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Automatisierungsspezialist Xenon baut in Dresden aus

Blick in die Xenon-Fabriken in Dresden. Foto: Xenon
Blick in die Xenon-Fabriken in Dresden: Konstrukteur Sebastian Lehne mustert mit Mechatronik-Studentin Sina Bender von der TU Dresden eine Anlagen-Steuerung. Foto: Xenon

Millionenteurer Fabrikausbau im Jubiläumsjahr

Dresden, 2. Juni 2025. Angesichts der Nachfrage für Automatisierungs-Technik aus Sachsen baut der Dresdner Sondermaschinen-Hersteller „Xenon“ seine Produktions- und Logistikkapazitäten aus: Für 3,5 Millionen Euro sollen zwei neue Fertigungshallen sowie ein Bürotrakt im Gewerbegebiet Coschütz-Gittersee entstehen. Das haben die Geschäftsführer Tobias Reissmann, Andre Koberg, Kay Truxa und Mitgründer Hartmut Freitag zum 35. Xenon-Jubiläum bei einem Fest mit Mitarbeitern und Geschäftspartnern im „Bilderberg Bellevue“-Hotel mitgeteilt.

Internationalisierung und straffer Innovationskurs zahlen sich aus

Die Wirtschaftsflaute in Deutschland, insbesondere die Krise im Automobilbau, gehe zwar auch an Xenon nicht spurlos vorbei, räumt Senior-Geschäftsführer Freitag ein. „Aber unsere Aufträge haben lange Vorlaufzeiten, deshalb trifft uns die Krise auch nicht so stark wie andere.“ Außerdem stelle Xenon einen Teil seiner Anlagen in eigenen Niederlassungen in Mexiko und China her. Dadurch tangieren die jüngsten globalen Handelskonflikte den sächsischen Mittelständler nicht ganz so sehr. „Und wir haben neue Geschäftsfelder wie die Anlagenkonstruktion für Elektrolyseur-Hersteller aufgebaut.“ All dies sorge dafür, dass es bei Xenon recht rund laufe – und eben auch Bedarf für Erweiterungen gebe.

Xenon-Geschäftsführer Dr. Hartmut Freitag hat sein technologisches Rüstzeug an der TU Dresden erworben - und profitiert bis heute von dieser Ausbildung. Foto: Heiko Weckbrodt
Hartmut Freitag. Foto: Heiko Weckbrodt

„Unsere Fabrik in China hat sich auf die Hightech-Automatisierung mit hoher Präzision spezialisiert. Und diese Nische funktioniert auf dem chinesischen Markt auch sehr gut.“

Hartmut Freitag, Xenon-Seniorchef

Konkret wollen die Dresdner in dem 1750 Quadratmeter großen Neubau an der Pforzheimer Straße bereits ab Ende 2025 mechanische Bauteile für Automatisierungsanlagen fertigen und Logistikkapazitäten schaffen. Der Komplex soll zudem Maßstäbe in puncto Energieversorgung und Nachhaltigkeit setzen. Unter anderem wird er durch Wärmepumpen beheizt und deckt etwa ein Fünftel bis ein Viertel des Xenon-Strombedarfs durch eine Solaranlage auf dem Dach.

Der Neubau „G“ von Xenon Dresden im Gewerbegebiet Coschütz-Gittersee soll Ende 2025 fertig sein. Foto: Xenon
Der Neubau „G“ von Xenon Dresden im Gewerbegebiet Coschütz-Gittersee soll Ende 2025 fertig sein. Foto: Xenon

Fraunhofer bekommt Neubau – und macht Platz im Xenon-Innovationszentrum frei

„Mit dieser Erweiterung ist das Grundstück dann allerdings erst mal voll bebaut“, erklärte Ko-Geschäftsführer Helmut Freitag. Weitere Kapazitätsreserven habe das Unternehmen aber noch in seinen Bestandsgebäuden, von denen bisher ein Teil als Innovations-Brüter an Fraunhofer und junge Technologieunternehmen vermietet sei. Da die dort untergebrachte Fraunhofer-Abteilung für cognitive Produktionssysteme (CPS) aber derzeit ohnehin einen 38 Millionen Euro teuren Neubau am TU-Campus an der Nöthnitzer Straße bekommt, wird im Xenon-Innovationszentrum ab dem Sommer 2026 ohnehin bald Platz für die nächsten Kapazitäts-Erweiterungen der Automatisierungsschmiede frei.

