NewsWirtschaftzAufi

Eder-Ziegelwerk Freital vor dem Aus

Industrie Zahnrad Konjunktur. Abb.: Heiko Weckbrodt
Abb.: Heiko Weckbrodt

Hohe deutsche Energiepreise und Baukrise fordern weiteres Opfer

Freital, 6. November 2025. Das Ende der russischen Erdgaslieferungen und die Wirtschaftsdauerkrise in Deutschland haben ein weiteres Opfer gefunden: Das Ziegelwerk Eder in Freital steht wegen hoher Energiepreise und Bauflaute in Deutschland vor dem Aus: Das Management will die laufende Ziegelproduktion beenden, verbleibende Aufträge noch aus Lagerbeständen abarbeiten und sich dann Ende August 2026 endgültig aus dem Ziegelgeschäft verabschieden. Das hat das Unternehmen nun angekündigt.

Produktion endet, Unternehmen sucht nach neuem Daseinszweck

„Durch die lange Vorlaufzeit von 10 Monaten bis zur tatsächlichen Einstellung des Ziegelgeschäftes sollen alle Mitarbeiterinnen und Leistungspartner genug Zeit zur Neuorientierung bekommen“, heißt es dort. Statt Ziegel zu produzieren, werde sich das Unternehmen künftig mit „nachhaltiger Stadtentwicklung und Architektur“ beschäftigen und „als Dialogzentrum für Veranstaltungen zur Verfügung stehen“.

Produktion lohnt nicht mal mehr einschichtig

Nach der Wende sei das Werk „für die damaligen Marktverhältnisse mit einer sehr hohen Leistung geplant und bis vor zwei Jahren in einer 7-Tage-Woche im Dreischichtbetrieb geführt“ worden, begründet das Management diese Entscheidungen. „Mittlerweile ist der Markt für unsere Produkte nach dem Energiepreisschock in Folge des Ukrainekriegs und dem damit verbundenen Rückgang der Bautätigkeit so geschrumpft, dass das Werk nicht einmal mehr einschichtig ein ganzes Jahr ausgelastet werden kann. Es liegt auf der Hand, dass die Ziegelproduktion, die einen kontinuierlichen Betrieb bedingt, trotz vieler Anstrengungen so nicht wirtschaftlich betrieben werden kann.“

Ziegelproduktion startete vor über 200 Jahren

Die Ziegelproduktion am Standort geht dem Unternehmen zufolge bis auf die 1799 erbaute Ziegelei des Kammergutes Döhlen zurück. Nach dem II. Weltkriegs wurde der Betrieb verstaatlicht. 1976 stoppte der VEB jedoch die Ziegelproduktion, weil die DDR primär auf Beton als Baumaterial setzte. 1992 kaufte das österreichische Familienunternehmen „Eder“ das Areal und baute dort 1996 ein modernes Ziegelwerk. „Die hier vorgefundene einzigartige Mischung aus Lehm und Ton war ein wesentlicher Grund für die Investition“, informierte Eder. Das Werk beschäftigt laut Eder-Angaben 35 Menschen, 2021 waren es noch fast doppelt so viele.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quelle: Eder-Ziegelwerk Freital, Wikipedia

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger