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„1953“: Grusel-Abenteuer um Gedankenkontroll-Gau des KGB

Das Büro des KGB-Offiziers steckt voller verborgener Mechanismen. Abb.: UIG

Das Büro des KGB-Offiziers steckt voller verborgener Mechanismen. Abb.: UIG

Moskau, 1953: Der Elektriker Pjotr Jaschkin wacht tief unter der Lubjanka auf, in den Experimentier-Kellern des Staatssicherheitsdienstes. Irgendetwas ist furchtbar schiefgelaufen: Eben noch hat er im Auftrag des KGB kaputte E-Generatoren repariert, wie er in Ohnmacht fiel, daran erinnert er sich nicht mehr. Doch während er sich mühsam einen Weg durch kaputte Panzertüren und halbzerstörte Gänge bahnt, trifft er keine Menschenseele mehr, hört nur diese seltsamen Stimmen aus dem Lautsprecher. Als Pjotr die verstreuten Dokumente liest, stößt er auf brutale Gedanken-Kontrollexperimente des gefürchteten sowjetischen Geheimdienstes….

Menschen wie Maschinen lenken und formen
Pjotr wacht verwirrt im KGB-Keller auf. Abb.: BSF

Pjotr wacht verwirrt im KGB-Keller auf. Abb.: BSF

Das atmosphärisch dichte und beklemmende Grafik-Adventure „1953 – Im Netz des KGB“ nimmt’s zwar mit den historischen Fakten nicht allzu genau (der NKWD/MWD wurde erst 1954 zum „KGB“) und bedient auch fleißig diverser KGB-Klischees – ist aber ganz wunderbar gruslig inszeniert und fängt den Geist und Duktus der spätstalinistischen Ära ganz wunderbar ein: Den Glauben, den Menschen wie Maschinen durch Ingenieure neu formen, „verbessern“ zu können. Die – aus heutiger Sicht – technokratische Aufbruchstimmung, in der es gar nicht abwegig schien, durch Radiowellen demnächst Telepathie zu ermöglichen, die elektromechanische Optik, die bizarren Propaganda-Schriften.

Selbst das Optionsmenü ist im Technikstil der 1950er gehalten. Abb.: UIG

Selbst das Optionsmenü ist im Technikstil der 1950er gehalten. Abb.: UIG

Dazu tragen auch die historischen Schwarz-Weiß-Filme bei, die in die Story einführen. Ansonsten steht „1953“ grafisch in der Tradition der „Myst“-Reihe, die Rätsel sind aber bei weitem nicht so schwer zu lösen. Und wer dennoch nicht weiterkommt: Auf der CD ist gleich noch eine Komplettlösung beigefügt. Zu kritisieren ist eigentlich nur die recht kurze Spielzeit. Das Ende wirkt sehr abrupt, gerade so, als ob dem Machern zum Schluss das Geld ausgegangen wäre und sie die Geschichte ganz schnell zu Ende bringen mussten.

Fazit:

Was dieses Spiel der St. Petersburger Softwareschmiede Phantomery Interactive so beklemmend macht, ist der Gedanke, dass solche Experimente in der menschenverachtenden Stalin-Ära durchaus denkbar gewesen wären. Das Indie-Adventure bietet eine tolle Story bis in die Details hinein und düstere Atmo – ist nur leider viel zu kurz. Heiko Weckbrodt

„1953 – Im Netz des KGB“ (Phantomery Interactive/UIG), Adventure, P 12 (ist aber nichts für Kinder)

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