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Pfefferkorn-kleine Hirnstruktur macht bei Autisten einen Unterschied aus

Das menschliche Gehirn vollbringt komplexe Lösungsleistungen, von denen jede heutige KI noch Lichtjahre entfernt ist. In einigen Spezialdisziplinen erkennen Künstliche Intelligenzen aber auch Muster, die den einzelnen Menschen überfordern würden. Foto: Heiko Weckbrodt
Foto: Heiko Weckbrodt

Winziger „Kniehöcker“ im Gehirn beeinflusst Fähigkeit, Mimik anderer Menschen erkennen

Dresden, 14. November 2024. Ein Teil der Probleme, den viele Autisten beim sozialen Kontakt mit anderen Menschen haben, könnte womöglich mit einer nur pfefferkorn-kleinen Struktur in ihrem Gehirn zu tun haben. Das hat ein Team um Neurowissenschaftlerin Katharina von Kriegstein von der TU Dresden ermittelt. Demnach ist dieser „magnozelluläre laterale Kniehöcker“ (mLGN) im Gehirn von Autisten weniger aktiv als bei anderen Menschen. Dies kann möglicherweise dazu führen, dass sie beispielsweise bei Gesprächen die Mimik ihres Gegenübers kaum zu deuten vermögen.

Gesichtsbewegungen helfen normalerweise, Gesagtes zu deuten

„Es ist faszinierend, wie schnell und mühelos unser Gehirn Sehinformationen verarbeitet“, erklärt Studien-Erstautorin Dr. Stefanie Schelinski. „Viele dieser Sehinformationen sind dynamisch. Bei der zwischenmenschlichen Kommunikation zum Beispiel, können uns die Gesichtsbewegungen des Gesprächspartners etwas darüber verraten, was die Person sagt oder in welchem Gefühlszustand sie sich befindet. Die genaue Wahrnehmung dieser Information ist ein wichtiger Bestandteil sozialer Interaktion.“

Schnitt durch ein Gehirnbild mit einem Bild des lateralen Kniehöckers. Dabei handelt es sich um die tropfenförmige Struktur innerhalb des eingezeichneten blauen Rechtecks. Abb.: S. und K. von Kriegstein, TU Dresden
Schnitt durch ein Gehirnbild mit einem Bild des lateralen Kniehöckers. Dabei handelt es sich um die tropfenförmige Struktur innerhalb des eingezeichneten blauen Rechtecks. Abb.: S. und K. von Kriegstein, TU Dresden

Tief im Gehirn verborgen

Der „magnozelluläre laterale Kniehöcker“ im Gehirn wiederum transportiere wichtige Sehinformation vom Auge zu der Großhirnrinde. Diese Struktur ist unter anderem auf die Wahrnehmung von Bewegungen spezialisiert, darunter Gesichtsbewegungen beim Lachen oder Sprechen. Allerdings ist dieser Gehirnteil winzig – „vergleichbar mit der Größe eines Pfefferkorns“, betont die Forscherin. Zudem liegt er tief im Gehirn, was die Untersuchung technisch herausfordernd macht. „In unserer Studie konnten wir die technischen Herausforderungen überwinden und liefern erstmals direkte Hinweise für Unterschiede in der Funktion des mLGN bei Autismus“, berichtet Stefanie Schelinski. Dabei untersuchte das Team die Sauerstoff-Sättigung im Blut ausgewählter Hirnregionen. „Damit eröffnen sich neue Perspektiven für die Autismus-Forschung, aber auch in anderen Forschungsbereichen, wie beispielsweise Schizophrenie und Legasthenie, die mit ähnlichen Wahrnehmungsbesonderheiten einhergehen können.“

Quelle: TUD

Wissenschaftliche Publikation

„Functional alterations of the magnocellular subdivision of the visual sensory thalamus in autism“ von S. Schelinski, L. Kauffmann, A. Tabas, C. Müller-Axt, und K. von Kriegstein, in: “Proceedings of the National Academy of Sciences” (PNAS), 121 (47), 2024, e2413409121, Fundstelle im Netz: https://doi.org/10.1073/pnas.2413409121

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger