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EeePad Transformer: Heirat von Netbook und Tablet

 

Per Schiebe-Entriegler wird aus dem Netbook ein Tablet. Abb. (2): Asus

Per Schiebe-Entriegler wird aus dem Netbook in zwei Sekunden ein Tablet. Abb. (2): Asus

Das iPad mag trendy sein, um damit längere Elaborate zu schrieben, ist die Bildschirmtastatur indes ungeeignet. Ein Netbook wiederum hat eine echte Tastatur, ist aber sperriger als ein Tablettcomputer und auch nicht so chic. Netbook-Erfinder Asus verheiratet nun mit dem „Eee Pad Transformer“ beide Welten: Klickklack wird aus dem mobilen Rechner ein Pad und umgedreht. Ein faszinierend einfaches Konzept, das allerdings in unserem vierwöchigen Test einigen Finish-Bedarf offenbarte, der vor allem mit dem aufgespielten Android-Betriebssystem zu tun hat.

Schon unzerteilt macht das Transformer-Teil keinen üblen Eindruck: Äußerlich kommt es in dunkelbrauner Lederoptik und -haptik daher, aufgeklappt präsentiert es sich in Mattkupfer. Durch seine Bauform bietet es Platz für eine recht geräumige Tastatur, auf der man bedeutend flüssiger schreiben kann als auf den meisten Platzspar-Keyboards anderer Netbooks. Ein DVD-Laufwerk bietet das Gerät leider nicht, ist aber ansonsten technisch solide ausgestattet: entspiegelter 10,1-Zoll-Breitbildschirm, 1-Gigahertz-Tegra2-Prozessor von Nvidia, WLAN, Bluetooth, Kartenleser für Micro-SDs, bis zu 32 Gigabyte Flashspeicher und HSDPA-Unterstützung für mobile Datenverbindungen. Mit Tastatur wiegt das gute Stück 1,3 Kilogramm.

Mit einem Klick wird aus dem Asus-Notebook ein Pad
Außen Lederoptik, innen Mattkupfereffekte

Außen Lederoptik, innen Mattkupfereffekte

Ein Knipps auf einen Schiebehebel – auch mitten im Betrieb – reicht, um das Netbook in ein Pad zu verwandeln, das dann nur noch 680 Gramm wiegt – etwas schwerer als ein iPad.
Gewöhnungsbedürftig ist freilich der Formfaktor von 1 zu 1,7: Anders als beim A4-ähnlichen Format vieler Tablets hat man hier einen langen, schmalen Bildschirm in der Hand. Ansonsten bietet das Eee-Pad alles, was das iPad kann und ein bisschen mehr: Automatische Bildschirmausrichtung durch Lagesensoren, Mehrfinger-Gestenbedienung, aber eben auch Einschubschächte für Speichererweiterungen und einen HDMI-Bildausgang.

Aufgespielt ist eine von Asus leicht variierte Variante des linuxbasierten Android-Betriebssystems 3.2.1 (Codename „Honeycomb“), das Google speziell für Tablettcomputer entwickeln ließ. Vor allem die Oberfläche, in die E-Mail-Zugänge, Wetterbericht, Uhrzeit und andere Infos eingespiegelt werden können, ist schön gestaltet. Im Grundsatz ist Android-Honeycomb auch keine schlechte Lösung. Der Nutzer hat Zugriff auf einen App-Laden, viele Programme wie „Polaris Office“, Amazon Kindle etc. sind schon vorinstalliert. Besonders gut gefallen hat uns die Auto-Vervollständigung beim Schreiben: Die ist deutlich einfacher und treffsicherer als beim iPad.

Android-Betriebssystem zeigt auf dem Tablet einige Schwächen

Doch so richtig ausgereift ist Honeycomb eben doch noch nicht. So kann man mit Bordmitteln zum Beispiel Programme nicht wirklich beenden: Sie werden bis zum nächsten Systemstart im Hintergrund „eingefroren“, wie die Android-Entwickler sagen. Offensichtlich entfalten sie im Frostschlaf aber doch Aktivitäten, versuchen zum Beispiel, auf das (übrigens mäßige) GPS-Modul des Pads zurückzugreifen und dergleichen mehr. Zwar gibt es im Android-Store Spezialprogramme, um Apps wirklich zu beenden, aber das ist nun wirklich eine Funktion, die fest ins Betriebsystem eingebaut gehört.

Schlechtes Energiemanagement drückt die Akku-Laufzeit

Auch war es uns im Test nicht möglich (nur eBook-App plus Nachschlagewerk, andere Programme per Neustart terminiert), eine reproduzierbare Akku-Laufzeit zu messen. Drei Messläufe ergaben drei gewaltig differierende Werte von eineinhalb Stunden, drei Stunden und 6,25 Stunden. Das Einzige, was man da sicher sagen kann: Wie man es auch anstellt, die von Asus angegebene Laufzeit von bis zu 9,5 Stunden war nicht erreichbar. Die tieferen Ursachen für diese Messdifferenzen waren nicht erkennbar. Offensichtlich gibt es aber Probleme mit dem Android-Energiemanagement: Durchgängige Testläufe brachen die längste Laufleistung, aber schon eine Nacht Lesepause zerrte den Akku herunter. Dabei weckte sich das Gerät immer wieder mal mit einem Seufzer aus dem Tiefschlaf – das zehrt natürlich am Akku. Weiteres Manko: Die Standard-E-Buch-App von Asus hat ernste Umbruchprobleme, deutsche Worte werden teils nach dem ersten Buchstaben auf die nächste Zeile verschoben, weil die App die korrekte Silbentrennung nicht beherrscht.

Fazit

Konzeptionell sowie in puncto Verarbeitung und Qualität ist das „Eee Pad Transformer“ ein sehr interessantes Gerät für all jene, die mit ihrem Tablet nicht nur rumspielen, sondern auch arbeiten wollen – der Tastatur-Andockmechanismus ist wirklich solide gelöst. Allerdings sollten Asus und die Android-Entwicklern unbedingt noch diverse Kinderkrankheiten heilen.  Heiko Weckbrodt

„Eee Pad Transformer“ (Asus), konvertierbares Tablet (Pad oder Netbook), zirka 500 Euro mit Tastaturdock
 

Leicht albernes werbevideo von Asus für das EeePad Transformer:

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