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Karosseriewerke Dresden investieren sieben Millionen Euro in Radeberg

KWD Radeberg hat sieben Millionen Euro in eine neue Großpresse investiert. Foto: KWD

KWD Radeberg hat sieben Millionen Euro in eine neue Großpresse investiert. Foto: KWD

Zulieferer erweitert mit Großpresse die Produktion von Metallbauteilen für Golf, Mercedes & Co.

Radeberg, 16. Dezember 2020. Die „Karosseriewerke Dresden Automotive“ (KWD) haben in Radeberg über sieben Millionen Euro in ihren Maschinenpark investiert. Herzstück ist dabei eine Servo-Großpresse. „Mit dieser Anlage, der größten Einzelinvestition der letzten acht Jahre, erweitern wir unser Produktportfolio und schaffen wichtige Kapazitäten für neue Aufträge“, erklärte Mirko Schmidt, technischer Geschäftsführer von KWD Radeberg. „Damit sichern wir den Standort und unsere Marktposition in einem zunehmend härteren Wettbewerb.“

„Wichtiger Beitrag für den Klimaschutz“

Mit der neuen Presse wollen die KWD-Arbeiter mehr Auto-Blechbauteile kalt umformen. Dazu gehören Dachrahmen, Querträger, B- und C-Säulen-Innenteile sowie Aufprallträger für den Golf 8 und andere Fahrzeuge. Die vom Maschinenbauer „Schuler“ gelieferte Servo-Großpresse kann rund acht Millionen Bauteile pro Jahr fertigen. Sie entwickelt auf den Stahlblechen eine Kraft, die dem Gewicht von 1600 Tonnen entspricht. Die neue Anlage verbrauche zudem relativ wenig Strom für ihre Leistungsklasse und reduziere damit auch den Energiebedarf im Unternehmen, betonte der KWD-Umweltbeauftragte Veit Lucas. „Das ist auch ein wichtiger Beitrag für den Klimaschutz.“

Kutschenwerkstatt stieg zum „Königlicher Hofwagenbauer“ auf

Die Wurzeln des Unternehmens reichen bis in die sächsische Königszeit zurück: 1864 gründete der Sattler Carl Heinrich Gläser in Dresden eine Werkstatt, in der er Kutschen und Schlitten baute. „Aufgrund der Qualität der Produkte gehörten schon ein Jahr später der Königliche Marstall und das Königliche Oberstallamt zu den festen Kunden“, heißt es in der KWD-Betriebschronik. „Heinrich Gläser durfte sich ,Königlicher Hofwagenbauer’ nennen.“ Die Rohbauten für die Kutschen bekam Gläser von Friedrich August Emil Heuer aus Radeberg.

Nur 709 Exemplare der Roadster-Ausführung "Wartburg 311/312 300 HT" wurden im Karosseriewerk Dresdenc produziert - heute existieren davon noch etwa 310 - und sind gefragte Sammlerstücke. Foto: Jürgen Haink

Nur 709 Exemplare der Roadster-Ausführung „Wartburg 311/312 300 HT“ wurden im Karosseriewerk Dresden produziert – heute existieren davon noch etwa 310 – und sind gefragte Sammlerstücke. Foto: Jürgen Haink

Cabrio-Versionen für Mercedes und Wartburg gebaut

Ab 1902 entwickelten Gläser und sein neuer Kompagnon Heuer ihre erste Autokarosserie für Mercedes. Nach der Enteignung 1946 wurden die Betriebe in Dresden und Radeberg 1953 zum staatlichen „VEB Karosseriewerke Dresden“ zusammengeschlossen. Dort entstanden unter anderem die Roadster-Versionen des Wartburg 311 und 312 sowie das Export-Cabrio 313. Doch 1967 war damit Schluss, die letzte Cabriolet-Karosse verließ die Hallen. Danach fertigte der Betrieb Varianten und Teile des Wartburg 353, insbesondere die Kombi-Variante „Wartburg 353 Tourist“. 1986 zerstörte ein Feuer das Werk an der Arnoldstraße in Dresden. In der Folge konzentrierte sich ein Teil des Geschäftsbetriebes auf Dresden-Klotzsche, vor allem aber auf den Standort Radeberg.

Nach Feuer und Privatisierung verlagerte sich Produktion ganz nach Radeberg

Nach der Privatisierung übernahm 1994 die Wolfsburger Schnellecke-Gruppe das Dresdner Unternehmen mitsamt 270 Mitarbeitern. Zwei Jahre später gaben die KWD ihren Standort am Flughafen Dresden auf und verlagerten die Produktion ganz nach Radeberg. Seit der Wende profilierten sich die KWD als Zulieferer von Karosserie-Bauteilen für VW, Porsche, Audi, Daimler und andere Kunden. Hauptsitz ist heute in Wolfsburg. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen bei einem Umsatz von 475 Millionen Euro inzwischen 2000 Mitarbeiter, darunter 516 in Radeberg.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: KWD, Schnellecke, Oiger-Archiv

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