei täglichem Verzehr einer Paranuss ergibt sich laut Berechnung durch die sehr geringe Bioverfügbarkeit eine Strahlendosis von nur etwa 2,4 Mikrosievert pro Jahr“, erklärt Dr. Diana Walther vom VKTA. „Das ist nur rund ein Tausendstel der natürlichen jährlichen Strahlenbelastung in Deutschland, die vom Bundesamt für Strahlenschutz mit durchschnittlich 2,1 Millisievert pro Jahr angegeben wird. Davon wiederum werden rund zehn Prozent mit der Nahrung aufgenommen. Damit ist die Strahlenbelastung, die vom Radium in Paranüssen ausgeht, deutlich geringer als bisher angenommen.“
Verdauungssystem im Labor simuliert
Für ihre Analysen hatten die Forscherinnen den menschlichen Verdauungsprozess im Labor mit künstlichem Speichel, Magensaft und Verdauungsenzymen bei Körpertemperatur nachgestellt. Mittels Massenspektrometrie, Gamma- und Alpha-Spektrometrie, NMR- und Laser-Fluoreszenz-Methoden bestimmten sie die Elemente in den Paranüssen – und wieviel sich davon laut Simulation theoretisch im Dünndarm aufgenommen werden könnte.
Pflanzliche Speicher binden Radium
Dass sich so wenig vom Radium und anderen „Begleitern“ aus der Nuss im Körper wiederfindet, erklärt sich das Team durch pflanzliche Speicherstoffe: Sie fanden in den Paranüssen Phytinsäure, die Mineralstoffe und Metalle stark bindet und dadurch deren Aufnahme verhindert.
Autor: Oiger
Quelle: HZDR
Wissenschaftliche Publikation:
„In Vitro Bioaccessibility and Speciation of Toxic and Nutritional Trace Elements in Brazil Nuts“ von A. Barkleit, J. Eum, D. Walther, D. Butscher, S. Friedrich, K. Müller, J. Kretzschmar, in: International Journal of Molecular Sciences, 2025, DOI und Fundstelle im Netz: 10.3390/ijms26178312

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