Trump-Zölle und hohe Energiepreise: Stahlgipfel gefordert

Auch Sachsens Wirtschaftsminister will Rettungstreffen für deutsche Stahlindustrie
Dresden, 24. August 2025. Nach SPD-Chef Lars Klingbeil hat auch der sächsische Wirtschaftsminister Dirk Panter (ebenfalls SPD) für einen nationalen Stahlgipfel plädiert. Angesichts der aktuellen Herausforderungen wie hohe Energiepreisen, schwache Inlandsnachfrage und drastisch erhöhte US-Zöllen sei die deutsche Stahlindustrie dringend auf politische Unterstützung angewiesen.
Panter: Herzstück unserer industriellen Wertschöpfung
„Die deutsche Stahlindustrie ist ein Herzstück unserer industriellen Wertschöpfung und Garant für tausende gute Arbeitsplätze – auch in Sachsen“, betonte Panter. „Ohne eine starke Stahlindustrie fehlen die Grundlagen für unsere industrielle Transformation.“
Zugeständnisse der EU-Kommissionspräsidentin an Trump umstritten
Auslöser der Debatte ist der umstrittene Zoll-„Deal“ von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mit US-Präsident Donald Trump. Von der Leyen hatte im Juli Trumps Forderungen nachgegeben, dass die Europäer 15 Prozent Zoll für Exporte in die USA zahlen sollen, US-Firmen ihre Waren aber umgekehrt zollfrei nach Europa ausführen dürfen. Auf einige Güter wie Stahl werden noch höhere Abwehrzölle fällig. Damit will Trump die maroden Staatskassen in Washington sanieren, untergegangene US-Industrien wiederbeleben und das Außenhandelsdefizit der USA senken.
Auch sagte die „Green Deal“-Initiatorin von der Leyen zu, dass EU-Mitgliedsstaaten für 750 Milliarden Dollar Fracking-Gas und andere fossile Energieträger aus den USA kaufen und 600 Milliarden Dollar in den Vereinigten Staaten investieren. Trump deklarierte diese Zusagen danach als Geschenke an ihn. Umstritten ist allerdings, wie die Von-der-Leyen-Versprechen rechtsverbindlich umgesetzt werden sollen und ob die EU-Mitglieder ihnen zustimmen.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gilt zwar als Deal-Befürworter. Doch gerade für die ohnehin stark angeschlagene deutsche Industrie sind die neuen Zölle eine erhebliche Belastung. Das gilt besonders für die hiesigen Stahlwerke und Alu-Fabriken, die durch die hohen deutschen Energiepreise und Trumps 50-Prozent-Zölle in Bedrängnis geraten.
Deshalb haben Klingbeil, Panter und andere Sozialdemokraten nun einen Stahlgipfel gefordert. Ein solches Treffen zwischen Politikern, Unternehmern und Betriebsräten sei das richtige Signal, um konkrete Lösungen zu entwickeln, meint Panter: „Wir brauchen international wettbewerbsfähige Energiepreise und zugleich einen starken Einsatz der Bundesregierung in den Handelsgesprächen mit den USA. Faire Wettbewerbsbedingungen sind entscheidend, damit unser Qualitätsstahl auch künftig weltweit gefragt bleibt.“
Laut der „Wirtschaftsvereinigung Stahl“ sind im Freistaat rund 2600 Menschen direkt in der Stahlindustrie und rund 11.400 Menschen insgesamt in der Metallerzeugungs- und -bearbeitungsbranche tätig. Davon erzeugen rund 1700 Menschen jährlich zirka 1,3 Millionen Tonnen Stahl in den drei großen Stahlwerken in Sachsen. Dabei handelt es sich um Feralpi in Riesa, die Edelstahlwerke Freital und die Schmiedewerke Gröditz.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: SMWA, Oiger-Archiv

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