Studie: Menschen neigen zu Hamsterrad-Entscheidungen

Computer-Neurowissenschaftler aus Dresden testen Entscheidungsmuster von Menschen
Dresden, 28. Februar 2026. Bei anstehenden Einkäufen, Problemen und anderen Alltagsentscheidungen neigen Menschen noch mehr als bisher gedacht zu altbekannten Mustern, statt offensichtlich vorteilhafte neue Wege zu gehen – wie ein Hamster im Laufrad. Das geht aus einer Studie von Computer-Neurowissenschaftlern der TU Dresden hervor.
„Viele ‘irrationale’ Präferenzen entstehen dadurch … dass Menschen in einem bestimmten Kontext dazu neigen, einmal bevorzugte Handlungen zu wiederholen.“
Dr. Ben Wagner, TU Dresden / Universitätsklinikum Tübingen / Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik
„Menschen neigen zu Entscheidungsverzerrungen, die ihr Verhalten irrational erscheinen lassen“, heißt es in der Studie. „Eine wichtige Ursache für diese Verzerrungen ist, dass der Kontext, in dem Entscheidungen getroffen werden, später beeinflussen kann, welche Optionen Menschen in neuen Situationen bevorzugen.“
Demnach wiederholen Menschen gerne frühere Entscheidungen, unabhängig davon, ob diese im neuen Moment noch sinnvoll sind. Entscheidend ist dabei nicht das Abwägen von Vor- und Nachteilen, sondern die Erinnerung an vorheriges Handeln. „Das Überraschende war, wie stark Wiederholung allein Präferenzen verändern kann“, erklärt Studien-Erstautor Dr. Ben Wagner. „Häufiger gewählte Optionen wurden nicht nur bevorzugt, sondern auch als besser eingeschätzt.“
Für ihre Experimente hatte das Forschungsteam um Prof. Stefan Kiebel, der den TUD-Lehrstuhl für Kognitive Computationale Neurowissenschaft leitet, 349 Menschen Entscheidungsaufgaben vorgelegt und sie mit kleinen Belohnungen verknüpft. Dann überprüften sie, wie sehr die Teilnehmer dazu neigten, früher erfolgreiche Lösungswege zu wiederholen – selbst dann, wenn diese gar nicht mehr passten. Die Befunde dieser Tests verglichen sie dann mit früheren Experimenten.
Autor: Oiger
Quelle: TUD
Wissenschaftliche Publikation:
„Action repetition biases choice in context-dependent decision-making“ von Ben Wagner, H.B. Wolf und S.J. Kiebel, in: „Communications Psychology“ 3, 177 (2025), Fundstelle im Netz und DOI: https://doi.org/10.1038/s44271-025-00363-x

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