Ökonomen warnen: Abgabenlast für Werktätige wird noch stark steigen

Auch weil die neue Bundeskoalition echte Sozialreformen scheut, könnte bald jeder zweite Lohn-Euro für Rente, Pflege & Co. draufgehen.
Berlin/Dresden, 13. April 2025. Weil sich CDU und SPD um längst ausstehende, aber eben unpopuläre Sozialreformen drücken und statt dessen neue Versprechen wie mehr Mütterrente, vergleichsweise hohe Rentenniveaus und dergleichen mehr in ihren Koalitionsvertrag hineingeschrieben haben, dürften die Sozial- und Abgabenlasten für die berufstätige Bevölkerung in den nächsten Jahren stark wachsen. Davor haben Wirtschaftsforscher gewarnt.
Iges: Vor allem Krankenversicherung kostet mehr
So prognostiziert beispielsweise das private Iges-Institut Berlin einen Anstieg der Sozialabgaben bis zum Jahr 2025 auf 49 Prozent vom Bruttoeinkommen – oder mehr. Seit Beginn des Jahres 2025 liege die gesamte Sozialabgabelast der beitragspflichtigen Einnahmen bereits bei 42,5 Prozent. Ein Grund dafür sei der starke Anstieg der Zusatzbeiträge zur Krankenversicherung. Schon im kommenden Jahr drohe ein weiterer Anstieg, weil die erste Zahlung an den Krankenhaus-Transformationsfonds fällig wird. Dann steigen die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung im Schnitt auf 18 Prozent.
Hinzu kommen die Anstiege bei den Renten- und Pflegebeiträgen. Letztere legen vor allem zu, weil es immer mehr Pflegebedürftige gibt und die Löhne der Pflegekräfte auch durch politischen Druck zuletzt recht deutlich gestiegen waren – und damit die Kosten des gesamten Pflegesystems.
Demografischer Wandel drückt seit Jahren aufs Rentensystem – doch alle Politiker scheuen unpopuläre Reformen
Auf das Rentensystem wiederum drückt seit Jahren der demografische Wandel: Immer weniger junge Arbeitnehmer sollen die Rente für immer mehr Senioren finanzieren. Hinzu kommen versicherungsfremde Leistungen wie die Mütterrente, die die CSU durchgedrückt hatte. All dies erfordert wachsende Steuerzuschüsse ins – eigentlich als beitragsfinanziert konzipierte – Rentensystem. In ihrem Koalitionsvertrag haben sich CDU, CSU und SPD nun darauf festgelegt, „das Rentenniveau bei 48 Prozent gesetzlich bis zum Jahr 2031“ abzusichern. Zudem planen sie für 2026 eine „Frühstart-Rente“ für Kinder und wollen auf bayrischen Wunsch auch die „Mütterrente“ – die unabhängig von Beitragszahlungen als Bonus gewährt wird – noch einmal erhöhen. Die Mehrausgaben für all dies möchten die Merz-Regierung durch Steuermittel ausgleichen – wobei die Wirtschaftslage eigentlich nicht gerade steigende Steuereinnahmen erwarten lässt.
„Immer höhere Sozialabgaben sind eine Wachstumsbremse“
Makroökonomische Simulationen des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) haben ergeben, dass steigende Sozialabgaben geringere private Investitionen zur Folge haben. „Für die Unternehmen in Deutschland sind immer höhere Sozialabgaben eine Wachstumsbremse“, warnt Studienautor Jochen Pimpertz. In Summe klettern die Sozialbeiträge mit der Erhöhung auf über 42 Prozent. „Was es jetzt braucht, ist eine strikte Ausgabendisziplin – hier müssen die angehenden Koalitionäre in Berlin dringend nachlegen. Ansonsten drohen Impulse zu versanden, die über den Infrastrukturfonds finanziert werden sollen.“
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: Iges, DIW, Oiger-Archiv

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