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Handwerker: Sachsen soll Corona-Rückforderungen aussetzen

Im ostsächsischen Handwerk ist die Stimmung derzeit mies. Foto: Heiko Weckbrodt
Foto: Heiko Weckbrodt

Kammer: Rückforderungsbescheide setzen ohnehin gebeutelte Solo-Selbstständige unter Druck – bis hin zur Geschäftsaufgabe

Dresden, 5. Juni 2025. Ostsächsische Handwerker haben die Landesregierung aufgefordert, vorerst darauf zu verzichten, von Friseuren, Kosmetikern und anderen Solo-Selbstständigen und Kleinstbetrieben einmal gezahlte Corona-Hilfen zurückzuzahlen. Eine entsprechende Resolution hat nun die Vollversammlung der Handwerkskammer Dresden beschlossen.

„Nie dagewesene Ausnahmesituation“

Der Freistaat müsse „der wirtschaftlichen Realität vieler Soloselbstständiger und Kleinstbetriebe Rechnung tragen und sozial gerechte sowie rechtssichere Lösungen schaffen“, heißt es in dem Positionspapier. Gerade diese besonders einkommensschwache Gruppe unter Sachsens Unternehmern sei im Frühjahr 2020 „mit einer nie dagewesenen Ausnahmesituation konfrontiert“ worden. „Innerhalb kürzester Zeit führten behördlich angeordnete Betriebsschließungen, Kontaktbeschränkungen und Auftragsausfälle infolge der Corona-Pandemie zu dramatischenUmsatzeinbrüchen. Der Staat griff in dieser Notsituation tief in das Wirtschaftsleben ein.“

Die danach gewährten Hilfen fordere der Staat nun jedoch in vielen Fällen nach undurchsichtigen Kriterien zurück. Diese Rückforderungsbescheide würden häufig auf nachträglich geänderten Auslegungen beruhen. „Unabhängig vom Alter geraten viele dieser Unternehmerinnen und Unternehmer nun in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten bis hin zur Existenzgefährdung“, warnt die Kammer.

Ifo-Index: Geschäftsklima und Auftragslage für Kleinunternehmer seit 2020 auf Talfahrt

Die Berichte über die prekäre Lage von Soloselbstständigen und Kleinstbetrieben deckt sich auch mit Erhebungen von Ökonmen: Seit der Pandemie und den Gesetzesnovellen und neuen Auslegungen von „Scheinselbstständigkeit“ hat sich für diese Einzelkämpfer die Auftragslage in vielen Branchen drastisch verschlechtert. Laut Ifo-Umfragen meldet fast jeder Zweite zu wenige Aufträge, das Geschäftsklima für sie ist seit Corona nahezu kontinuierlich auf Talfahrt.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: HWK Dresden, Ifo

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger