Wirtschaft

Bionische Ameisen und Schmetterlinge in der Fabrik der Zukunft

Die künstlichen Ameisen von Festo sollen in der Fabrik der Zukunft die Montage übernehmen. Abb.: BSF, Festo

Die künstlichen Ameisen von Festo sollen in der Fabrik der Zukunft die Montage übernehmen. Abb.: BSF, Festo

Festo-Ingenieure wollen künstliche Insekten die Arbeit in der „Industrie 4.0“ machen lassen

Esslingen/Dresden, 25. März 2015: Künstliche Ameisen werden in den Fabriken der Ameisen mit höchstem Kollektivgeist Autos und Maschinen zusammenbauen, Schwärme bionischer Schmetterlinge das Produktionsgeschehen überwachen. Zumindest, wenn es nach den Bionik-Ingenieuren des Esslinger Automatisierungs-Unternehmens „Festo“ geht. Deren Chefs haben heute in einer Online-Videokonferenz die Mega-Trends für die sogenannte „Industrie 4.0“ vorgestellt – und einige faszinierende künstliche Tiere aus den Festo-Forschungslaboren gezeigt, die demnächst auf der Hannover-Messe herumkrabbeln und -flattern sollen.

Stereokameras als Augen, Funk im Insekten-Hintern

Dazu gehören beispielsweise bionische Ameisen, die auf sechs piezoelektrisch angetriebenen Beinchen durch die Fabriken der Zukunft wuseln könnten. Statt Augen haben sie Stereokameras und im Hintern stecken Funkmodule, mit denen sich die künstlichen Insekten je nach Montage-Aufgabe zu Zweier-, Dreier- oder Vierer-Teams vernetzen können, wie Festo-Manager Heinrich Frontzek erklärte. Um sie kompakter (und futuristischer) zu konstruieren, haben die Ingenieure die goldfarbenen elektrischen Leiterbahnen für die Ameisen-Steuerungen außen auf die Ameisenpanzer gelasert. Derart hochtechnologisch aufgerüstet, können sich die Ameisen in Echtzeit in ihrer Fabrikumgebung orientieren und kooperativ Aufgaben lösen – was die Festo-Manager heute anhand einer Lego-Konstruktion demonstrierten.

Die Bionischen Schmetterlinge orientieren sich beim Flug mit Indor-GPS und Bildverarbeitung. Foto: Festo

Die Bionischen Schmetterlinge orientieren sich beim Flug mit Indor-GPS und Bildverarbeitung. Foto: Festo

Roboterschmetterlinge flattern als Überwacher durchs Werk

Überwachen sollen diese insektischen Arbeiter Schwärme von bionischen Schmetterlingen, die etwa 50 Zentimeter Flügelspannweite haben und laut Frontzek nur jeweils 30 Gramm wiegen. Während ihres Fluges durch die Werkhallen orientieren sie sich mittels Innenhaus-GPS-Ortung und einer Echtzeitverarbeitung von Bilddaten. „Solche fliegenden Automaten könnten zum Beispiel Leit- und Monitoring-Funktionen in künftigen Fabriken übernehmen“, sagte Frontzek. Zwar geht kaum ein Praktiker davon aus, dass die Industrie der Zukunft wirklich von künstlichen Insekten in dieser Form erledigt wird. Die bionischen Krabbel- und Flugroboter sollen aber eher demonstrieren, wohin der Technologie-Zug einmal fahren könnte.

Bionisches Känguru (Video: Festo)

Supraleit-Technik für hermetische Labore in Kooperation mit Dresdner Entwicklern

Neben der Bionik, die klassische Roboter und Funktionsprinzipien natürlicher Organismen zu verschmelzen sucht, sehen die Festo-Ingenieure auch in der Supraleit-Technik großes wirtschaftliches Potenzial. Dabei handelt es sich um Transport- und Manipulationssysteme, die extrem starke Magnetkräfte entwickeln, wenn sie auf Temperaturen unter minus 180 Grad heruntergekühlt werden. Diese Anlagen sollen vor allem in Hochsicherheits- und Reinstraum-Laboren zum Beispiel in der Pharmazie, Virenforschung oder Lebensmittelanalyse eingesetzt werden, wo Proben berührungslos transportiert werden müssen, die Umgebungsbedingungen für Menschen zu gefährlich sind beziehungsweise die Labore vollkommen hermetisch abgekapselt werden müssen. Die Supraleit-Materialien dafür bezieht Festo übrigens teilweise von der Dresdner Firma „Evico“, die aus dem „Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung“ (IFW) Dresden ausgegründet wurde. Autor: Heiko Weckbrodt

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Evico sieht Supraleittechnik vor Marktdurchbruch