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Dresdner Promis gegen Pegida: Abendland braucht Weltoffenheit

Wutbürger gegen Wutbürger? Pegida-Demonstration gegen Einwanderung am 1. Dezember 2014 - und links daneben die Gegendemo der "Antifa" Foto: Heiko Weckbrodt

Wutbürger gegen Wutbürger? Pegida-Demonstration gegen Einwanderung am 1. Dezember 2014 – und links daneben die Gegendemo der “Antifa” Foto: Heiko Weckbrodt

Nach fremdenfeindlichen Demos: Über 500 Unterzeichner für Dialog-Aufruf

Dresden, 12. Dezember 2014: Das Abendland und Dresden im Besonderen brauchen jetzt Weltoffenheit und nicht Fremdenfeindlichkeit. Das haben über 500 Forscher, Unternehmer, Ärzte und weitere Multiplikatoren aus Dresden und ganz Sachsen in einem Dialog-Aufruf veröffentlicht, der gestern mit ganzseitigen Anzeigen in den Dresdner Tageszeitungen veröffentlicht wurde. Der Appell „Worauf es jetzt im „Abendland“ ankommt“ richtet sich vor allem an diejenigen, die bei den montäglichen „Pegida“-Demos („Patriotische Europäer Gegen die Islamisierung des Abendlandes“) mitmarschieren.

Keine Nazis, sondern Unglückliche

Prof. Clemens Kirschbaum (TU dresden), Foto: privat

Prof. Clemens Kirschbaum von der TU Dresden findet: Man sollte mit den Pigida-Leuten reden, statt sie als Nazis abzustempeln – ihnen aber klar machen, welcher Fremdenfeindlichkeit sie da Vorschub leisten. Foto: privat

Diese Menschen als Rechtsradikale abzutun, sei der falsche Weg, betonte der Dresdner Biopsychologie-Professor Clemens Kirschbaum, der zu den Initiatoren des Aufrufs gehört. „Darunter sind ganz offensichtlich einfach viele unglückliche und vom Leben geschüttelte Menschen, deren Ängste man ernst nehmen und mit denen wir in einen Dialog kommen müssen, um klarzumachen, mit welchen Leuten sie da mitmarschieren“, betonte der Psychologe. Insbesondere Stadt und Landesregierung sollten nun Podiumsdiskussionen veranstalten, um diesen Dialog anzustoßen.

Dresden braucht Weltoffenheit

Klarmachen müsse man den Mitläufern auch, dass es gerade Weltoffenheit sei, die Dresden zu einer starken Wissenschafts-, Wirtschafts- und Kulturstadt mache, betonte Kirschbaum. „Was wäre die Semperoper ohne Künstler aus dem Ausland?“, fragt er rhetorisch. „Was wären Dynamo Dresden oder die Dresdner Volleyballerinnen allein mit Sportlern, die in Dresden geboren wurden?“ Ihn jedenfalls hätten die Aufnahmen von den Pegida-Demonstrationen doch sehr an die Bilder von einer Politik auf der Straße aus der Endzeit der Weimarer Republik erinnert, sagte der Professor.

Zu den Unterzeichnern gehören zum Beispiel der Dresdner Globalfoundries-Chef Rutger Wijburg, der Schauspieler Wolfgang Stumph, „Silicon Saxony“-Verbandschef Heinz Martin Esser, TU-Nanotech-Experte Gianaurelio Cuniberti, die Wippler-Bäckerfamilie und viele andere. hw

Zum Weiterlesen:

Was ist eigentlich das Abendland?

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