Wirtschaftsverbände: Auch 2025 geht’s kaum aufwärts
Einzigartige Multikrise deindustrialisiert Deutschland weiter
Köln, 27. Dezember 2024. Die meisten deutschen Wirtschaftsverbände rechnen damit, dass sich die deutsche Multi-Krise auch im kommenden Jahr fortsetzt. Das geht aus einer Umfrage des „Instituts der deutschen Wirtschaft“ (IW) aus Köln hervor.
In der IW-Umfrage schätzen 31 von 49 Wirtschaftsverbänden die aktuelle Lage als schlechter ein als noch vor einem Jahr. „Die Gründe sind vielfältig“, heißt es von den Ökonomen. „Hohe Kosten für Energie, Arbeit, Material und überbordende Bürokratie belasten die Unternehmen und sorgen dafür, dass sie im internationalen Vergleich kaum noch mithalten können. Die unsichere Weltlage hemmt Exporte, das politische Chaos im eigenen Land die Investitionen – wer nicht weiß, wohin die Politik die nächsten Jahre steuert, investiert seltener in neue Maschinen, Technologien oder Fahrzeuge“
„Deutsche Wirtschaft kommt auch 2025 nicht von Stelle“
„Die deutsche Wirtschaft kommt auch 2025 nicht von Stelle“, schätzt IW-Direktor Michael Hüther ein. „Besonders besorgniserregend ist die Vielzahl der Probleme, mit der die Unternehmen konfrontiert sind.“ Bereits in der Vergangenheit hatten Unternehmer und Ökonomen wiederholt darauf hingewiesen, dass die derzeitige Wirtschaftsflaute in Deutschland anders ist als beispielsweise seinerzeit die Finanzkrise oder die Ölkrise: Langfristige Probleme wurden von Politik und Wirtschaft immer wieder aufgeschoben und verstärken nun die Effekte einer Abfolge von Krisen.
Corona, Russland-Sanktionen, Erdgas-Verlust, Atomausstieg, US-Wirtschaftskrieg gegen China und andere Faktoren kamen zusammen
Schon in der Corona-Krise hatte die Bundesregierung viele Reserven aufgebraucht, um die Folgen ihrer Anti-Corona-Maßnahmen abzufedern. Dazu kamen die massiven Störungen von Welthandel und globalen Lieferketten, die durch die Wirtschaftskriege der USA gegen China, durch Corona-Lockdowns, Unfälle wie den Suez-Stau und den russischen Angriff auf die Ukraine ausgelöst wurden. Letzterer erzeugte zusätzliche Belastungen für die Wirtschaft, weil infolge der EU-Sanktionen Deutschland von günstigem russischen Erdgas abgeschnitten und alle Geschäfte in Russland aufgeben musste. Zeitgleich forcierte die Bundesampel den Atom- und Kohleausstieg, trieb durch weltweite Gas-Einkäufe zu sehr hohen Kosten die Marktpreise für fossile Energieträger hoch – all dies führte direkt in eine existenzbedrohende Krise für viele Industriezweige. Hinzu kommt die stark steigende Bürokratiebelastung durch immer neue Gesetze, Verordnungen und Berichtspflichten für die Betriebe.
Abruptes Ende der „Umweltprämie“ lies Dominosteine fallen
Außerdem ging der Bundesampel durch eine unvorsichtige Haushaltsplanung das Geld für die Kaufsubventionen für Elektroautos („Umweltprämie“) aus. Dadurch brach die ohnehin eher künstlich angefachte Nachfrage nach Stromern dramatisch ein. Dies zog Deutschlands größten Autobauer VW, der im Vertrauen auf die Ankündigungen der Politiker viel Geld in die Umrüstung seiner Werke gesteckt hatte, in eine tiefe Krise. Volkswagen wiederum zog die gesamte Zulieferindustrie, die eben erst die ohnehin schwere Transformation hin zu Stromer-Lieferketten versucht hatte, mit sich ins Tal.
China holt auf, deutsche Wirtschaft hat sich zu lange ausgeruht
Hinzu kamen langfristige, aufgeschobene Probleme. Dazu gehören bei VW hohe Personalkosten und starke Anteils-Verluste auf dem chinesischen Markt, dessen Erlöse in den vergangenen Jahren noch viele Probleme bei Volkswagen in Deutschland quersubventioniert hatten.
Chinesen rücken weiter auf
Nicht zuletzt haben auch jenseits der Autobranche die Chinesen an Wettbewerbsfähigkeit gewonnen: Sie bieten viele auch hochwertige Produkte – etwa Autos, Maschinen und viele Konsumgüter – inzwischen nicht nur billiger als die Europäer an, sondern auch in einer sichtlich wachsenden Qualität.

Von daher kann sich Deutschland wohl nur durch neue Ansätze in Wirtschaft wie auch Politik aus dem tiefen Tal befreien, in dem es derzeit fest steckt. „Die neue Regierung muss die langwierigen Konsequenzen der aktuellen Investitionsschwäche für das Produktionspotenzial am Standort Deutschland ernst nehmen und eine ernsthafte Verbesserung der investiven Rahmenbedingungen auf ihre Agenda setzen und auch umsetzen“, fordert IW-Studienautor Prof. Michael Grömling.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: IW Köln, Oiger-Archiv
Wissenschaftliche Publikation:
„Unterm Strich Null. Ergebnisse der IW-Verbandsumfrage für 2025“ von Michael Grömling, IW-Report, Nr. 50, Köln, Fundstelle im Netz hier

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