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Führungswechsel bei X-Fab

Blick in einen Reinraum von X-Fab. Foto: X-Fab

Blick in einen Reinraum von X-Fab. Foto: X-Fab

Erfurter Halbleiter-Gruppe wächst und investiert auch in Dresden weiter

Erfurt/Dresden, 5. März 2014: Der Erfurter Mikroelektronik-Auftragsfertiger „X-Fab“ hat das vergangene Jahr mit einem Umsatzplus von zwölf Prozent abgeschlossen und rechnet mit weiterem Wachstum. Künftig will das Unternehmen sein Geschäft in Asien ausbauen und rechnet mit starkem Wachstum in seiner noch jungen Mikrosystem-Sparte. Der langjährige Geschäftsführer Hans-Jürgen Straub will sich allerdings allerdings im Juni aus der Unternehmensführung zurückziehen und diese ganz seinem bisherigen Ko-Geschäftsführer Rudi De Winter überlassen. Zugleich kündigten Straub und De Winter weitere Investitionen in das Dresdner X-Fab-Werk an.

Kurzarbeit beendet

X-Fab-CEO Hans-Jürgen Straub

X-Fab-CEO Hans-Jürgen Straub

In den vergangenen zwei Jahren hatte X-Fab bereits rund 60 Millionen Dollar (43,6 Millionen Euro) in seine Dresdner Fabrik investiert, um sie auf größere Siliziumscheiben (200- statt 150-Millimeter-Wafer) umzustellen. Während dieser Umrüstung, vor allem im Jahr 2013, durften die rund 400 Mitarbeiter dort teils nur kurzarbeiten. Diese Phase sei nun nahezu abgeschlossen, die Kurzarbeit beendet, erklärte Straub. Derzeit sei die Fab gut ausgelastet. Bis zum Jahresende sollen die Fertigung auf den alten 150-mm-Anlagen nach und nach auslaufen und die 200-mm-Linie hochfahren.

Weiterer Ausbau für 40 Millionen $

Dadurch könne man in Dresden nun auch mehr Hochvolt-Chips produzieren, die hohe Spannungen vertragen, wie sie beispielsweise für Leuchtensteuerungen gebracht werden, so Straub. Je nach Marktnachfrage werde man dann in Dresden nach und nach etwa weitere 40 Millionen Dollar (29,1 Millionen Euro) investieren, um die Produktionslinien für die größeren Wafer zu erweitern. X-Fab hatte das Werk im Jahr 2007 von ZMD mit einer damals schon veralteten 150-mm-Fertigung übernommen.

Straub übergibt Chefsessel an de Winter

Rudi De Winter. Foto: X-Fab

Rudi De Winter. Foto: X-Fab

Zumindest vom Chefsessel aus wird Straub indes den weiteren Ausbau nicht mehr dirigieren: Der 59-Jährige will im Juni die alleinige Führung an seinen bisherigen Ko-Geschäftsführer De Winter übergeben. „Das war schon lange geplant. Und 22 Jahre als Chef sind lange genug für mich“, beteuerte Straub. Er hatte X-Fab seit dem Neustart 1992 geleitet. Zuvor war er zentraler Planer im Vorgänger-Unternehmen VEB Mikroelektronik Erfurt.

18 % Umsatzplus erwartet

Das Ruder übergibt Straub seinem Nachfolger in einer günstigen Situation: Nachdem X-Fab in den vergangenen Jahren immer wieder mal mit schrumpfenden Umsätzen und Verlusten zu kämpfen hatte, ist nun anscheinend ein besseres Fahrwasser unterm Kiel: 2013 hat die Gruppe weltweit 290 Millionen Dollar (211Millionen Euro) umgesetzt, zwölf Prozent mehr als im Vorjahr (259 Millionen Dollar = 188 Mio. €). Zudem erwirtschaftete das Unternehmen einen Vorsteuergewinn von 18 Millionen Dollar (13,1 Mio. €). Für das erste Quartal 2014 rechnet X-Fab angesichts gefüllter Auftragsbücher mit einem Umsatzplus von 18 Prozent.

MEMS werden zum Wachstumsträger

 

MEMS-Gyrsokop von X-Fab. Abb.: X-Fab

MEMS-Gyrsokop von X-Fab. Abb.: X-Fab

Die verbesserte Wirtschaftslage führt die Noch-Doppelspitze auch auf eine Neustrukturierung zurück. Neben der klassischen Auftragsfertigung von analog-digitaler Misch-Elektronik tragen in zunehmendem Maße auch zwei neue Geschäftsfelder zum Wachstum bei. Zum Einen ist dies die Produktion von „Mikroelektromechanischen Systemen“ (MEMS) in den Fabriken Erfurt und Itzehoe. In diesem Segment hat X-Fab sogar Umsatzzuwächse von 50 Prozent erreicht.

X-Fab profitiert vom Fabfree-Trend

Zum Anderen bietet X-Fab jetzt Kunden auch an, sich um deren „Outsourcing“ komplett zu kümmern. Sprich: Unternehmen, die sich von eigenen Fabriken trennen wollen, werden von den Erfurtern beim Transfer ihrer Technologien in die X-Fab-Werke unterstützt. Dazu gehören auch Spezialtechnologien außerhalb der Chipbranche wie die Herstellung von Lithium-Akkus auf Siliziumscheiben. Vor allem aber in der Mikroelektronik ist diese Verlagerung der Produktion an Auftragsfertiger („Foundries“) derzeit ein globaler Megatrend.

X-Fab beschäftigt weltweit rund 2400 Mitarbeiter und hat Fabriken am Stammsitz in Erfurt, in Dresden, Itzehoe, Texas und Malaysia. Etwa zwei Drittel des Umsatzes erwirtschaftet das Unternehmen in Europa, ein Viertel in Asien, den Rest in den USA. De Winter rechnet damit, dass der Umsatzanteil in Asien in den nächsten Jahren steigen wird – da sich auch die weltweiten Mikroelektronik-Kapazitäten generell gen Fernost verlagern. Autor: Heiko Weckbrodt

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