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Browns „Inferno“: Arg konstruierte Genterror-Jagd auf Dantes Spuren

Thriller-Symbologe Robert Landom wacht in Browns "Inferno" in Florenz mit einer handfesten Amnäsie auf - und muss sogleich vor seinen Häschern durch die Renaiassance-Metropole hetzen.. Foto. Heiko Weckbrodt

Thriller-Symbologe Robert Landom wacht in Browns „Inferno“ in Florenz mit einer handfesten Amnäsie auf – und muss sogleich vor seinen Häschern durch die Renaiassance-Metropole hetzen.. Foto. Heiko Weckbrodt

Dan Brown, so hat man derzeit den Eindruck, kann schreiben was er will: Es wird ein Erfolg. Sein neuestes Buch „Inferno“ führt derzeit europaweit die Bestseller-Listen an, wie eine Auswertung von „Media Control“ ergeben hat. Darin schickt er seinen Action-Symbologen Robert Langdon nach Florenz, Venedig und Istanbul, um auf den Spuren von Dantes „Göttlicher Komödie“ einen Gen-Anschlag zu verhindern – und dabei kommt er irren Star-Biologen, umgedrehten Gutmenschinnen, einem geheimnisumwitterten Sicherheitsunternehmen und gar der Weltgesundheitsorganisation in die Quere.

Dan Brown. Foto. Bastei Lübbe

Dan Brown. Foto. Bastei Lübbe

Stilistisch dazugewonnen

Offensichtlich machen Browns Fan-Leserschaft die vielen Logikbrüche und die überkonstruierte Handlung wenig aus. Und immerhin ist zu bemerken, dass der US-Autor stilistisch gewonnen hat. Die oft etwas groschenromanhaft anmutenden Plattitüden, die sein erstes Langdon-Abenteuer „Sakrileg“ noch durchlöcherten, hat er weitgehend abgestreift. Auch verzichtet er diesmal dankenswerterweise auf die ermüdenden Dozier-Einschübe, mit denen er „Das verlorene Symbol“ in die Länge zog.

Viele – etwas bemüht konstruierte – „Überraschungen“

Andererseits aber will im „Inferno“ nicht so recht die Spannung früherer Werke aufkommen, was auch an den sehr bemüht konstruierten „überraschenden“ Wendungen liegen mag. Dies offenbart wiederum die strukturellen Schwächen dieses Thrillers, in dem man den Eindruck hat, dass hier um ein Kunstwerk wieder mal auf Biegen und Brechen eine Story gestrickt werden musste.

Fazit:

Foto: Bastei Lübbe

Foto: Bastei Lübbe

Recht unterhaltsam ist Browns – diesmal „nur“ 668 Druckseiten langer – Thriller trotz einiger Schwächen dennoch, darin kennt sich der Autor mit seiner TV- und Film-getunten Stilistik eben aus. Ob man seinen Ausführungen über einen notwendigen Kampf gegen globale Überbevölkerung, die er wieder mal in einen butterweich-versöhnlichen Epilog packt, wirklich teilen mag, sei dagegen dahingestellt. Heiko Weckbrodt

Dan Brown: „Inferno“, Bastei-Lübbe 2013 (Original: Doubleday 2013), Kindle-eBook: 20 Euro, ASIN B00B1VI7BQ
 
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