Automatisierungsspezialist Xenon baut in Dresden aus

Millionenteurer Fabrikausbau im Jubiläumsjahr
Dresden, 2. Juni 2025. Angesichts der Nachfrage für Automatisierungs-Technik aus Sachsen baut der Dresdner Sondermaschinen-Hersteller „Xenon“ seine Produktions- und Logistikkapazitäten aus: Für 3,5 Millionen Euro sollen zwei neue Fertigungshallen sowie ein Bürotrakt im Gewerbegebiet Coschütz-Gittersee entstehen. Das haben die Geschäftsführer Tobias Reissmann, Andre Koberg, Kay Truxa und Mitgründer Hartmut Freitag zum 35. Xenon-Jubiläum bei einem Fest mit Mitarbeitern und Geschäftspartnern im „Bilderberg Bellevue“-Hotel mitgeteilt.
Internationalisierung und straffer Innovationskurs zahlen sich aus
Die Wirtschaftsflaute in Deutschland, insbesondere die Krise im Automobilbau, gehe zwar auch an Xenon nicht spurlos vorbei, räumt Senior-Geschäftsführer Freitag ein. „Aber unsere Aufträge haben lange Vorlaufzeiten, deshalb trifft uns die Krise auch nicht so stark wie andere.“ Außerdem stelle Xenon einen Teil seiner Anlagen in eigenen Niederlassungen in Mexiko und China her. Dadurch tangieren die jüngsten globalen Handelskonflikte den sächsischen Mittelständler nicht ganz so sehr. „Und wir haben neue Geschäftsfelder wie die Anlagenkonstruktion für Elektrolyseur-Hersteller aufgebaut.“ All dies sorge dafür, dass es bei Xenon recht rund laufe – und eben auch Bedarf für Erweiterungen gebe.

„Unsere Fabrik in China hat sich auf die Hightech-Automatisierung mit hoher Präzision spezialisiert. Und diese Nische funktioniert auf dem chinesischen Markt auch sehr gut.“
Hartmut Freitag, Xenon-Seniorchef
Konkret wollen die Dresdner in dem 1750 Quadratmeter großen Neubau an der Pforzheimer Straße bereits ab Ende 2025 mechanische Bauteile für Automatisierungsanlagen fertigen und Logistikkapazitäten schaffen. Der Komplex soll zudem Maßstäbe in puncto Energieversorgung und Nachhaltigkeit setzen. Unter anderem wird er durch Wärmepumpen beheizt und deckt etwa ein Fünftel bis ein Viertel des Xenon-Strombedarfs durch eine Solaranlage auf dem Dach.

Fraunhofer bekommt Neubau – und macht Platz im Xenon-Innovationszentrum frei
„Mit dieser Erweiterung ist das Grundstück dann allerdings erst mal voll bebaut“, erklärte Ko-Geschäftsführer Helmut Freitag. Weitere Kapazitätsreserven habe das Unternehmen aber noch in seinen Bestandsgebäuden, von denen bisher ein Teil als Innovations-Brüter an Fraunhofer und junge Technologieunternehmen vermietet sei. Da die dort untergebrachte Fraunhofer-Abteilung für cognitive Produktionssysteme (CPS) aber derzeit ohnehin einen 38 Millionen Euro teuren Neubau am TU-Campus an der Nöthnitzer Straße bekommt, wird im Xenon-Innovationszentrum ab dem Sommer 2026 ohnehin bald Platz für die nächsten Kapazitäts-Erweiterungen der Automatisierungsschmiede frei.
Vor 35 Jahren aus dem Robotron-Kombinat ausgegründet
Der Anlass für das Fest und die jüngsten Ankündigungen: Im Juni 1990 hatten die Robotron-Ingenieure Eberhard Reißmann und Hartmut Freitag das Sonderanlagen-Konstruktionsunternehmen aus dem kriselnden DDR-Computerkombinat ausgegründet – damals noch in einem Keller an der Fetscherstraße. Seither ist der Sondermaschinen-Bauer nahezu stetig gewachsen. Das Unternehmen gilt als Vorzeigebeispiel für eine erfolgreiche Nachwende-Unternehmung, die von Dresden aus Autozulieferer, Solarfabriken, Medizintechnik-Hersteller und die noch junge Wasserstoffwirtschaft weltweit automatisiert.

