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Neue Infineon-Fab: Bitterer Beigeschmack bleibt

Oigers Kommentar

Dresden, 29.7.11: Infineon investiert 250 Millionen Euro – vielleicht bald sogar mehr – in Dresden, kündigt 250 neue Jobs an und das ist zweifellos erfreulich. Ein bitterer Beigeschmack bleibt dennoch. Denn den Großreinraum, in dem die neue Fabrik für Leistungshalbleiter eingerichtet wird, hat Infineon im Mai für 101 Millionen Euro aus der Insolvenzmasse seiner pleite gegangenen Tochter Qimonda gekauft.

Und da ist ein Blick zurück angebracht: Diese Speicher-Megafab entstand ab dem Jahr 2000 als SC 300 unter Regie von Siemens/Infineon, kostete damals umgerechnet etwa eine Milliarde Euro, wovon etwa 20 Prozent Subventionen, also Steuergelder waren. Und da sind die Folgeinvestitionen und späteren Technologiefördergelder noch gar nicht eingerechnet. Doch als Qimonda Anfang 2009 in die Insolvenz ging, unternahm die Mutter Infineon nicht allzu viel, um die Tochter zu retten – wobei man der Fairness halber sagen muss, dass Infineon damals das Wasser selbst bis zum Hals stand und die Qimonda-Chefetage die Pleite größtenteils selbst verschuldet hatte.

Im Ergebnis waren jedenfalls allein in Dresden auf einen Schlag über 3000 Arbeitsplätze futsch und dies hinterließ nicht nur bei den arbeitslosen Qimondianern Bitternis – gegen Infineon, gegen den Staat, die teils subventionierte Konkurrenz in Asien. Und nun kauft Infineon für „ein Appel und ein Ei“ die Überreste, will ehemalige Qimondianer wieder zurücklocken, wobei wir hier über nicht mal über ein Zehntel der früheren Belegschaft reden – und da kommt eben der seltsame Beigeschmack ins Spiel. Ein ehemaliger Qimonda-Mitarbeiter drückte es im Gespräch mit mir drastischer aus: „Eine Riesenschweinerei ist das.“

Allerdings geht es in der Wirtschaftswelt nicht im umgangssprachlichen Sinne „gerecht“ zu, sondern pragamtisch – und das sollte man an dieser Stelle auch sein. Und der Pragmatiker sagt hier: Seid dennoch dankbar. Denn wenn Infineon den nahezu leeren Reinraum, den in den vergangenen zweieinhalb Jahren keiner haben wollte, nicht gekauft hätte, dann hätte Insolvenzverwalter Michael Jaffè angesichts der hohen Reinraum-Betriebskosten wahrscheinlich bald das Licht ausgedreht, dann wäre da oben in Dresden-Klotzsche vielleicht bald der 77. Möbelmarkt oder ein Schnäppchenmarkt eingezogen – so mit zehn, 20 Angestellten. Und das will auch keiner. Heiko Weckbrodt

Siehe: Infineon investiert 250 Mio Euro in Dresden

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