Vor 35 Jahren aus dem Robotron-Kombinat ausgegründet

Der Anlass für das Fest und die jüngsten Ankündigungen: Im Juni 1990 hatten die Robotron-Ingenieure Eberhard Reißmann und Hartmut Freitag das Sonderanlagen-Konstruktionsunternehmen aus dem kriselnden DDR-Computerkombinat ausgegründet – damals noch in einem Keller an der Fetscherstraße. Seither ist der Sondermaschinen-Bauer nahezu stetig gewachsen. Das Unternehmen gilt als Vorzeigebeispiel für eine erfolgreiche Nachwende-Unternehmung, die von Dresden aus Autozulieferer, Solarfabriken, Medizintechnik-Hersteller und die noch junge Wasserstoffwirtschaft weltweit automatisiert.

Mit eigens dafür entwickelten Anlagen will Xenon den Sunfire-Kollegen helfen, die Montage der Reaktorstapel ("Stacks") und weiterer Komponenten künftiger Groß-Elektrolyseure stark zu automatisieren. Foto: Xenon Dresden
Mit eigens dafür entwickelten Anlagen will Xenon den Sunfire-Kollegen helfen, die Montage der Reaktorstapel („Stacks“) und weiterer Komponenten künftiger Groß-Elektrolyseure stark zu automatisieren. Foto: Xenon Dresden

Automatische Stack-Stapler für heiße Wasserspalter

Gerade letztere Aktivitäten seien ein noch junges Geschäftsfeld, so die Geschäftsführer. „Wir haben bereits Pilotanlagen mit Firmen wie Sunfire Dresden realisiert, arbeiten auch mit großen Herstellern und Fraunhofer zusammen. Aber wir sind noch nicht in der Großserie angelangt“, betonen Freitag und Koberg. Xenon hat sich dabei auf Anlagen für die hochautomatisierte und kostengünstige Massenproduktion der Herzstücke von Elektrolyseuren spezialisiert. Diese „Stacks“ genannten Plattenstapel spalten mit elektrischer Energie Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff auf. Das geschieht teils in kühleren Aggregaten mit Proton-Austausch-Membranen (PEM), teils in Hochtemperatur-Anlagen, die bei über 800 Grad arbeiten. Vor allem diese „heißen“ Wasserspalter sind besonders effizient, aber noch rar und teuer. Deren Produktion anzukurbeln und billiger zu machen ist daher ein Hauptziel der innovativen Stapelautomaten aus Dresden. „Technologisch stehen wir mit unseren Anlagen auch international mit an der Spitze“, ist Freitag überzeugt.

E-Auto-Trend und autonomes Fahren bescheren Dresdnern Großaufträge

Andererseits spielen die weltweiten Trends hin zum automatischen Fahren und zum Elektroauto den Dresdnern in die Hände und gleichen ein Stück weit die Auftragsschwächen aus anderen Teilen der Automobilindustrie aus. So beliefert Xenon beispielsweise Branchengrößen wie Bosch mit jeweils 1000 Quadratmeter großen Fertigungsanlagen. In diesen Komplexen verketten die Dresdner jeweils 45 Module, die dann Baugruppen für elektrische Lenksysteme in autonom fahrenden Autos fertigen. Andere Spezialanlagen aus Dresden produzieren hochautomatisiert Ventil-Baugruppen für Massagesitze in Oberklasse-Autos. „Früher wurden diese Massagevorrichtungen von kleinen Motoren angetrieben“, erklärt Koberg die Hintergründe dieser neuen Aufträge. „Elektroautos sind aber so leise, dass die Motorengeräusche im Sitz die Fahrer nerven könnten.“ Daher lösen die Zulieferer die Massage-Motoren nun durch extrem leise und leichte Lösungen aus Formgedächtnis-Drähten ab – und dafür brauchen sie eben die hochpräzisen Montage-Anlagen aus Sachsen.

Die Xenon-Geschäftsführer Kay Truxa, Andre Koberg und Tobias Reissmann. Foto: Thomas Schlorke für Xenon
Die Xenon-Geschäftsführer Kay Truxa, Andre Koberg und Tobias Reissmann. Foto: Thomas Schlorke für Xenon

Rekordumsatz statt Flaute

Diese und weitere Aufträge aus dem Automobil-Sektor, aus der Medizintechnik sowie für die Leistungselektronik-Endmontage in der Mikroelektronik haben Xenon in Summe kurz vor dem 35. Jubiläum sogar Rekordumsätze beschert: Während sich andere Autozulieferer verkleinern und Mitarbeiter entlassen, steigerte das Dresdner Unternehmen seine Umsätze im Jahr 2024 um etwa zwölf Prozent auf 87 Millionen Euro – zwei Drittel davon durch Exporte in alle Welt. Mittlerweile beschäftigt Xenon 455 Menschen, darunter 319 am Hauptsitz in Dresden.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Auskünfte Xenon, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger