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Erst Kinder der Flüchtlinge bekommen gleiche Chancen

Dr. Sebastian Braun. Foto: IFW
Dr. Sebastian Braun. Foto: IFW

IFW Kiel rechnet sehr langem Integrationsprozess wie nach dem II. Weltkrieg

Kiel, 21. März 2016. Über 30 Jahre, also mindestens eine Generation wird es dauern, bis Flüchtlinge und eingeborene Deutsche gleiche Chancen auf Wohlstand, gute Jobs und hohen Lebensstandard haben. Dass die Einwanderer den Einheimischen die Arbeit wegnehmen, ist kaum zu erwarten. Das geht aus einer Prognose von Dr. Sebastian Braun vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) hervor. Der Globalisierungsforscher hat dafür die heutige Situation mit der Integration heimatvertriebener Deutscher nach dem II. Weltkrieg verglichen.

Heimatvertriebene verdienten noch Anfang der 1970er weniger

Demnach verdienten die Menschen, die gegen Kriegsende aus den deutschen Ostgebieten in die Bundesrepublik geflüchtet waren, „noch 1971 unterdurchschnittlich, hatten weniger Vermögen und geringere Chancen, einen eigenen Betrieb zu besitzen, als die einheimische Bevölkerung“, heißt es im IFW-Resümee. „Erst ihre bereits in Westdeutschland geborenen Kinder hatten ähnlich gute Startchancen wie die Kinder der nichtvertriebenen Westdeutschen.“

Integration wird sehr lange dauern

Ziehe man die Parallele zu heute, dränge sich eine Schlussfolgerung auf: „Da die jetzigen Flüchtlinge teilweise deutlich schlechtere Voraussetzungen mitbringen als die Vertriebenen von damals, wird Integration heute erst recht sehr viel Zeit brauchen.“

Prognose: Einwanderer ziehen in die Städte

Andererseits sei zu erwarten, dass die Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan ähnlich wie die Heimatvertriebenen der 1950er Jahre sehr mobil bleiben werden. Letztere verließen die Dörfer oft rasch wieder, in die sie gezogen waren, und suchten Arbeit in den Großstädten. Dass die Flüchtlinge von heute den Bevölkerungsschwund im ländlichen Raum stoppen können, sei damit wenig realistisch, schätzte Dr. Sebastian Braun ein.

Und der Forscher zieht die Parallele zwischen damals und heute noch weiter: „Kurzfristig hatte der Zustrom der Vertriebenen nur dort nennenswerte Auswirkungen auf die Arbeitslosigkeit der Einheimischen, wo der Vertriebenenanteil mehr als 15 Prozent betrug. Bis zu diesem Schwellenwert waren praktisch keine Effekte auf die einheimische Arbeitslosigkeit erkennbar.“

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger

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