Automatische Stack-Stapler für heiße Wasserspalter
Gerade letztere Aktivitäten seien ein noch junges Geschäftsfeld, so die Geschäftsführer. „Wir haben bereits Pilotanlagen mit Firmen wie Sunfire Dresden realisiert, arbeiten auch mit großen Herstellern und Fraunhofer zusammen. Aber wir sind noch nicht in der Großserie angelangt“, betonen Freitag und Koberg. Xenon hat sich dabei auf Anlagen für die hochautomatisierte und kostengünstige Massenproduktion der Herzstücke von Elektrolyseuren spezialisiert. Diese „Stacks“ genannten Plattenstapel spalten mit elektrischer Energie Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff auf. Das geschieht teils in kühleren Aggregaten mit Proton-Austausch-Membranen (PEM), teils in Hochtemperatur-Anlagen, die bei über 800 Grad arbeiten. Vor allem diese „heißen“ Wasserspalter sind besonders effizient, aber noch rar und teuer. Deren Produktion anzukurbeln und billiger zu machen ist daher ein Hauptziel der innovativen Stapelautomaten aus Dresden. „Technologisch stehen wir mit unseren Anlagen auch international mit an der Spitze“, ist Freitag überzeugt.
E-Auto-Trend und autonomes Fahren bescheren Dresdnern Großaufträge
Andererseits spielen die weltweiten Trends hin zum automatischen Fahren und zum Elektroauto den Dresdnern in die Hände und gleichen ein Stück weit die Auftragsschwächen aus anderen Teilen der Automobilindustrie aus. So beliefert Xenon beispielsweise Branchengrößen wie Bosch mit jeweils 1000 Quadratmeter großen Fertigungsanlagen. In diesen Komplexen verketten die Dresdner jeweils 45 Module, die dann Baugruppen für elektrische Lenksysteme in autonom fahrenden Autos fertigen. Andere Spezialanlagen aus Dresden produzieren hochautomatisiert Ventil-Baugruppen für Massagesitze in Oberklasse-Autos. „Früher wurden diese Massagevorrichtungen von kleinen Motoren angetrieben“, erklärt Koberg die Hintergründe dieser neuen Aufträge. „Elektroautos sind aber so leise, dass die Motorengeräusche im Sitz die Fahrer nerven könnten.“ Daher lösen die Zulieferer die Massage-Motoren nun durch extrem leise und leichte Lösungen aus Formgedächtnis-Drähten ab – und dafür brauchen sie eben die hochpräzisen Montage-Anlagen aus Sachsen.

Rekordumsatz statt Flaute
Diese und weitere Aufträge aus dem Automobil-Sektor, aus der Medizintechnik sowie für die Leistungselektronik-Endmontage in der Mikroelektronik haben Xenon in Summe kurz vor dem 35. Jubiläum sogar Rekordumsätze beschert: Während sich andere Autozulieferer verkleinern und Mitarbeiter entlassen, steigerte das Dresdner Unternehmen seine Umsätze im Jahr 2024 um etwa zwölf Prozent auf 87 Millionen Euro – zwei Drittel davon durch Exporte in alle Welt. Mittlerweile beschäftigt Xenon 455 Menschen, darunter 319 am Hauptsitz in Dresden.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: Auskünfte Xenon, Oiger-Archiv

Ihre Unterstützung für Oiger.de!
Ohne hinreichende Finanzierung ist unabhängiger Journalismus nach professionellen Maßstäben nicht dauerhaft möglich. Bitte unterstützen Sie daher unsere Arbeit! Wenn Sie helfen wollen, Oiger.de aufrecht zu erhalten, senden Sie Ihren Beitrag mit dem Betreff „freiwilliges Honorar“ via Paypal an:
Vielen Dank!

